Umfangreich: Caverna und Erweiterung Vergessene Völker von Lookout (Rezension)

Caverna die Höhlenbauern | Expertenspiel | ab 12 Jahren | 1 bis 7 Spieler:innen  |Uwe Rosenberg | Lookout Spiele 

Caverna die Höhlenbauern: Erweiterung Die vergessenen Völker | Expertenspiel | ab 12 Jahren | 1 bis 7 Spieler:innen  |Alex Wilber & Uwe Rosenberg| Lookout Spiele 

Ein großer, schwerer Karton und der Name Uwe Rosenberg verspricht: viel Material, viele viele Möglichkeiten der Strategie. Caverna hält dieses Versprechen und ist ein Leckerbissen für Experten.

Spiel und Erweiterung: viel Material

 

Das Spiel
Caverna 
ist ein Expertenspiel von Uwe Rosenberg und bei Lookout Spiele erschienen. Es ist für 1 -7 Spieler:innen geeignet und kann ab 12 Jahren gespielt werden.

Bei den Spieletagen in Nürnberg warf ich neugierig einen Blick auf den Tisch, wo Caverna offensichtlichen Anfängern erklärt wurde. Als unser Tisch mit einem Spiel fertig war, wurde nebenan immer noch erklärt. Caverna würde ich Einsteigern nicht auf den Tisch bringen, da ist zuvor Agricola dran.

Beide Spiele ähneln sich, Caverna legt noch einmal zwei Schippen drauf. Die Anleitung ist in gewohnt exzellenter Qualität und mit den Sprechblasen mit zusätzlichen Hinweisen des Meisters gut verständlich  und lässt nichts offen. Schwierig ist es nicht.

Schälchen mit den vielen unterschiedlichen Ressourcen

Das sind die Ressourcen. Ein Änfänger erschrickt, Agricola-Spieler:innen fühlen sich zuhause.

Da ist zunächst der Hauptspielplan, der je nach Spieler:innenanzahl modular zusammengesetzt wird. Es gibt freie Felder, auf die in jeder Runde eine neue Karte gelegt wird und somit eine neues Aktionsfeld eröffnet. Nach dem meisten Runden ist eine Erntephase angesetzt. Da werden Weizen und Gemüse geerntet, die Tiere vermehren sich. Aber es ist dann auch die Ernährung der Zwerge fällig. Nahrungswerte in Form von Chips können abgegeben werden, aber auch Getreide, Gemüse oder auch Tiere. Der erfahrene Spieler denkt immer an Essen (sowohl an die Spiele-Messe als auch an die Nahrungsvorsorge).

Sind alle Runden durchgespielt, endet Caverna mit der Punkteabrechnung. Hier zählen Tiere, Ausbauten, erworbenes Geld, Rubine, die Nahrungsmittel und es gibt Abzug für nicht bebaute Felder und fehlende Tierarten.

Der Hofplan, einige Ressourcen

Der Hofplan zeigt Wald, der für Ackerbau und Viehhaltung zu roden ist und rechts die Höhle.

Jede:r Spieler:in verfügt über einen eigenen Hofplan. Die Wohnhöhle hat Platz für zwei Zwerge. Jeder Zwerg ist ein Arbeiter, der auf dem Hauptplan eingesetzt wird, um Ressourcen zu beschaffen, Ausbauplättchen und auch Tiere. Vieles baut aufeinander auf. Auf der Waldseite des Hofplans ist der Wald zu roden und mit Acker/Wiesenplättchen zu belegen. Auf den Ackerfeldern kann Getreide und Gemüse angebaut werden, hier muss zunächst das Saatgut beschafft werden. Die Wiesen können erste Schafe beherbergen, die von den Hunden beaufsichtigt werden. Anschliessend lassen sich die Wiesen zu Weiden ausbauen und mit einem Stall ausstatten, um möglichst viele Tiere einer Art halten zu können.

Die Höhlenseite des Hofplans, eine Erzmine wurde errichtet, darin findet ein Esel Platz

Stollenfelder lassen sich zu einer Erzmine ausbauen. Hier kann man dann einen Esel halten.

