Tal der Gnome | leichtes Kennerspiel | ab 10 Jahren | 2-4 Personen | Ammon Anderson | Strohmann Games

Vermutlich brauche ich viel länger zum Lesen einer Spielanleitung als die meisten anderen, weil ich dabei häufig „spazieren“ denke. Oder aber ich lese etwas in der Anleitung, wozu ich noch recherchieren möchte. Zum Beispiel weiß ich jetzt, dass ein „Caganer“ eine katalanische Krippenfigur ist, die bei der Verrichtung ihrer Notdurft abgebildet wird. Gesucht habe ich übrigens nach „bärtiger Wichtelhut“, weil ich wissen wollte, wie dieser Pilz in echt aussieht.
Hätte ich die Anleitung von Tal der Gnome aufmerksam gelesen, wäre mir klar gewesen, dass die fünf verschiedenen Pilzsorten im Spiel fiktiv sind. In diesem Plättchenlegespiel versuchen wir, mit unserem Gnomenpaar Blumenringe zu legen, auf denen verschiedene Pilze wachsen, die wir anschließend mit einem unserer Gnome einsammeln können, wenn wir den Ring vervollständigt haben. Diese Pilze können wir später am Pilzmarkt für andere Gegenstände wie Knöpfe, Federn oder Kristalle, genannt Schätze, eintauschen, die wiederum am Ende die entscheidenden Siegpunkte bringen. Verschieden große Blumenringe geben uns verschiedene Boni wie etwa Jokerplättchen oder Blumentöpfe, von denen wir möglichst viele verschiedene haben wollen. Und wie so oft gewinnt am Ende, wer die meisten Siegpunkte hat.
Spiele, in denen Plättchen gelegt werden müssen, brauchen bei mir etwas Besonderes, damit sie meine Aufmerksamkeit erregen. Tal der Gnome z.B. finde ich optisch einfach schön. Das Material ist über jeden Zweifel erhaben: Die Illustrationen von Ammon Anderson (dem Autor des Spiels) und Patrick Spaziante sind toll, die Holzkomponenten wertig und die magnetischen Ringmarker auf dem Tableau eine sehr gute Lösung gegen versehentliches Verrutschen. Doch so schön die Grafik ist, so sehr leidet mitunter die Übersichtlichkeit. Wenn der Plan sich füllt und Gnome sowie Schilder die engmaschigen Blumenringe verdecken, verliert man leicht den Blick dafür, welcher Pilz nun zu welchem Ring gehört.
In Tal der Gnome wurde unglaublich viel Wert auf den Aufbau einer Welt gelegt. Geschätzt sechs der 20 Seiten Anleitung entfallen auf Flavortext. Das ist atmosphärisch schön, führt aber zu einem Problem: Da ich bei uns meistens Spiele erkläre, dringen meine Mitspielenden kaum so tief in die Lore vor wie ich – am Ende wollen wir schließlich spielen. Zudem wirken manche Begriffe wie „ein Schild lesen“ (für das Nutzen eines Bonus-Feldes) im Spielfluss eher gekünstelt und werden am Tisch schnell durch pragmatischere Begriffe ersetzt.
Die Angabe von 45 Minuten pro Partie halte ich für sehr optimistisch. Selbst im Spiel zu zweit konnten wir diese Zeit nicht einhalten, zu viert haben wir sogar über zwei Stunden benötigt, weil Tal der Gnome leider Analyse Paralyse fördert. Dadurch, dass ich in meinem Zug sogar zwei (und wenn ich Jokerplättchen besitze bis zu vier) Plättchen legen darf, überlege ich mir sehr gut, worauf ich eigentlich spielen will. Sind mir grade die roten Pilze wichtiger oder möchte ich dringend einen 7er-Ring abschließen, damit ich noch ein Jokerplättchen und damit verbunden einen Blumentopf bekomme? Mitunter kann es sogar gemein und bisweilen frustrierend werden, da man sich in eine Situation bringen kann, in der man nur noch weiterlegen darf, wenn ein Mitspieler das erlaubt. Das passiert immer, wenn ein neues Plättchen die Ringe von zwei Spielenden verbinden würde. Wenn dann einer davon nicht einverstanden ist, darf das Plättchen nicht gelegt werden (siehe Foto), was sogar zu Diskussionen führen kann.
All diese Überlegungen führen dazu, dass sich Tal der Gnome leider sehr zieht. Und das ist nicht das Spiel, was es eigentlich sein möchte. Laut Verlag ist es ein leichtes Kennerspiel, was zumindest für die Regelkomplexität stimmt. Denn wir machen eigentlich auch immer das Gleiche: Plättchen legen, Effekte abhandeln und dann einen Gnom bewegen. Die Tiefe entsteht durch die Optionen, die sich mir bieten. Und das ist in jedem Fall Kennerspielniveau. Dass darunter allerdings die Spielzeit leidet, ist vermutlich nicht im Sinne des Erfinders. Ich kann mir schon vorstellen, dass mit einigen Partien die Downtime weniger wird und sich das Spiel der angegebenen Zeit annähert. Ich für meinen Teil möchte aber nicht vorweg so viel Zeit investieren.


Fazit
Hand aufs Herz: Auch Tal der Gnome konnte meine Skepsis gegenüber Plättchenlegespielen nicht ganz ausräumen. Dennoch sehe ich das Potenzial für eine bestimmte Zielgruppe: Wer Carcassonne mag, sich aber nach etwas mehr Tiefe und Anspruch sehnt, kommt hier auf seine Kosten. Man sollte lediglich ein wenig Geduld mitbringen, da die Grübelzeit der Mitspielenden das Tempo manchmal drosselt.
Bewertung / Test
+ schöne Optik
+ eingängige Regeln
+ leichte Punktewertung
– Analyse Paralyse
– an manchen Stellen unnötig kompliziert
– hebt sich nicht zu sehr von anderen Spielen seiner Gattung ab
(Eine Rezension von Marco Schanzer)

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Tal der Gnome (2025)
Spielidee: Anderson, Ammon
Verlag: Strohmann Games
Anzahl der Spielenden: 2-4
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahre
Spieldauer: 45 min – 2 Stunden
Generationentauglichkeit: Das Spielkonzept ist durchaus was für jeden, die Optik macht das Erkennen gewisser Spielelemente schwer.




