Lasst uns eine Raumstation bauen – Mission ISS von Schmidt Spiele (Rezension)

Mission ISS | kooperatives Familienspiel | ab 12 Jahren | 1 bis 4 Spielende | Michael Luu | Schmidt Spiele

Viele Menschen träumen davon, einmal ins Weltall zu fliegen. Die Erde von ganz weit oben zu sehen, hat so seinen Reiz. Mich hat das Weltall eher immer gegruselt. Das ist mir alles zu groß und weit. Mission ISS bietet mir jetzt allerdings als Brettspiel die Möglichkeit, an der Erbauung der internationalen Raumstation mitzuwirken und dafür zu sorgen, dass alles am Laufen bleibt. Ob das Spaß macht, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.

Zu sehen ist Mission ISS mit dem gesamten Spielmaterial.

Mission ISS von Schmidt Spiele

 

Das Spiel
Mission ISS ist ein kooperatives Familienspiel von Michael Luu für 1-4 Spielende ab 12 Jahren und bei Schmidt Spiele erschienen.
Eine Partie dauert ca. 60 bis 90 Minuten. Ziel des Spiels ist es, bis zum Ende möglichst viele Abschnitte der Raumstation errichtet zu haben, im besten Fall sogar die gesamte ISS mit all ihren Modulen.

Im Gegensatz zu vielen anderen kooperativen Spielen schlüpft hier nicht jede Person in die Rolle eines eigenen Charakters, sondern alle sind für das gesamte Team zuständig, das mindestens aus drei Astronauten und im Verlauf des Spiels aus bis zu sechs Astronauten besteht. Diese Astronauten verfügen jeweils über drei Fähigkeiten: Bewegung, Erforschung und Bauen. Jede dieser Fähigkeit befindet sich auf einem Level zwischen 1-4. Der mögliche Progress der Fähigkeiten wird dabei durch Tokens in Sockeln der 3D Figuren dargestellt.

Zu sehen sind die Aktionskarten von Mission ISS.

Mithilfe dieser Karten werden die Aktionen gesteuert.

Zu Beginn erhalten alle Spielenden Aktionskarten. Diese werden in einer offenen Auslage vor jeder Person ausgebreitet. Wenn man an der Reihe ist, wählt man eine eigene Karte sowie die einer anderen Person. Auf diesen Karten sind die Aktionen Bauen, Bewegung, Erforschen sowie Trainieren abgebildet. Diese laufen wie folgt ab.

Trainieren
Jeder gute Astronaut muss sich stetig verbessern. Wählt man eine Trainingskarte aus, nimmt man sich einen der Fähigkeitsmarker aus dem Startmodul. Diese Fähigkeit wird dann bei einem Astronauten der Wahl zum Schichtende (mehr dazu später) um 1 erhöht.

Bewegen
Auf der Raumstation sind die einzelnen Module durch weiße Linien unterteilt und voneinander getrennt. Um sich von einem in das andere Modul bewegen zu können, braucht man jeweils einen Bewegungspunkt. Möchte man sich mehr Felder bewegen als der aktuelle Fähigkeitswert des Astronauten vorgibt, ist das auf unterschiedliche Arten und Weisen möglich: Entweder wird man von einem anderen Astronauten im selben Modul unterstützt. Dessen Fertigkeitswert wird zu dem der zu bewegenden Figur addiert. Die andere Möglichkeit ist die Unterstützung durch einen Hilfsroboter, der jede Fähigkeit eines Astronauten im selben Modul um 1 erhöht.

Bauen
Um die ISS weiter ausbauen zu können, müssen an schon bestehende Module, die übrigen dran gebaut werden. Das ist das eigentliche Ziel des gesamten Spiels. Die Module sind von Partie zu Partie unterschiedlich schwer zu bauen. Auch hierbei kann man auf Unterstützung von Astronauten im selben Modul sowie den Hilfsrobotern zählen. Sobald ein Modul fertig gebaut wurde, geschieht ein zufälliges Ereignis. Dieses sorgt entweder dafür, dass in einem schon bestehenden Modul geforscht werden muss oder dass der Bau eines neuen Moduls noch schwieriger als ohnehin schon wird. Außerdem erhält die Person, die erfolgreich gebaut hat, die Modulkarte als Belohnung, die auf der Rückseite einen einmalig zu benutzenden Joker für eine der 4 Aktionen abbildet.

Zu sehen sind die Modulkarten von Mission ISS.

Diese Karten und die Marker darauf entscheiden darüber, wie schwierig der Bau des jeweiligen Moduls ist.

Mit einem Bauwert von eins kann zudem jederzeit ein Hilfsroboter in das Modul platziert werden, in dem sich der aktive Astronaut befindet.

Zu sehen ist die aufgebaute Raumstation von Mission ISS.

Nach und nach baut sich dich ISS auf.

Erforschen
Orte, an denen geforscht werden muss, werden durch kleine quadratische Plättchen dargestellt. Auf diesen werden blaue Würfel mit unterschiedlichen Augenzahlen platziert. Um die Forschung abzuschließen, muss die Anzahl der Augen durch Forschen auf 0 reduziert werden. Sollten mal nicht mehr genug blaue Würfel beim Platzieren vorhanden sein, werden stattdessen rote Würfel platziert. Ab jetzt gilt Baustopp. Irgendetwas läuft schief auf der ISS und bis das nicht geklärt ist, kann nicht weitergebaut werden. Erst wenn alle roten Würfel wieder von der Raumstation verschwunden sind kann weiter gebaut werden. Wenn eine Forschungsaufgabe abgeschlossen wurde, erhält die spielende Person das Plättchen zur Belohnung. Auf diesen sind unterschiedliche Bonusaktionen abgebildet, die einmal pro Partie genutzt werden können.

