Skyjo wird kompliziert: Allegra von Drei Hasen in der Abendsonne (Rezension)

Allegra | Kennerspiel | ab 8 Jahren | 2 bis 6 Spieler:innen | Bella Lucca | Drei Hasen in der Abendsonne | 

Eine verdeckte Kartenauslage wird nach und nach aufgedeckt. Das kennen wir von Skyjo. Doch hier gehört eine der Kartenspalten auch dem:der  jeweiligen Sitznachbarn:in. Da gilt es, genau zu denken!

Spielkarton, Anleitung, Karten, rote Holzchips

 

Das Spiel
Allegra 
ist ein Familienspiel von Bella Luca und bei Drei Hasen in der Abendsonne erschienen. Es ist für 2 – 6 Spieler:innen geeignet und kann ab 8 Jahren gespielt werden.

Vor jedem Spieler liegt eine Kartenauslage von 4 Karten in der Breite und 3 Karten in der Höhe. Diese sind zunächst alle verdeckt. Zu Beginn der Runde darf jede:r Spieler:in zwei Karten aufdecken. Ziel des Spiel ist es, die Summe der Karten am Ende der Runde möglichst gering zu haben. Das wird auch erreicht durch Aufdecken und Tauschen, denn benachbarte Drillinge können herausgenommen und abgeworfen werden. 

Kartenauslage eines Spielers, einer Spielerin teilweise offen. Oben drei Karten mit dem Wert 10 nebeneinander

Die drei 10er dürfen nun entfernt und abgelegt werden.

Der Vergleich mit Skyjo drängt sich hier auf, geht es doch um das gleiche Spielprinzip. Bei Skyjo werden aber nur Drillinge, die in einer senkrechten Spalte entfernt. Bei Allegra gilt dies aber auch für Reihen, wie auf dem Foto abgebildet. Die Kartenwerte gehen von -1 bis 11. Die Farben spielen keine Rolle.

Ein Spielzug beginnt mit dem Nehmen der obersten Karte von Nachziehstapel oder vom Ablagestapel. Mit der genommenen Karte darf man eine verdeckte oder offene Karte austauschen. Will man dies nicht, kann man die gezogene -und nur eine gezogene- Karte abwerfen und deckt in diesem Fall eine seiner:ihrer verdeckten Karten auf. Oft macht es Sinn, die unbeliebten hohen Werte zu sammeln. Die werden von den Mitspieler:innen gern abgeworfen und so erreicht man Drillinge. Zum Ende hin wird dies aber riskant. Hohe Karten bedeuten dann viel Minuspunkte.

Bei Allegro ist es ab drei Mitspieler:innen möglich, dass ein:e Mitspieler:in auf den Tisch klopft und diese Karte haben möchte. Der:die Spieler:in darf entscheiden, die Karte abzugeben oder nicht. Gibt er:sie die Karte ab, entscheidet der:die aktive Spieler:in, an welcher Stelle die Karte ausgetauscht wird und nimmt die dort zuvor liegende Karte. Was bringt das? Hier wird eine weitere Besonderheit von Allegra wichtig:

Die rechte Spalte eines:einer jeden Spielers:in gehört gleichzeitig dem rechten Nachbarn. Dies wird mit den roten Chips oberhalb gekennzeichnet.

Auslage benachbarter Spieler, Spielerinnen. Ein Drilling entsteht über Eck

Weil die mit einem roten Chip gekennzeichnete Spalte auch dem:der Mitspieler:in gehört, bildet die 7 hier einen Drilling.

Sitzen die Spieler:innen an einem runden Tisch und sind mindestens zu dritt, ist dies praktikabel. Mit weniger Spieler:innen an einem eckigen Tisch, muss man wörtlich um die Ecke denken.

Kartenauslage mit einer Lücke in der oberen Reihe

Mit der 5 lässt sich senkrecht kein Drilling mehr bilden.

Die Runde endet, wenn ein:e Spieler:in alle Karten aufgedeckt hat. Hier wird die gemeinsame Spalte mit berücksichtigt. Sodann ist jede:r noch einmal an der Reihe. Die restlichen Karten werden aufgedeckt und die Zahlen addiert. Hat der:die Spieler:in, der:die das Ende ausgelöst hat, nicht die niedrigste Punktzahl, werden die Punkte verdoppelt.

Die Anleitung sagt, dass drei Durchgänge gespielt werden, das lässt sich nach Laune abwandeln.

Die Anleitung ist in Ordnung, es werden auch Varianten genannt, die nach Hausregeln klingen. Die Kartenqualität ist in Ordnung, mehr nicht. Eine dickere Qualität würde nicht in die schön kleine Schachtel passen.

Bei Allegra muss man um die erwähnte Ecke denken. Die gemeinsame Spalte scheint eine kooperative Note zu geben, doch überlegt jede:r Spieler, was ihm:ihr am meisten nützt oder am wenigsten schadet. Auch das Klopfen kann zu Ärger führen, wenn der:die aktive Spieler:in eine Gemeinheit begeht.

 

 

Fazit
Das einfachere Skyjo kommt bei uns oft auf den Tisch, denn auch Wenigspieler:innen finden ihren Spaß nach einer kurzen Einführung. Allegra braucht eine feste Spielerunde, wo es öfter auf den Tisch kommt, denn die Feinheiten erschließen sich erst nach einigen Partien. Es ist als Familienspiel deklariert, ich würde es eher bei den Kennerspielen einordnen. Auch die Altersangabe des Verlages „ab 8 Jahren“ finde ich zu niedrig angesetzt. „Ach nö, lass uns lieber Skyjo spielen!“, da verdrehe ich die Augen nicht, das verstehe ich.

 


Bewertung / Test
+ wem Skyjo zu einfach ist, kann hier gut bedient sein
+ taktische Tiefe
– für ein Familienspiel kompliziert

 

(Eine Rezension von Paul Theisen)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 76 Jahre
3.5

Allegra (2020)

Spielidee: Bella Lucca
Verlag:  Drei Hasen in der Abendsonne
Spieler:innenanzahl: 2 – 6 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 8 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 30 – 45 Minuten

Generationentauglichkeit: vom Material her ja, aber schwierig zu erlernen

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