Die Höhle wird ebenfalls nach und nach ausgebaut. Auf benachbarte Stollenfelder kann eine Erzmine gelegt werden. Diese gibt bessere Erträge und kann einen Esel beherbergen. Auf den tiefen Stollen neben der Erzmine kann wiederum eine Rubinmine gelegt werden.

Rubine sind im Vergleich zu Agricola eine neue Ressource. Sie fungieren quasi als Joker und lassen sich vielfältig nutzen. Nur mit ihnen lassen sich dann Rinder erwerben.

Zusätzlicher Spielplan mit Gebäudeplättchen

Das ist nur ein Teil der Auslage für Anfänger.

Höhlenräume bieten Platz für Ausbauten. Das Foto zeigt einen Teil der Anfängerauslage. Die volle Auslage nach ein oder zwei Partien beinhaltet 48 Gebäudearten. Jedes Gebäude bringt Vorteile für die eigene Strategie und einige sind wichtig, um am Ende Extra-Siegpunkte zu kassieren, die entscheidend sein können.

Zu Beginn hat jede:r Spieler:in einen Höhlenraum. Bevor man weitere Räume ausstatten kann, muss die Höhle mittels Plättchen erst vorbereitet sein. So wird es meist wichtig, eine weitere Wohnhöhle einzurichten, um mittels des Feldes Familienplanung Nachwuchs bekommen zu können. Dies bringt einen weiteren Spielzug in den folgenden Runden, doch der neue Zwerg will auch ernährt werden.

Neu ist bei Caverna, dass die Zwerge sich durch Abgabe von Erz auf dem entsprechenden Feld bewaffnen können. Auf den nachfolgenden Streifzügen erwirbt er damit Ressourcen oder Aktionen und durch die Erfahrung steigt seine Kampfstärke. Auf diesen Weg kann man auch gänzlich verzichten, kauft als Ausbau zum Beispiel ein Gebetszimmer und bekommt Siegpunkte für seine Friedfertigkeit. So manches Humorvolles lässt sich bei Caverna entdecken.

Ausgebauter Hofplan mit zahlreichen Tieren und Ackerfrüchten

Tierhaltung, Ackerbau, alles am Laufen!

Bevor man sich so richtig ausgetobt hat, ist die letzte Runde auch schon vorbei. Der Reiz ist hoch, bei einer weiteren Partie eine neue Strategie zu versuchen. Zu zweit dauert eine Partie eine Stunde, bei mehr Mitspieler:innen natürlich länger.

Das Material ist ausgelegt auf sieben Spieler. Die Höchstzahl kann ich mir kaum vorstellen. Es braucht schon zu viert einen ordentlich großen Tisch. Kennt man das Spiel noch nicht in- und auswendig, ist der Blick auf die Gebäudeauslage wichtig. Von weiter weg und womöglich kopfüber sich einen Überblich zu verschaffen, wird schwierig. Aber es ist ambitioniert und großzügig, so viel Material in die Spielschachtel zu packen. Setzt man dies ins Verhältnis zum Anschaffungspreis, ist Caverna nicht teuer.

Durch den Abrechnungsblock geht die Endwertung zügig von statten. Was viel Zeit braucht, ist der Aufbau und das Verräumen. Das kann genüssliche Vorfreude bedeuten, wenn man an einem Spielabend Caverna als erstes auf den Tisch bringt. Es mal eben zu spielen, dafür ist es zu umfangreich.

 

 

Fazit
Caverna ist ein Leckerbissen für die Freunde der Uwe Rosenberg-Spiele. Viele Möglichkeiten, gleichwertige Strategien wollen ausprobiert werden, alles greift ineinander. Für Gelegenheitsspieler ist es klar zu komplex. Doch nach dem Agricola-Familienspiel oder dem normalen Agricola finden auch diese einen Einstieg bei Caverna und viel Stoff zum Spielen. Die zentrale Auslage, gerade mit den vielen Gebäuden ist mit mehreren Spielern am Tisch schwer zu erkennen.

