Beyond the Rift: A Perdition’s Mouth Card Game | Kooperatives Kampagnenspiel | ab 13 Jahren | 1 bis 4 Spielende | Nikolas Lundström Patrakka | Dragon Dawn Productions
Die Welten von Ryan Laukat – allen voran Schlafende Götter mit der Protagonistin Captain Sofi Odessa – sind dir zu mythisch und haben zu viel Inventar? Spiele aus dem von H. P. Lovecraft erschaffenem Cthulhu-Universum sind dir gerade in den Kampfhandlungen und Kompetenzproben zu viel „Gewürfel“? Stell dir vor, die beiden hätten gemeinsam Nachwuchs und geben vorallem ihre gut umgesetzten Aspekte weiter – klingt interessant? Find ich auch!

Das Spiel
Beyond the Rift: A Perdition’s Mouth Card Game ist ein kooperatives Kampagnenspiel von Nikolas Lundström Patrakka und bei Dragon Dawn Prodcutions erschienen. Es ist für 1-4 Spielende geeignet und kann ab 13 Jahren gespielt werden.
Beim Öffnen der Spielschachtel fällt bereits das Gewicht auf und beim Blick hinein zeigen sich viele, sehr viele Spielkarten. Sie tragen fast alle die gleiche Rückseite, bis auf die Gegner und die Orte – schnell wird klar, hier sind verschiedene Spielerdecks am Werk. Die Anleitung empfiehlt allen Novizen mit einem Tutorial zu beginnen – mehr wird hier weder in Text oder Bild auch nicht ansatzweise verraten. Denn: Die Story selbst zu erkunden deine Aufgabe es ist junger Padawan! Oh – andere Saga.
In diesem ersten Mini-Abenteuer lernen wir, wie das Spiel funktioniert und staunen wie flüssig und wenig vorhergeplant sich das in der Lernpartie bereits anfühlt. Der Rundenablauf ist in 5 Phasen untergliedert, die ganz prozedural und strukturiert abgehandelt werden. Lediglich in der ersten Phase, der Heldenphase, also dann wenn alle Mitspielenden ihre Aktionen am besten zur gleichen Zeit spielen wollen, wird es kurz mal etwas durcheinander. Danach folgt die immer gleiche Mechanik unterteilt in Gegnerphase, Abenteuerphase, Nachziehphase und Endphase bevor eine nächste Runde mit der Heldenphase wieder von vorne beginnt.

In einem separaten Ringbuch wird die Kampagne in einzelne Szenarien untergliedert und erzählt. Die einzelnen Szenarien geben klar die Siegbedingungen vor und erklären auch, wann eine Partie als gescheitert gilt. Das kann ebenfalls unabhängig vom Ableben der Truppe eintreten. Die klare Struktur, die vielen Symbole und die Übersichtskarten wirken anfangs recht viel. Wer Spiele aus dem Cthulhu-Universum bereits kennt, wird zum einen in den Gegnern als auch in der Symbolik alte Bekannte bzw. Parallelen wiederfinden.
Einem Spiel mit verschiedenen Charakteren wohnt auch eine Asymmetrie in der Spielweise der einzelnen Personen inne und genau das macht auch „Beyond the Rift“. Über die einzelnen Szenarien hinweg entwickeln sich die Helden weiter und so spielt sich eine Magierin eben etwas anders als ein Krieger. Das wird ebenfalls bereits im Tutorial spürbar, denn keine Helden haben exakt die gleichen Möglichkeiten ihre Aktionspunkte auszugeben und erhalten zu Rundenbeginn auch unterschiedlich viele – hier ist Teamwork erforderlich!

Das Kampfsystem mit den Gegnern ist relativ einfach gehalten und dennoch gibt es statt eines Würfels einen Zufallsfaktor, der durch eine Reaktionskarte bestimmt wird. Hierdurch wird die Stärke des Angriffes oder der erforderlichen Aktion modifiziert. Während mich diese Art des „Würfelns“ in „Schlafende Götter“ noch extrem frustrierte, stört es mich bei „Beyond the Rift“ eher weniger – es stirbt sich dann doch nicht ganz so schnell wie im Epos von Ryan Laukat und die Strafen sind mitunter weniger schwerwiegend als in „Eldritch Horror“.
Strafe ist dabei das Stichwort – die Wunden sind hier sehr vielfältig und malen die Verletzung sowohl der Gegner als auch der Mitspielenden in sehr schillernden Farben aus. Die Bilder hierfür finden sich stets im Kopf, auf den Spielkarten werden sie nüchtern im Kartentitel erwähnt – reicht auch schon!

