Karibik-Kreuzfahrt im Piratenstyle – Extraordinary Adventures: Pirates (Rezension)

Extraordinary Adventures: Pirates | Familienspiel | ab 8 Jahren | 2 bis 6 Spieler:innen | Glenn Drover& Don Beyer | Forbidden Games | nur auf Englisch

Leben wie in der Werbung: Gemütlich über das Meer schippern, Cocktails im Sonnenuntergang schlürfen und die karibischen Inselparadise besuchen. Aber nicht bei Extraordinary Adventures: Pirates! Hier rasen wir steil im Wind gegen andere Piratenboote, versenken auf dem Weg Handelsschiffe und tauschen Waren gegen Schätze – immer auf der Suche nach der besten Crew, die uns als erstes ans Ziel bringen wird.

Die Schachtel liegt offen auf dem riesigen Spielplan der Karibik

Außergewöhnliche Abenteuer warten auf uns

 

Das Spiel
Extraordinary Adventures: Pirates ist ein Familienspiel von Glenn Drover & Don Beyer und bei Forbidden Games erschienen. Es ist für 2-6 Spieler:innen geeignet und kann ab 8 Jahren gespielt werden. Es ist derzeit nur auf Englisch erschienen.

Bei Extraordinary Adventures: Pirates machen 2-6 Spieler:innen mit jeweils drei seetüchtigen Piratenschiffen auf drei verschiedenen Routen die Karibik unsicher. Dabei können sie Beute machen und diese dann in Hafenstädten entlang der Strecke gegen Schätze eintauschen und neue Crew anheuern. Das ganze geht so lang. bis eines der Schiffe Trinidad erreicht. Wer dann die meisten Siegpunkte gehamstert hat, gewinnt das Spiel.

Durch ein tolles Inlay hat alles seinen Platz

Das tolle Inlay hält tolle Ordnung.

Alle Spieler:innen starten mit einem identischen Satz von zehn Handkarten. Die Karten stellen die Crew dar und ermöglichen, mit den Schiffen eine gewisse Anzahl an Feldern auf dem Spielplan vorzuziehen. Fünf Karten kommen in die Hand. Wer an der Reihe ist, spielt immer drei davon aus und rückt die Summe der Bewegungspunkte mit den Schiffen voran. Welche der drei Routen dabei gewählt wird, entscheidet die Spieler:in selbst. Auf jeden Fall enden alle Strecken in Trinidad. Danach wird wieder auf fünf Karten aufgefüllt. Somit ist Extraordinary Adventures: Pirate ein klassiches Deckbau-Spiel.

Die Karten sind mit Comic-Piraten illustriert

Wer soll mit diesen Startkarten schon was reißen?

Doch jenseits der Optimallinie in Richtung Ziel liegen lukrative Abzweigungen. Folgt man diesen, verliert man zwar für den Augenblick das Ziel aus den Augen, wird jedoch in der Regel reich belohnt. Bleibt man auf Feldern mit Handelsschiffen stehen, überfällt man diese und greift sich deren Vorräte ab. Der Erfolg ist immer garantiert. Außerdem zieht man von einem verdeckten Stapel neue Crewkarten. Die sind in der Regel immer besser als die Startkarten, da sie mehr Bewegungspunkte bieten. So durchquert man die Karibik schneller.

In Städten entlang der Route können dann die erbeuteten Vorräte gegen Schatzkisten eingetauscht werden. Das bringt zusätzliche Siegpunkte für die Endwertung. Und auch hier warten wieder lukrative Crewkarten. Die Umwege lohnen sich also doppelt. Schnell wird klar: Wer nicht versucht neue Crew anzuheuern, wird das Rennen auf jeden Fall verlieren!

Mit den Vorräten können die Schatzkarte eingetauscht werden

Läuft für lila. Diese Beute ist 4 Siegpunkte wert.

