Jetzt gibt’s was auf den Helm – Hero Realms von Wise Wizard Games (Rezension)

Hero Realms | Familienspiel | ab 12 Jahren | 2 bis 4 Spielende | Robert Dougherty & Darwin Kastle | White Wizard Games

Also, ich schleudere dir die Fire Bomb entgegen und mache dir damit acht Damage. Dann haut dir der Spark nochmal fünf Schaden rein, weil er auch aus der Wild Faction ist. Und mit den drei Gold, die ich noch habe, kaufe ich mir vom Markt die Close Ranks-Karte. Okay, du bist dran.
Na, noch Lust weiterzulesen? Dann herzlich willkommen in der Welt von Hero Realms.

Hero Realms - ein Kartenspiel mit Deckbau-Mechanismus

Hero Realms – ein Kartenspiel mit Fantasythema.


 
 

Das Spiel
Hero Realms ist ein Familienspiel von Robert Dougherty & Darwin Kastle und bei White Wizard Games erschienen. Es ist für 2-4 Spielende geeignet und kann ab 12 Jahren gespielt werden.

Hero Realms ist ein Deckbau-Kartenspiel für 2 bis 4 Personen in einem Fantasy-Szenario. Darin gibt es Sturmriesen, Orkgrunzer und Kultistenpriester, aber auch Zaubersprüche und Dunkle Belohnungen. Champions kämpfen treu an der Seite, bis sie besiegt werden, und Wächter werfen sich in vorderster Reihe ins Getümmel. Alles das begegnet uns auf wirklich toll illustrierten Karten.

Wie bei einem Deckbau-Kartenspiel üblich, starten auch bei Hero Realms alle mit einem identischen Satz von zehn Karten. Zwei davon heißen Dolch und Kurzschwert. Sie verursachen Schaden an einer anderen Person, wenn sie gespielt werden, wenn auch noch kläglich wenig. Erlittener Schaden wird von den anfänglichen 50 Lebenspunkten abgezogen. Damit man da nicht mit Stift und Papier rumkritzeln muss, gibt es schicke Lebenspunkteübersichten.

Grün hat noch 43 Lebenspunkte

Grün hat noch 43 Lebenspunkte.

Die anderen sieben Karten bringen Gold, mit dem man auf der offen zugänglichen Marktauslage bessere Karten fürs weitere Spiel kaufen kann. Das können Aktionskarten, Champions und Wächter sein. Manche heilen sogar erlittenen Schaden. Die Neuen wandern aber nicht gleich in die Hand der Spielenden, sondern erst auf den Ablagestapel. Durch Mischen und Nachziehen kommen sie dann später ins Spiel. So entwickeln sich aus den gleichen Voraussetzungen zu Beginn schon sehr schnell sehr unterschiedliche Kartenhände mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Und darin bestehen der Reiz des Genres und der hohe Wiederspielwert.

Ist man am Zug, spielt man immer alle Karten aus der eigenen Hand aus, prügelt andere und kauft vom Markt. Das geht solange, bis alle anderen Spielenden mangels Lebenspunkten aus dem Spiel ausscheiden müssen und nur noch die Gewinner:in übrig ist. Das klingt nicht nur einfach, sondern ist es eigentlich auch. Und trotzdem entstehen spannende Kopf-an-Kopf-Duelle mit vollem Frust- und Freudepotential.

Außer einem aktiven Effekt, der direkt beim Ausspielen einsetzt, haben die Karten nämlich zusätzlich Allianz-Kräfte. Diese aktivieren sich, wenn im gleichen Spielzug Karten gleicher Farben ausgespielt werden. Darauf lohnt es sich zu spekulieren, um den eigenen Zug effektiver zu machen und den anderen schneller den Helm vom Kopf zu kloppen. Wichtig ist es deswegen immer die Marktauslage gut zu checken. Es kann schon sein, dass der Effekt einer einzelnen Karte vielleicht nicht sonderlich überzeugt, sie aber trotzdem gut ins eigene Deck passt, weil sie starke Allianzkräfte auslöst.

Zwei Karten gleicher Farbe setzen zusätzliche Aktionen frei.

Zwei Karten gleicher Farbe setzen zusätzliche Aktionen frei.

Im Detail gibt es in einer Partie Hero Realms viel zu erleben, obwohl man eigentlich immer das Gleiche tut. Aber die Marktauslage ist in jeder Partie anders und ändert sich ständig, und die erworbenen Karten können sich zu heftigen Synergien kombinieren – oder auch nicht. Glück ist schon ein wesentlicher Faktor. Außerdem bietet das Spiel gleich vier zusätzliche unterschiedliche Spielmodi, inklusive einer Teamvariante. Und trotzdem überzeugt es am meisten, wie sein Vorgänger im Science-Fiction-Gewand Star Realms, wenn zwei Personen im direkten Duell gegeneinander antreten. Eine Runde dauert so etwa 20 Minuten. Das ist kurz genug, dass man direkt noch eine Revanche dranhängen kann.

Ich würde Hero Realms jedoch nicht mit meiner Schwiegermutter spielen wollen. Erstens ist sie eine friedliebende Person und mag den direkten Konflikt in einem Spiel nicht. Zweitens hat sie Probleme mit der Schrift, die auf den Karten ist. Das Spiel schafft es nämlich nicht, komplett über Symbole zu kommunizieren, sondern quetscht oft Buchstaben in Minigröße auf die Karten. Erschwerend kommt dazu, dass es unsere Ausgabe im Spielecafé nur auf Englisch gibt. Die Anleitung und Kartentexte brauchen schon fortgeschrittene Fremdsprachenkenntnisse. Eine deutsche Ausgabe ist im Moment leider vergriffen.

In jeder Starthand gibt es Gold und Angriffskarten

Schön illustriert, aber schwierig zu lesen, dazu noch auf Englisch.


 
 

Fazit
Hero Realms ist ein sehr schnelles Deckbauspiel im Fantasy-Gewand, das leicht zu erlernen ist. Es entwickelt einen starken Wettkampfcharakter und spielt sich am besten zu zweit. Wer so richtig Gefallen an dem Spiel gefunden hat, kann sich noch einzelne Fantasy-Charakterklassen dazu kaufen, wie etwa den Dieb oder Kämpfer. Die kommen mit einem eigenen Startdeck und bringen noch weitere Abwechslung.

 

Bewertung / Test
+ schnelle und abwechslungsreiche Runden
+ variantenreich
+ Wettkampfcharakter
– Schrift zu klein
– glückslastig
– Ausgabe nur auf Englisch verfügbar

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
3.3

Hero Realms (2016)

Spielidee: Robert Dougherty & Darwin Kastle
Grafik: Randy Delven, Vito Gesualdi & Antonis Papantoniou
Verlag: White Wizard Games
Anzahl der Spielenden: 2-4 Personen, 2 empfohlen
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Spieldauer: etwa 20 Minuten
Generationentauglichkeit: Die Infos auf den Karten sind doch sehr klein und schwer zu erkennen

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