Was wäre so ein erzählerisches Spiel ohne gute Ikonographie. In der Anleitung konsequent verwendet, tauchen sie auch im Kampagnenheft der einzelnen Szenarien auf und sitzen dann bereits sehr gut. Geht doch mal ein Symbol vor dem geistigen Auge verloren, so gibt es Übersichtskarten, die hier schnell helfen.
Verschiedene Gegner haben in Abhängigkeit der gezogenen Reaktionskarte nun verschiedene Optionen? Das wird im Spiel hervorragend mittels Tabelle gelöst – sie ist für jedes Szenario einzigartig und zeigt im Bild die Abhandlungen für das Tutorial:

Am Ende geht es doch in Spielen wie „Beyond the Rift“ um das Teamwork, sich gemeinsam den Rücken zu stärken und sich am Ende zu erzählen, wie gut einem das dieses Mal gelungen ist. Auch an eine Anpassung des Schwierigkeitsgrades wurde bei der Entwicklung des Spieles gedacht, so gibt es verschiedene Stufen für die verschiedene Anzahl an Mitspielenden. Damit sollte es dann auch wirklich gelingen, am Ende als erfolgreich durch den Dungeon gezogen zu sein.
Fazit
Mit „Beyond the Rift: A Perdition’s Mouth Card Game“ soll einer Weiterentwicklung der Serie erfolgt sein. In Unkenntnis des Vorgängers spielt sich dieses Spiel sehr flüssig und hat hier und da auch ein wenig Platz für individuelle Spielentscheidungen. Diese wiegen jedoch niemals so schwer, dass es sich wie ein zurechtgebogener Sieg anfühlt. Das Kampfsystem mit seinen Reaktionskarten ist für die eine oder andere Überraschung gut und bleibt dabei immer im Rahmen des Erträglichen. Teamwork macht es möglich.
Beim Gedanken an Generationentauglichkeit wächst dieses Spielgenre vielleicht mit den Generationen, die es momentan lieben mit und wird so irgendwann auch im fortgeschrittenen Alter gespielt. Aktuell und gerade für einen Neueinstieg sind sowohl die Spielelemente als auch die Spielinhalte recht kleinteilig. Die kleine Schrift ist dabei vermutlich schon gar nicht mehr relevant. Das stört die wachsende Fangruppe dieses Spielgenres vermutlich recht wenig und altert reift so vielleicht einfach mit.
Ich selbst habe eine schöne und spannende Zeit in „Beyond the Rift“ verbracht und bin gern zu weiteren Abenteuern bereit. Ich sehe mich jedoch eher als Mitstreiter, der ein Team komplettiert, als jemand der hier zur Not auch alleine mit gestählter Brust in den Kampf zieht. Dafür bleibt es auch weiterhin nicht mein beliebtestes Genre. Du solltest hier unbedingt einen Blick drauf werfen, wenn dir Titel wie „Schlafende Götter“, „Arkham Horror“ oder „Eldritch Horror“ Freude bereitet haben. Solltest Du den größeren Schritt von Kampagnenspielen mit Kampfelementen wie die „Legenden von Andor“ oder „Robin Hood“ wagen, dann nimm dir Zeit dich in die offenere Geschichte hineinzufinden. Es lohnt sich auf jeden Fall! Viel Spaß dabei!
Bewertung / Test
+ Guter Einstieg mit übersichtlicher Regel
+ Kampfsystem mittels Reaktionskarten gut und einfach umsetzbar
+ Schönes Wir-Gefühl beim gegenseitigen Unterstützen in den Aktionen
– teilweise recht schmaler Korridor für die Verwendung der Aktionen (z. B. wenn alle lediglich unterstützen können)
(Eine Rezension von Tobias Mallock)
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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kenner- und Expertenspiele”
Beyond the Rift: A Perdition's Mouth Card Game (2022)
Spielidee: Nikolas Lundström Patrakka
Grafik: Jamie Noble-Frier
Verlag: Dragon Dawn Productions
Anzahl der Spielenden: 1 – 4 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 13 Jahren
Spieldauer: 30 – 120 Minuten
Generationentauglichkeit: Nein – zu kleine Kartentexte und mitunter innerhalb der Heldenphase etwas Durcheinander.