 


Bewertung / Test
+ komplexes Spiel mit vielen Möglichkeiten
+ sehr schönes Material, die meisten Ressourcen aus Holz
+ hoher Wiederspielreiz, da es keine finale Strategie gibt
– lange Aufbauzeit
– für Einsteiger zu komplex, Vorerfahrungen mit Rosenberg-Spielen wäre gut

 

Caverna schon oft gespielt und auf der Suche nach mehr? Hier kommt die Erweiterung Die vergessenen Völker!

Anstelle der fleißigen Zwerge, die sich bewaffnen und vermehren, spielen wir in der Erweiterung eines von sieben Völkern mit jeweils besonderen Fähigkeiten oder Nachteilen und entwickeln entsprechend neue Strategien.

Ein Tableau eines Zusatzvolkes mit dessen Eigenschaften, vier Zusatz-Gebäudeplättchen

Als Beispiel das Volk der Steinesser und die entsprechenden Gebäude zum Austausch.

Wer möchte, sucht sich eines der zu spielenden Völker aus. Es ist kein Problem, im gleichen Spiel mit den normalen Zwergen zu spielen. Jedes der neuen Völker hat spezifische Vorteile, aber auch Nachteile. Die Eigenschaften steuern die Strategie, wenn man die Vorteile nutzen möchte. So wird das Spiel asymmetrisch, was ein neues Spielgefühl vermittelt. Das kann es leichter machen, denn durch die unterschiedlichen Interessen spechten die Spieler:innen auf unterschiedliche Aktionsfelder und unterschiedliche Gebäude.

Juwelfrüchte und Pilze im Anbau

Neue Ressourcen im Anbau: Juwelfrüchte und Pilze.

Jedes Volk bringt vier eigene Ausbauten mit, die jeweils mit einem genannten Ausbau zu Beginn ausgetauscht werden. Das bringt wiederum Abwechslung in die Gebäudeauslage. Trolle und Dunkelelfen können Goblins in ihre Familie aufnehmen, die sind leider faul, ungeschickt und inkompetent. Drei der Völker sind in der Lage, in ihren Höhlen Pilze zu züchten. Elfen und Die Blassen können Juwelfrüchte anbauen. Pilze und Juwelfrüchte sind zwei Ressourcen, die mit der Erweiterung neu ins Spiel kommen.

Das Volk der Menschen bringt als Ausbauten den Güllesilo, den Misthaufen, die Metstube und die Vogelscheuche mit. Man merkt, es ist viel Augenzwinkern dabei und trotz Fantasywelt nicht düster. Die Anleitung auch wieder übersichtlich und gut verständlich.

 

Fazit
Wer oft und gern Caverna gespielt hat, freut sich über die Abwechslung, welche diese Erweiterung bringt. Das Asymmetrische bringt Herausforderungen und ein neues Spielgefühl. Je nachdem, welche Völker an einer Partie beteiligt sind, verläuft die Partie anders. Man braucht aber auch einige Partien Erfahrung mit Caverna, bevor die Erweiterung hinzu genommen werden sollte. Für den Einstieg sind die neuen Völker ein Zuviel an Komplexität.

Bewertung / Test
+ bringt Abwechslung nach vielen Partien des Grundspiels
+ Spieler:innen können gleichwertig ohne Erweiterungs-Volk spielen
+ Asymmetrie bringt neues Spielgefühl, neue Strategien
– für Fans, Vorerfahrung mit dem Grundspiel erforderlich

 

(Eine Rezension von Paul Theisen)


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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Expertenspiel”

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 76 Jahre
4.3

Caverna Die Höhlenbauer (2018) ; Caverna Erweiterung Vergessene Völker (2018)

Spielidee: Uwe Rosenberg, (Erweiterung von Alex Wilber & Uwe Rosenberg)
Grafik: Klemens Franz (Erweiterung Javier Gonzáles Cava & Klemens Franz)
Verlag: Lookout Spiele
Spieler:innenanzahl: 1 – 7 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Spieldauer: 30 Minuten pro Spieler:in (kommt hin, eher etwas länger)

Generationentauglichkeit: eher nein, die zentrale Auslage enthält viele kleine Texte und Symbole

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