Einige der Karten sind aber auch Spezialkarten, die außer der Grundbewegung auch eine besondere Aktion ins Spiel bringen. So ermöglichen sie beispielsweise, auf einer der drei Strecken zusätzliche Bewegungen zu machen, andere Spieler:innen aussetzen zu lassen oder sie sogar zurückzusetzen. So entsteht auf den drei Strecken nicht nur ein Rennen um die vorderen Plätze, sondern auch um die Gelegenheiten, neue Karten zu bekommen. Und damit entpuppt sich der wahre Charakter des Familienspiels, nämlich als klassisches Rennspiel!

Drei Schiffe befinden sich im Zielanlauf auf Trinidad

Kurz vor Schluss.Wer macht das Rennen?

Wie bei anderen Spielen dieses Genre, ist Extraordinary Adventures: Pirate dann besonders reizvoll, wenn mehrere an dem Wettlauf um den Piratenruhm teilnehmen. Dann kommt mehr Dynamik auf dem Spielplan auf. Schluss ist immer sofort, wenn das erste Schiff Trinidad erreicht hat. Jetzt werden für die aktuellen Positionen auf jeder Strecke Punkte vergeben, die eingetauschten Schätze dazu gerechnet und noch übrig gebliebene Vorräte berücksichtigt. Wer zum Schluss die meisten Punkte erbeutet hat, gewinnt. Die Spieldauer für eine Partie variiert je nach Besetzung zwischen 45 und 60 Minuten.

Wer das Spiel in seinen Grundmechaniken beherrscht, sollte die Regeln für erfahrene Spieler:innen einbauen. Dann werden zum Spielbeginn noch Piratenfiguren in den Häfen verteilt. Sie bringen weitere Punkte, wenn sie erbeutet werden. Das macht das Spiel ein bisschen strategischer, länger aber nicht.

Zwei Piratenfiguren des Expertenspiels

Trotz Piratenthema – ein Hauen und Stechen untereinander kommt nicht auf

 


Fazit

Extraordinary Adventures: Pirates ist ein Rennspiel mit einem einfachen Deckbau-Mechanismus für Familien. Das Piratenthema ist optisch wirklich attraktiv umgesetzt. Die bunten Boots-Figuren sehen auf der Karte der Karibik wirklich toll aus. Bonuspunkte gäbe es noch, wenn sie statt aus Plastik aus Holz wären, so wie bei den Meeplen mit den Holzbeinen. Wahrscheinlich ist das der Tatsache geschuldet, dass das Spiel bisher nur für den amerikanischen Markt produziert wurde. Miniaturen und Kunststoff in Spielen haben da einen anderen Stellenwert. Dafür findet alles in der Schachtel ordentlich seinen Platz. Das überzeugt. Ein Piraten-Abenteuer-Gefühl, wie es der Name vermuten lässt, vermittelt das Spiel aber nicht. Dafür entsteht zu wenig Interaktion zwischen den Spieler:innen.

Für deutsche Spieler kristallisiert sich aber ein zusätzliches Problem heraus. Englischkenntnisse auf fortgeschrittenem Schulniveau ist notwendig, um spielen zu können. Zwar sind die Basis-Bewegungspunkte auf den Karten durch Zahlen dargestellt, die Bonusaktionen jedoch auf Englisch aufgedruckt. Eine Symbolsprache sucht man vergebens. Das kann schon eine Hürde sein. Deswegen: Zumindest eine Person in der Runde sollte über gute Sprachkenntnisse verfügen, um mit Übersetzungen und Erklärungen aushelfen zu können. Davon unabhängig gibt es aber keinen Grund, warum das Spiel nicht quer durch die Generationen gespielt werden kann.

 

Bewertung / Test
+ optischer Karibik-Leckerbissen
+ einfache Spielregeln
+ Inlay sorgt für tolle Ordnung in der Schachtel
– nur auf Englisch
– fehlende Symbolsprache
– wenig Interaktion während des Rennens
– Praten-Feeling kommt keins auf

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 76 Jahre
3.1

Extraordinary Adventures: Pirates (2019)

Spielidee: Glenn Drover & Don Beyer
Grafik: Jacoby O’Connor
Verlag:  Forbidden Games
Spieler:innenanzahl: 2-6 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 8 Jahren
Spieldauer: 60 Minuten

Generationentauglichkeit: Ja, wenn Englischkenntnisse vorhanden sind

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