Wahnsinn in der Finsternis – Maeshowe (Kickstarter-Preview)

Maewshowe | Familienspiel | ab 12 Jahren | 1 bis 2 Spieler:innen | Lee Broderick | Dragon Dawn Productions

Dunkelheit. Gefangen in der Dunkelheit des Steingrabs. Geröllaufen versperren den Weg ans Licht – in die Freiheit.  Eigentlich hattet ihr auf den Orkey-Inseln nur Schutz gesucht vor dem Sturm. Stattdessen wartet hier in der Finsternis nun der Tod – oder noch viel schlimmer, der Wahnsinn. Schafft ihr es aus heraus oder findet ihr in der Dunkelheit euer eigenes Grab?

Die Spieleschachtel präsentiert sich in dunklen Tönen.

Kartenmanagement in düsteren Tönen: Maeshowe.

 

Das Spiel
Maeshowe
ist ein Familienspiel von Lee Broderick und bei Dragon Dawn Productions erschienen. Es ist für 1-2 Spieler:innen geeignet und kann ab 12 Jahren gespielt werden.>

Schon ein Blick auf das Cover des Spiels zeigt, dass Maeshowe mit dunklen Farbtönen eine besondere Stimmung erschafft. Das Artwork spielt mit den Farben Grün und Schwarz und wirkt düster und unheilvoll. Als Spieler:in suchen wir aus dem Inneren einer legendenumwobenen Megalithanlage den Weg in die Freiheit. Dazu müssen wir uns durch Geröllhaufen graben, die den Ausgang versperren. Je schwieriger das gewählte Herausforderungslevel ist, desto mehr Hindernisse müssen abgetragen werden. Für das Unternehmen bleibt uns aber nur eingeschränkt Zeit. Verlieren wir alle Leben oder gehen uns die Karten aus, sterben wir und werden unfreiwillig zum Teil der Legende.

Wir starten das Spiel mit vier Leben und vier Nahrung. Das wird mit Tokens auf dem Tableau markiert. Je nach Schwierigkeitsgrad entscheide ich mich außerdem für drei bis fünf Hindernistokens, die ebenfalls dort ihren Platz finden. Sind sie irgendwann alle entsorgt, gewinne ich.
Das Deck aus 36 Karten wird gemischt und bereit gelegt. Die Karten sind stimmungsvoll illustriert, aber makaber, und im selben düsteren Farbschema gestaltet, das schon auf der Schachtel zu sehen ist. Außerdem tragen sie im oberen Eck eine rote oder blaue Rune.

Spielaufbau. Oben liegt das Tableau mit Leben, Nahrung- und Hindernistokens. Daneben der Nachziehstapel. Die Karten unten bilden die Auslage.

Gut gerüstet: Noch sind Lebens- und Nachrungsleiste voll.

Der Hauptmechanismus von Maeshowe ist das Ausspielen von Karten aus der Hand. Fünf davon stehen uns immer zur Auswahl, zwei müssen pro Zug gespielt werden. Eine kommt in die Auslage, eine auf den Ablagestapel. Besonders ist, dass jede Karte zwei Sets von Symbolen trägt. Spiele ich eine Karte in den Ablagestapel, folge ich den Anweisungen des roten X. Oftmals kostet mich das ein Leben, das dann von der Leiste abgezogen wird. Spiele ich eine Karte in die Auslage, folge ich den Anweisungen des grünen Pfeils. So kann ich in Leben wieder herstellen, Nahrung auffrischen oder am wichtigsten: Geröll aus dem Weg schaffen. Gelingt es mir, dorthin vier dieser „Graben-Karten“ am Stück zu spielen, entsorge ich ein Schutt-Token vom Tableau und komme meiner Flucht einen Schritt näher. Tragen die vier Karten sogar die gleiche Runenfarbe, wandern gleich zwei Hindernisse zurück in die Schachtel. Wird die Reihe unterbrochen, weil ich gezwungen bin eine andere Karte auszuspielen, stürzt das Gebilde ich sich ein. Der Fortschritt geht verloren. Zum Ende eine Runde ziehe ich wieder Karten auf die Hand, bis ich fünf habe.

