Was du Heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf Morgen – Feierabend von 2F-Spiele (Rezension)

Feierabend | Worker-Placement-Spiel | ab 12 Jahren | 1 bis 6 Spieler:innen | Friedemann Friese | 2F-Spiele 

Feierabend, wie das duftet.. So manch eine:r guckt schon kurz nach Arbeitsbeginn auf die Uhr und fiebert dem Frei entgegen. Auch das Spiel Feierabend stellt die Zeit nach dem Job als viel wichtiger dar.
In den meisten Spielen geht es darum, seine Arbeiter:innen möglichst effektiv und produktiv in Fabriken oder anderen Arbeitsstätten zu platzieren, hier sollen unsere Arbeiter:innen aber möglichst erholsam und spaßig ihre Freizeit verbringen, denn Erholulng ist am Ende die Währung, die uns siegen lässt.

Zu sehen sind die Verpackung des Spiels auf dem gesamten Spielmaterial

Verpackung & Spielmaterial von „Feierabend“

 

Das Spiel
Feierabend ist ein Workerplacement-Spiel von Friedemann Friese und bei 2F-Spiele erschienen. Es ist für 1 bis 6 Spieler:innen geeignet und kann ab 12 Jahren gespielt werden.

Ziel des Spiels ist es, am Ende die Arbeiter:innen zu haben, die sich am besten erholt haben. Die Erholungsleiste entscheidet über den Sieg. Grundsätzlich gilt, wer Feierabend spielen möchte, braucht viel Platz, denn die unterschiedlichen Leisten und Einsatzfelder befinden sich auf unterschiedlichen Spielplanteilen, die Spielerzahl bestimmt die Anzahl Felder der einzelnen Kategorien.

Jede:r startet mit einem eigenen Fabrik-Spielteil, auf dem abhängig von der Anzahl der Mitspielenden, unterschiedlich viele Arbeiter:innen platziert werden.

Zu sehen ist ein Spielertableau im 2 Personen-Spiel

Spielertableau im 2 Personen-Spiel

Auf dem Hauptspielplan werden unsere Ausgangswerte mithilfe von runden Plättchen in unserer Farbe gezeigt. Wir starten mit einer 70 Stunden Woche, einem Urlaubsanspruch von ganzen 0 Wochen, einem Gehalt von 7 Geld, einer Gender-Pay-Gap von 2 (das heißt von 7 Geld bleiben nur 5 übrig), einer Streikposition von 4 sowie einer Erholung von 0.
Diese Werte lassen sich auf unterschiedliche Art und Weise verändern, die im folgenden erklärt werden.

Wenn wir am Zug sind, haben wir drei Möglichkeiten:
1. Eine:n – drei Arbeiter:innen auf dem Haushaltsplan platzieren:
Der Haushaltsplan bietet 3 Möglichkeiten: Das Sofa: hier wird wenig Erholung aber umsonst angeboten. Die Kneipe: hier können wir entweder als Gast für wenig Geld ein bisschen Erholung beim Bier trinken generieren oder die Arbeiter:innen müssen noch zusätzliches Geld bei einem Nebenjob verdienen, was natürlich auf Kosten der Erholung geht.

2. Eine:n Arbeiter:in auf einem Freizeitfeld platzieren:
Wir können einen unserer Arbeiter auf einem der vielen After-Work-Felder platzieren. Zur Auswahl stehen sportliche Aktivitäten wie der Trimm-Dich-Pfad oder Angeln, Freizeitparkfelder und vieles mehr. All das kostet natürlich, aber gibt im Gegenzug Erholung. Auch kann man einen seiner Arbeiter:innen zum Blind-Date schicken. So kriegt diese:r eine:n Partner:in, der:die wiederum Voraussetzung für Aktionen wie die Motorradtour ist. Auch kann der:die Partner:in für das gleiche Geld mit in den Freizeitpark bringt aber mehr Erholung oder kann sogar mit in den Urlaub (sobald dieser erstreikt wurde).
Die letzte Möglichkeit ist der Besuch bei der Gewerkschaft, der uns mehr Streikmarker bringt.

