Licht und Schatten – „Yin Yang“ von Spielefaible (Rezension, Test)

YinYang | DuGuWei |  1-4 Spieler | 45-75 Minuten | ab 15 Jahren | Spielefaible |  Kennerspiel mit interessantem Münz-Wurf-Mechanismus, toller Ausstattung aber geringem Spielspaß

Yin Yang - Spielbox

Yin Yang – Spielbox

„Yin und Yang sind zwei Begriffe der chinesischen Philosophie, insbesondere des Daoismus. Sie stehen für polar einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene duale Kräfte oder Prinzipien, die sich nicht bekämpfen sondern ergänzen.“ Das erzählt uns Wikipedia und räumt damit gleich ein Vorurteil beiseite, wonach Yin und Yang gleich gut und böse ist – das wäre nämlich viel zu einfach interpretiert.

„Yin und Yang“ ist aber auch ein Brettspiel, und hat eigentlich gar nichts damit zu tun. Thematisch ist es im alten China gesiedelt und verwandelt die Spieler:innen in Anhänger der Tai-Chi-Philosophie, die durch das Land reisen, Tempel errichten und wertvolle Waren sammeln. Dabei gilt es, den Willen der Götter zu deuten und deren Einfluss zu vergrößern.

Yin Yang - Aufbau für vier Spieler:innen

Yin Yang – Aufbau für vier Spieler:innen

In diesem moderaten Kennerspiel ziehen wir mit unserer Figur auf dem Spielbrett von Ort zu Ort, errichten dort punktebringende Tempel oder sammeln die zu Spielbeginn zufällig verteilten Waren ein. Anfangs noch ziemlich beliebig, später aber zielgerichteter (auf der Suche nach den richtigen Waren) und nach den letzten verbliebenen Bauplätzen, bevor die Konkurrenz die Bauplätze wegschnappt. Am Spielende, nach fünf Runden, wird in den sieben Königreichen die Mehrheiten an Tempeln gewertet.

Zusätzlich gibt es Punkte für den Entwicklungsbereich. Hier finden wir vier mal vier Plätze zum Ablegen der Waren. Ist eine Spalte, Reihe oder Diagonale gefüllt, kann das zu der jeweiligen Reihe gehörende Plättchen gewertet werden. Nun kann man die Waren nicht beliebig verteilen, denn die Art der Waren ist auf den Plätzen vorgegeben. Aber die Wertungsplättchen bei den jeweiligen Reihen kann getauscht werden. Und das ist sehr hilfreich, denn man kann die Plättchen dann nach seinen Stärken und seiner Strategie entsprechend legen.

Yin Yang - der Entwicklungsbereich

Yin Yang – der Entwicklungsbereich

Welche Züge darf ich in einer Runde machen? Dafür werfe ich meine sechs Münzen in den hohlen Panzer einer Schildkröte, schüttle sie und lasse die Münzen herausfallen. Sie zeigen dann entsprechend Yin oder Yang. Das ist extrem schön, denn der Panzer ist wirklich ein massives Metallteil und wunderschön geformt, und extrem laut, wenn die Metallmünzen in dem Metalkorpus geschüttelt werden.

Yin Yang - Metallmünzen und der Schildkröten-Schüttelbecher

Yin Yang – Metallmünzen und der Schildkröten-Schüttelbecher

Dann muss man die sechs Münzen zu drei Gruppen mit zwei Münzen sortieren und entsprechend der Zusammenstellung kann man eine Aktion im hohen Orakel machen (man nimmt ein Aktionsplättchen von einem der Stapel, der anschließend für die Mitspieler:innen gesperrt ist) und zwei Aktionen im tiefen Orakel (Bewegen, Entwicklungsmarker versetzen usw.). Manchmal helfen auch die Götterinventionskarten, von denen jede:r zu Beginn zufällig zwei erhält und sie einmalig im Spiel einsetzen kann.

Yin Yang - das Hohe Orakel

Yin Yang – das Hohe Orakel

Das Spiel plätschert ein wenig vor sich hin, man zieht, man setzt Waren, man versucht, den Mitspielenden Bauplätze wegzunehmen, aber meistens versucht man, aus dem Möglichkeiten, die man mit den sechs Münzen hat, drei sinnvolle Aktionen zu erzeugen. Dabei gilt es natürlich, die Züge so gut es geht zu optimieren.

Yin Yang - Teil vom Spielbrett

Yin Yang – Teil vom Spielbrett

Spannung kommt kaum auf und jeder ist vor allem mit sich, den Münzen und seinem Entwicklungsbereich beschäftigt. Grübler verzögern dabei schon manchmal deutlich den Spielfluss, ebenso die immer wieder neue Frage, welche Münze jetzt welches Symbol darstellt. Das hätte man sicher besser lösen können als einen weißen Punkt auf eine Münzseite zu kleben.

Wer am Schluss gewonnen hat, ist manchmal auch sehr überraschend. Während des Spiels ist ein Überblick schwierig und so spielt man vor sich hin und hofft, einigermaßen gut abzuschneiden. Der Spielspaß hält sich dadurch in Grenzen, auch das ständige Münzgeklimpere kann manchmal nerven.

Yin Yang - das Spielertableau

Yin Yang – das Spielertableau

 

 

Fazit
„Yin Yang“ ist ein moderates Kennerspiel, das zwei Elemente miteinander verbindet. Zum einen die Vorausplanung seines Zuges, bei der ich sechs Münzen zu drei Kombinationen zusammenfügen muss, zum anderen aus dem Anfüllen meines Entwicklungsbereiches und der Verschiebung der Wertungsplättchen. Das Spiel besticht durch üppige Ausstattung mit Metallmünzen und einem metallischem Würfelbecher in Form eines Schildkrötenpanzers. Das Gameplay selbst ist eher träge und plätschert so vor sich hin.

Meiner Meinung nach ein Spiel zum „mal-Mitspielen“, aber haben muss ich es nicht. Da macht es auch der mitgelieferte Solo-Modus nicht recht, der zwar fordernd ist aber irgendwie kein richtiges Spielgefühl erzeugt.

Yin Yang - Spielmaterial

Yin Yang – Spielmaterial

 

 

Bewertung / Test
+ tolle Ausstattung
+ interessante Möglichkeiten im Entwicklungsbereich
+ zufällige Auslage der Waren sorgt für hohen Wiederspielreiz
– wenig Spannung im Spiel
– anfällig für Grübel-Verzögerungen
– Münzwurf scheppert nervig laut

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kennerspiel“

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
2.8

Yin Yang (2020)

Spielidee: DuGuWei
Grafik: YaWei und Boyea Lai
Verlag: Spielefaible
Spieler:innenanzahl: 1-4 Spieler:innen
Altersempfehlung Verlag: Ab 15 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Ab 12 Jahren (mit Spielerfahrung)
Spieldauer: 45-75 Minuten

Generationentauglich: Bedingt geeignet für Spieler:innen in der angegebenen Altersgruppe mit gleichen Anforderungen.

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