Soweit klingt das machbar, aber das Spiel steckt voller Überraschungen. Sollten beim Nachziehen nämlich die fünf Handkarten die gleiche Runenfarbe tragen, werde ich wahnsinnig. Das bedeutet, dass ein Leben verloren geht – und das permanent. Außerdem werfe ich alle Karten von Nachziehstapel, aus der Hand und vom Ablagestapel zusammen, mische neu und ziehe fünf nach. Unangetastet bleibt nur die Auslage. Was dort liegt, liegt bis zum Schluss des Spiels. Der Wahnsinn-Mechanismus ist von großer taktischer Bedeutung für das Spiel. Manchmal muss ich sogar wahnsinnig werden, weil sonst der Nachziehstapel aufgebraucht ist. Kann ich nämlich keine zwei Karten mehr aus der Hand spielen, habe ich verloren. Außerdem kann ich auch gezielt „Graben-Karten“ in den Ablagestapel spielen, wohlwissend, dass sie in einer späteren Wahnsinn-Aktion wieder in die Hand kommen können.

Detailansicht des Motivs auf der Schachtel. Niederlage, Wahnsinn oder Flucht: Bei Maeshowe ist das Scheitern möglich.

Niemans die Flucht aus den Augen verlieren.

So entsteht in der schlichten Mechanik eine unglaubliche Dynamik. Was spiele ich wann? Kann ich es mir leisten ein Herz zu verlieren, um die Karte zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu bekommen? Was passiert gleich, wenn ich Karten nachziehe? Das kombiniert sich mit dem düsteren Thema zu einem wunderbaren Mix. Mein Tipp: Musik im Hintergrund macht das Erlebnis noch dichter.  Auf Melodice findet sich sicher der passende, düstere, unheilvolle Soundtrack für das Erlebnis in dem Steingrab.

In seinem Herzen ist Maeshowe eigentlich ein Solospieler-Erlebnis. Kooperative Regeln für zwei Spieler:innen stecken aber auch in der Anleitung. Da gilt natürlich: Zusammen gewinnen oder oder für  immer verschollen bleiben. Toll ist auch, dass Maeshowe gleich mit Mini-Erweiterungen gespielt werden kann. Bis zu 9 Karten können in das Standard-Deck eingemischt werden, die das Spielerlebnis verändern und den Schwierigkeitsgrad noch einmal erhöhen. Da trifft Hoffnung auf Horror. Die Karten tragen auch neue Symbole und entsprechende neue Handlungsoptionen. Ein Blick in die Anleitung hilft aber schnell beim Verständnis.

Die Karten Horror und Hoffnung. Kleine Erweiterungen machen das Spielerlebnis flexibel.

Horror oder Hoffnung: Welche Karte für uns hier raus?

Ein halbes Stündchen Zeit für eine Runde Maeshowe schlägt die Anleitung vor. Das ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen und geht definitiv nach ein paar Partien schon schneller. Karten sollten aber nicht unbedarft einfach gespielt werden. Jede Aktion kann schwerwiegende Auswirkungen auf den Erfolg des Spiels haben.

 

Fazit
Durch das Thema und insbesondere das Artwork zielt Maeshowe auf ein erwachsenes Publikum. Für die richtige Altersgruppe und insbesondere Solospieler wartet auf jeden Fall eine sehr stimmungsvolle und herausfordernde Kombination aus Karten- und Ressourcenmanagement. Klar ist aber, dass bei dieser Art Spiele das Glück beim Nachziehen eine wichtige Rolle spielt. Dafür verlaufen die Runden aber auch unterschiedlich. Das und der variable Schwierigkeitsgrad sorgen für einen hohen Wiederspielwert.

Ab dem 21. Januar 2021 kann das Spiel über Kickstarter gefördert werden. Die hier gezeigten Bilder sind von einem Vorschau-Exemplar und können vom fertigen Produkt abweichen. Im Moment ist die Anleitung nur auf Englisch verfügbar.

 

 

Bewertung / Test
+ anpassbarer Schwierigkeitsgrad
+ Mini-Erweiterung schon inklusive
+ sehr stimmungsvoll
– Glück entscheidet mit über den Erfolg

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Solo spielbar”

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
4

Maeshowe (2021)

Spielidee: Lee Broderick
Grafik: Matthias Catrein & Lars Munck
Verlag:  Dragon Dawn Productions
Spieler:innenanzahl: 1-2 Spieler:innen
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Spieldauer
: 15 bis 30 Minuten

Generationentauglich: nein

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