Zu sehen sind die 3 Kreisförmigen After-Work Plätze: Urlaubskreis, Naturkreis & Stadtkreis

After Work Optionen: Urlaub, Natur & Stadt

3. Streik für bessere Bedingungen:
Die letzte Option in unserem Zug ist der Streik. Unsere Arbeiter:innen haben die Schnauze voll und wollen ihre Situation verbessern. Hier können wir Streikmarker ausgeben, um beispielsweise die Wochenarbeitszeit zu reduzieren, in den Urlaub gehen zu dürfen, das Gehalt zu steigern oder die Gender-Pay-Gap zu schließen.

Zu sehen sind die Kneipe. das Zuhause der Arbeiter:innen, sowie Möglichkeiten, für die unsere Arbeiter:innen streiken können.

Kneipe, Wohnung und Streikoptionen

Die Arbeiter:innen bleiben natürlich in üblicher Worker-Placement Manier stehen und blockieren so für die Mitspielenden die begehrten Felder. Erst wenn der: die letzte Arbeiter:in platziert wurde, ist für unsere gesamte Truppe der Feierabend vorbei.
Es geht zurück auf das Fabriktableau zum Arbeiten. Das heißt, unsere Erholung wird um den Wert, der bei den wöchentlichen Stunden steht, zurückgesetzt, wir erhalten aber auch Geld und Streikmarker als Lohn für die Arbeit.

Die Finalrunde wird ausgelöst, sobald jemand von uns als erste:r 40 Erholung auf der Leiste überschreitet. Dann wird die laufende Runde noch von allen zu Ende gespielt und wer dann die meiste Erholung hat, gewinnt.

 

 

Fazit
Feierabend lebt von der thematischen Idee. Es ist ein typisches Worker-Placement-Spiel, welches das Rad nicht neu erfindet. Die Mechanismen sind jedem bekannt, aber das Thema macht das Spielerlebnis erfrischend witzig. Die Illustrationen sind wirklich toll und schon beim Lesen der Spielregeln fällt auf, wie viel Herzblut in diesem Spiel steckt und dass es weniger um den Spielmechanismus selbst, sondern mehr um das Thema als solches geht. Feierabend ist Satire gegen Ausbeutung, die sehr gut rüber gebracht wird. Man soll sich darauf besinnen, dass vielleicht nicht immer Geld der entscheidende Punkt am Ende des Tages ist, sondern Erholung und Gesundheit wesentlich mehr wert sind.

Allerdings muss ich sagen, dass ich schon nach zwei Partien das Gefühl habe, alles was Feierabend zu bieten hat, gesehen zu haben.
Der Solo-Modus ist ganz nett, man spielt gegen einen Automa, dessen Züge sich durch Würfeln entscheiden.
Ich denke, es gibt rein vom Mechanismus her, stärkere Worker-Placement-Spiele, aber wenige sind thematisch mit so vielen witzigen Details versehen. Wer Worker-Placement mag, macht hier definitiv nichts falsch. Das Spiel eignet sich gut, um Spieleanfänger:innen an den Tisch zu bekommen.

 

Bewertung:
+ witziges, frisches Spielthema
+ tolle Illustrationen
– kein wirklich neuer Mechanismus
– wenig Spieltiefe für Vielspieler:innen

(Eine Rezension von Sarah Eischet)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kenner- & Expertenspiele”

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
3.3

Feierabend (2020)

Spielidee: Friedemann Friese
Grafik: Maura Kalusky
Verlag:  2F-Spiele
Spieler:innenanzahl: 1 bis 6 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Spieldauer: 55 bis 60 Minuten

Generationentauglichkeit: Eher nicht. Die Symbole sind zum Teil sehr klein und stellen für Personen mit Sehschwäche ein Problem dar. Außerdem sind die Regeln schon etwas komplexer und eher nur für geübte 12-Jährige geeignet.

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