Wenn Naturgeister richtig Spaß machen – Sagani von Skellig Games (Rezension, Test)

Sagani | ab 8 Jahre | 1-4 Spieler:innen | Uwe Rosenberg | Skellig Games | ein gelungenes Legespiel für spielerfahrene Familien

In „Sagani“ geht es um Naturgeister, die unsere Welt im Gleichgewicht halten. Und ehrlich gesagt, schon allein wegen der ausgesprochen tollen Grafik der Naturgeister mag ich dieses Spiel. Die Zeichnungen sind so erfrischend anders und so süß, dass am Tisch bald von „Knuffelgeistern“ oder „Monsterchen“ gesprochen wurde.

Was ist denn zu tun in diesem Spiel, dass die Monsterchen einem die wichtigen Siegpunkte bringen? Es ist ein Legespiel. Dabei werden vom Nachziehstapel fünf Plättchen aufgedeckt. Anschließen muss man reihum ein Plättchen nehmen und es in seine eigene Anlage legen. Auf den Plättchen ist ein Gefäß abgebildet, in dem einer dieser putzigen Geister wohnt. Außerdem sind ein bis vier farbige Symbole an den Ecken bzw. Kanten abgebildet. Je nach Anzahl dieser Symbole legt man nun entsprechend viele seiner „Klangscheiben“ (kleine Holzscheiben in seiner Farbe) auf das Plättchen. Liegen in der Richtung, in die die Symbole zeigen, ein entsprechend farbiges Plättchen, darf man dieses Symbol mit den gelegten Scheiben abdecken. Werden im Laufe des Spiels alle Symbole abgedeckt, darf man alle Scheiben zurück in seinen Vorrat nehmen und das Plättchen umdrehen. Das heißt, der Naturgeist kommt aus seinem Gehäuse und bringt die Punkte mit, von denen man am Ende die meisten haben sollte.

Sind alle fünf Plättchen genommen, werden neue fünf aufgedeckt. So hat man meist mehrere Plättchen zur Auswahl. Was schon mal zu längeren Grübeleien führen kann, gerade zum Ende des Spiels, wenn es so viele noch offene Symbole gibt und man unbedingt das optimale Plättchen und den besten Platz dafür suchen muss.

Auch gut gelöst ist das Problem, wenn nur noch ein Plättchen liegt. Dann kann man es auf ein Intermezzo-Ablagefeld legen. Liegen dort vier Plättchen, kommt es zum sogenannten Intermezzo. In aufsteigender Punkte-Reihenfolge darf man sich jetzt ein Plättchen nehmen. Da kann man schon mal ein paar Punkte gutmachen.

Sehr schön gemacht sind die Missklangscheiben. Muss man auf ein neu gelegtes Plättchen nämlich Klangscheiben legen und hat nicht genug im eigenen Vorrat, muss man die sogenannten Missklangscheiben nehmen. Diese ergeben Minuspunkte. Dafür bleiben sie im eigenen Vorrat und man für den Rest des Spiels mehr Scheiben zur Verfügung. Auch sehr raffiniert gelöst.

Generell gesagt ist es ein sehr gelungenes Spiel mit wunderbarem Spielfluss und sehr schön und abgerundet miteinander kombinierten Elementen. Spielt sich in jeder Besetzung gleich gut, sogar als Solo-Spiel ist gerade das „große Solospiel“ eine echte Herausforderung für eine einsame Stunde Zeit.

Einziger Wermutstropfen im Spiel sind die Holzscheiben. Denn die sind unhandlich. Da muss man in der Mitte der Plättchen einen Turm bis zu vier Plättchen bilden. Und schon kann man das dahinter verborgenen Symbol gar nicht mehr sehen. Dann muss man eine oder mehrere Scheiben herunterfummeln und direkt daneben auf ein Symbol legen. Und hat man alle Symbole belegt, muss man die Scheiben herunterfummeln, das Plättchen umdrehen – und dabei möglichst nicht die benachbarten Plättchen und deren Scheiben verschieben oder gar Türme zum Einsturz bringen. Das ist zu fizzelig. Ich denke, Holzwürfel wären da viel besser geeignet (darauflegen und verschieben statt aufeinander zu türmen). Zumindest in unserer Testrunde haben wir die Scheiben durch Würfel ersetzt und es ging deutlich besser – auch für Grobmotoriker:innen. Schade, denn das Spiel ist so geeignet für alle Altersgruppen, aber umherrollende Scheiben sind schon mal Spielspaß-Bremsen. Dafür sind die Plättchen sehr stabil und vorbildlich gemacht.

Das Spiel ist ein Wettrennen und wird immer spannender. Gerade am Spielende ergeben sich schonmal Spielzüge, die 20 Punkte bringen und wenn man bei vier Spielern 75 Punkte erreichen muss, um das Spielende einzuläuten, dann so sieht man, wie schnell es zuletzt plötzlich gehen kann oder wie weit man mit dem letzten Zug noch aufholen kann. Dass es einen gewissen Glücksfaktor gibt, welche Plättchen gerade ausliegen ist nicht störend. Man muss eben damit umgehen. Mit Spielerfahrung lernt man immer besser, die Plättchen bei der Ablage geschickt zu kombinieren, um mit einem gelegten Plättchen gleich mehrere erfüllen zu können.

 

 

Fazit
„Sagani“ ist ein rundum gelungenes Spiel. Wären da nicht die fummeligen Holzscheiben, käme es wohl gar nicht mehr vom Tisch herunter. Perfekt gemacht, da erkennt man die Hand des erfahrenen Spieleautors. Und dass er damit ein eigenes Spiel aufgreift und es rundgeschliffen und zugänglicher, einfach nochmal neu herausbringt, ist hier deutlich zu loben.

Und wem das Spiel nicht fordernd genug ist, dem empfehle ich eben jenes „Nova Luna“, kniffliger und mit mehr Spieltiefe, vom Prinzip aber gleich – nur ohne diese süßen knuffigen Monsterchen.

Meiner Meinung nach sollte das in jedem Spielregal stehen, und zwar weit vorn. Für Familien und Gelegenheitsspieler:innen ideal, auch Kenner werden ihren Spaß daran haben.

Und vielleicht bessert der Verlag bei den Holzscheiben noch nach.

 

 

Bewertung / Test
+ perfekter abstrakter Spielgenuss
+ spielspaß-fördernde Grafik
+ tolles Material
+ rundum fein konstruiertes Spiel ohne Ecken und Kanten
+ für alle Spieleranzahlen gleich geeignet
+ fordernder Solo-Modus
– fummelige Holzscheiben

 

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel“

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
4.7

Sagani (2020)

Spielidee: Uwe Rosenberg
Grafik: Lukas Siegmon
Verlag: Skellig Games
Spieler:innenanzahl: 1-4 Spieler:innen
Altersempfehlung Verlag: Ab 8 Jahren (mit Spielerfahrung)
Eigene Altersempfehlung: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 45-60 Minuten

Generationentauglich: Bedingt geeignet für Spieler:innen jeden Alters mit gleichen Anforderungen, die Holzscheiben sind zu unhandlich (Holzwürfel sind evtl. besser geeignet).

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