Konzentration bei der Evolution: Ozeane von Schwerkraft (Rezension)

Ozeane | Kennerspiel | ab 14 Jahren | 2 bis 6 Spielende | Nick Bentley u.a. | Schwerkraft

Bei unserem Brettspieltreff in Weißenburg gibt es die unterschiedlichsten Spieler:innentypen. Manche möchten nur locker-flockig etwas Leichtes spielen und sich dabei unterhalten. Und dann gibt es einen Tisch mit Spielenden, die möchten in einem Spiel den ganzen Abend abtauchen. Sie amüsieren sich ebenfalls, sind aber dabei hochkonzentriert. Ozeane ist etwas für diesen „Grüblertisch“, wie ich ihn nenne.

Spielkarton und Inhalt

 

Das Spiel
Ozeane
 ist ein Kennerspiel von Nick Bentley u.a. und bei Schwerkraft erschienen. Es ist für 2 – 6 Spielende geeignet und kann ab 14 Jahren gespielt werden.

Ozeane ist die Weiterentwicklung des Spiels „Evolution“. Aus den Handkarten wählt man eine Eigenschaftskarte, mit deren Eigenschaften eine neue Spezies an Fischen gegründet wird oder einer vorhandenen Spezies eine Eigenschaft zugefügt wird oder man nutzt die Karte um eine aufgedruckte Anzahl an Fischen von einem Bereich des Ozeans in einen anderen zu migrieren, sprich zu verschieben.

Schachtel mit drei Zonen des Meeres, eine Schachtel Riff, in allen Fische

Das Riff und der Ozean mit drei Tiefenzonen

Es liegen je nach Anzahl der Spielenden eine Menge Fische in den drei Zonen des Ozeans und in der Zone des Riffs.

Nach dem Ausspielen wählt der Spielende eine seine Spezies aus, die fressen darf entsprechend ihrer Eigenschaften. Gefressen wird im Riff, der obersten Zone. Ist diese leer, gibt es auch nichts zu fressen.

Statt zu fressen können einige Spezies auch Räubern, sich am Vorrat anderer Spezies bedienen. Das können sowohl eigene wie gegnerische Spezies sein.

Auslage für zwei Spezies: Eigenschaftskarten und Populationstableau

Die Auslage für zwei Spezies mit ihren Eigenschaften

Beide Aktionen können bei den eigenen und auch bei den gegnerischen Eigenschaften Folgen auslösen, es kann sogar zu Kettenreaktionen kommen. So kann man sich bei den Zügen der anderen Spielenden nicht entspannt zurücklehnen, sondern sollte permanent aufpassen, ob das Geschehen bei den eigenen Spezies nicht etwas auslöst (triggert). Das ist zu Beginn noch übersichtlich und setzt nur voraus, dass man die Texte auch verstanden hat. Dies erfordert Konzentration, wenn man die Karten noch nicht kennt. Bei fortschreitendem Spiel wird es zunehmend komplexer und erfordert permanente Hirntätigkeit.

Nachdem dies abgehandelt wurde, altern die eigenen Spezies. Hier liegt der Siegpunktgenerator. Zunächst altert jede um einen Fisch, der hinter den eigenen Sichtschirm gelegt wird. Am Ende gewinnt der Spielende, der die meisten davon gesammelt hat. Es scheint zunächst Sinn zu machen, möglichst viele Spezies anzulegen, doch ist dies zu kurz gedacht. Kann das Altern nicht erfüllt werden, stirbt diese Spezies aus und all ihre Karten kommen aus dem Spiel. Solider kommt man voran mit der Verbesserung der eigenen Arten, indem man geschickt die Funktionen Nachwuchs und Schmarotzen nutzt.

Zuletzt darf der Spielende beliebig Karten abwerten und die Kartenhand wieder auf sechs ergänzen.

Im ersten Teil des Spiels werden nur die sogenannte Oberflächenkarten ausgespielt. Da gibt es zwölf Eigenschaften, die es kennenzulernen gilt. Im Einführungsspiel wird es dabei belassen. So richtig interessant wird es mit den 89 Tiefenkarten, die in der ersten Phase zwar genommen, aber nicht ausgespielt werden dürfen. Zudem ist beim Ausspielen dieser Karten eine Anzahl Fische aus dem eigenen Vorrat zu zahlen. Diese Verminderung der Siegpunkte will überlegt sein, ob es sich auszahlt.

Ist die erste Ozeanzone leer, kommt es zur „Kambrischen Explosion“ und das Spiel verschärft sich. Nun werden statt einer zwei Karten ausgespielt. So kann man Doppelzüge planen, die natürlich stärker sind als die einzelnen. Und alle Spezies altern um zwei. Noch mehr Planung ist nötig, damit keine ausstirbt. Aus strategischen Gründen kann aber auch dies mal sinnvoll sein.

Sind in allen Zonen keine Fische mehr, wird die Reserve hinzugefügt, damit die letzte Runde noch gespielt werden kann. Dann werden die gesammelten Fische hinter dem Sichtschirm gezählt. Bis dahin kann man vielleicht erahnen wer gewinnt, aber es kann noch Überraschungen geben.

Die Anleitung ist gut strukturiert, verständlich und schön illustriert. In der vorliegenden Luxusedition gibt es unter anderem Fische aus Kunststoff, die sich besser greifen lassen. In der Papp-Version rutscht gerne mal ein Fischlein  unter den Rand und verschwindet so halb. Es sind schöne Stoffbeutel zum Sammeln der Fische dabei. Aber natürlich ist eine Frage, ob man mehr Geld ausgeben möchte.

 

Fazit
Ozeane ist anspruchsvoll und will in aller Ruhe und mit Zeit gespielt werden. Der Aufbau der eigenen Spezies will gut überlegt sein und es gibt eine hohe Interaktion mit den anderen Spielenden. Viele Eigenschaften beziehen sich auf die Mitspielenden, dies gilt es zu nutzen und das Profitieren der anderen zu verhindern. Natürlich kann man mal Pech haben mit den Karten und kaum etwas Geeignetes auf der Hand zu haben. Doch durch die Möglichkeit des Abwerfens am Ende des Zuges lässt sich das Pech minimieren.

Im fortschreitenden Spiel gibt es umso mehr zu beachten, Vieles ist vernetzt und es erfordert hohe Konzentration, nichts zu übersehen und die eigenen Züge optimal zu planen. Ein Leckerbissen für die, welche das mögen, das Grauen für die, die nur mal schnell etwas runterspielen wollen.

 


Bewertung / Test
+ sehr schön gestaltet
+ Regeln gut verständlich
+ interaktiv, weil die Karten sich auch auf Aktionen der Mitspielenden beziehen
– erfordert permanent Konzentration

 

(Eine Rezension von Paul Theisen)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kennerspiel”

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
3.5

Ozeane (2019)

Spielidee: Nick Bentley, Dominic Crapuchettes, Ben Goldman, Brian O’Neill
Grafik: Ben Goldman
Verlag:  Schwerkraft
Anzahl der Spielenden: 2 – 6 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 14 Jahren
Spieldauer: 60 – 90 Minuten

Generationentauglichkeit: Für Kinder und Senior:innen zu komplex.

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