Zu sehen ist der Zeittracker von Mission ISS.

Tick, tack.. die Zeit schreitet voran.

Sobald jemand keine Karten mehr vor sich liegen hat, ist Schichtende für diese Person. Jetzt wird der Zeittracker um eine Stufe nach vorne gesetzt. Das führt manchmal dazu, dass die Ereignis-Störungskarten wieder neu gemischt werden und schon vorhandene Karten wieder ins Spiel kommen können. Außerdem gibt es bestimmte Stufen, auf denen eine gewisse Anzahl an gebauten Modulen erfüllt sein muss, das das Spiel sonst sofort als verloren gilt.

Gewinnen kann man, indem man es schafft vor Ablauf der Zeit alle 12 Module zu bauen. Sollte die Zeit rum sein und nicht alle Module wurden gebaut, kann man anhand der Anzahl der gebauten Module zumindest abschätzen wie gut oder schlecht man gespielt hat.

Zu sehen sind die 3D-Astronaut:innen-Figuren von Mission ISS.

Verschiedene Astronauten werden von uns gesteuert.

 

Fazit
Ich bin, wie bereits erwähnt, kein großer Fan von Weltraum, Raketen und Astronauten. Auch Mission ISS konnte mich auf den ersten Blick rein thematisch nicht so wirklich überzeugen. Ich wollte dem ganzen aber eine Chance geben. Also habe ich erst Mal angefangen, die Regeln zu lesen und dabei ist mir schon der erste Pluspunkt des Spiels ins Auge gestochen.

Die Anleitung ist zum einen sehr übersichtlich gestaltet, zum anderen ist sie mit vielen interessanten Informationen gespickt. Man erfährt wissenswertes über die ISS, ihre Module und den Aufbau der ganzen Station.

Ein optischer Leckerbissen ist Mission ISS nicht so wirklich. Die Raumteile wirken eher pragmatisch als schön. Ein Highlight sind die 3D-Astronaut:innen-Figuren. Diese wirken erst ein Mal wirklich toll, auf dem Spielbrett haben sie mich aber sehr gestört. Denn das gesamte Spiel wirkt wahnsinnig unübersichtlich und überladen durch die Figuren. Oft konnten wir auf den Modulen nicht erkennen, wo welches Modul angrenzend gebaut werden kann, weil die Astronauten den Blick versperrten. Auch die Fähigkeitswerte der Astronauten selbst waren aus manchen Perspektiven nicht wirklich erkennbar.

Das Spiel selbst ist aber schön strukturiert. Die Abläufe greifen gut ineinander und sind fordernd. Gute Kommunikation ist absolut nötig, sonst scheitert man recht früh. Die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad anzupassen, hat mir sehr gut gefallen. So konnte ich das Spiel mit meinen Eltern etwas leichter gestalten, indem ich mehr „gute Ereigniskarten“ in den Stapel untergemischt habe als in den Solopartien. Was auf keinen Fall vernachlässigt werden darf, ist das Trainieren. Wenn die Fähigkeiten der Astronautennicht schnell verbessert werden, ist es nahezu unmöglich, die ISS rechtzeitig aufzubauen.

Was mir relativ schwach vorkam, war das Erforschen. Wir haben diese Fähigkeit kaum gebraucht, das könnte natürlich auch einfach am Kartenglück liegen, sodass bei uns nur das Bauen schwieriger wurde und keine Forschungsaufgaben ins Spiel kamen. Wir hatten nur einmal einen Baustopp. Empfehlen kann ich Mission ISS allen, die auf kommunikative kooperative Spiele stehen, bei denen man schon im Vorhinein viel planen muss. So richtig aus den Schuhen gehauen hat es mich allerdings nicht. Es gibt viele kooperative Spiele, die ich tatsächlich immer lieber auf den Tisch bringen würde, das wird aber der Tatsache geschuldet sein, dass mir der Weltraum wirklich gestohlen bleiben kann.

 

Bewertung/Test
+ 3D-Astronaut:innen-Figuren sehen toll aus
+ Auswahlmechanismus der Kartenaktionen
+ informatives Hintergrundwissen
– optisch wenig ansprechend
– Spielplan sehr unübersichtlich

 

(Eine Rezension von Sarah Eischet)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”

  • ... Altersgruppe 12 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 76 Jahre
2.8

Mission ISS (2021)

Spielidee: Michael Luu
Grafik: Martin Hoffmann, Claus Stephan
Verlag: Schmidt Spiele
Anzahl der Spielenden: 1-4 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Spieldauer: 60 Minuten

Generationentauglichkeit: Nein. Die Regeln sind zwar recht simpel, sobald man sie einmal verstanden hat. Aber das vorausschauende Planen und die Kommunikation sind für zu junge Menschen eventuell überfordernd. Die unübersichtlichen Grafiken auf den Modulen eignen sich außerdem nicht unbedingt für Menschen mit Seheinschränkungen.

Pädagogisch wertvoll: Ja. Hier lernt man wirklich interessante Informationen über die Raumstation ISS und deren Bauhergang.

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