Emus sind auch nur Vögel – Flügelschlag: Ozeanien-Erweiterung von Feuerland (Rezension)

Flügelschlag Ozeanien | Erweiterung | ab 10 Jahren | 1 bis 5 Spielende | Elisabeth Hargrave | Feuerland |

Die zweite Erweiterung zu Flügelschlag, dem Kennerspiel des Jahres 2019, führt uns von Deutschland aus betrachtet ans andere Ende der Welt. Die Ozeanien-Erweiterung bringt aber nicht nur einen ganzen Schwarm bunter, neuer Vogelarten in das Grundspiel ein, sondern erweitert auch die Spielmechanik.

Die Schachteln der Erweiterung und des Grundspiels mit einem Blick auf die neuen Vogelkarten und das Tableau

Kennerspiel 2019 und die zweite Erweiterung

 


Das Spiel
Flügelschlag Ozeanien
ist eine Erweiterung von Elizabeth Hargrave und bei Feuerland erschienen. Sie ist für 1-5 Spielende geeignet und kann ab 10 Jahren gespielt werden.

Schauen wir zuerst mal in die Schachtel. Direkt fällt auf, dass sich in Ozeanien die Vögel offensichtlich nicht nur von den bekannten Würmern, Fischen, Nagetieren, Beeren und Körnern ernähren. Als neues Futter kommt nämlich Nektar ins Spiel. Deswegen werden die alten Würfel auch ausgetauscht und mit den neuen im Spiel ersetzt.

Blick auf pinkfarbene Nektarmarker und die neuen Würfel

Für das neue Futter braucht es auch neue Würfel.

Aber auch die alten Tableaus, auf denen die Vögel ausgespielt werden, müssen ausgemustert werden. Auch das hat mit der neuen Futtersorte zu tun. Denn ganz am Ende belohnt das Spiel die Personen, die den meisten Nektar eingesetzt haben, um Vögel in den persönlichen Bereich auszuspielen oder Bonusaktionen auszuführen. Da werden pro Landschaft noch bis zu fünf Punkte gutgeschrieben.

Details des neuen Spielertableau

Wer ordentlich Nektar sammelt, bekommt auch was dafür.

Außerdem fällt auf, dass sich noch andere Kleinigkeiten auf den Tableaus geändert haben. So dürfen jetzt beispielsweise gegen das Bezahlen mit einem beliebigen Futtermarker die Würfel im Vogelhäuschen neu gewürfelt oder die Vogeltränke neu befüllt werden. Auch gibt es schneller mehr Karten, mehr Eier und mehr Futter. Das führt dazu, dass das Spiel an Dynamik gewinnt. Das fühlt sich gut an.

Ebenfalls kommen neue Rundenziele ins Spiel. Die vier neuen Marker werden einfach zu dem bisherigen Material hinzugefügt. Besonders genau hin schauen müssen alle dann, wenn zum Beispiel die Punkte dafür ausgeschüttet werden, in welche Richtung der Schnabel der Vögel zeigt. Natürlich hilft die Anleitung mit Infos aus, wenn es nicht klar ersichtlich ist, in welche Richtung zum Beispiel der Schiefschnabel oder der Kakapo schaut.

Neue Rundenzielemarker

Köpfchen nach rechts … und lächeln!

Am meisten ins Auge fallen natürlich die 95 neuen Vogelkarten der Erweiterung. Sie sind wieder bestechend schön illustriert und bieten alle Infos, die wir schon aus dem Grundspiel kennen. Wie immer zeigt sich, wie wenig wir doch in der Regel über die Artenvielfalt wissen. Umso größer ist dann die Freude, wenn wir auf bekannte Karten treffen, wie etwa den Wellensittich oder farbenfrohe Papageienarten.

Drei neue Vögel liegen in der Tränke.

Na, welchen Vogel hätten Sie gekannt?

Mit den Vögeln kommt aber auch eine neue Fähigkeit ins Spiel, die auf den Karten gelb hervorgehoben ist. Diese wird genau einmal nach der vierten Runde am Ende des Spiels aktiviert, bevor die Aktionswürfel entfernt werden. Wer sogar mehrere gelbe Fähigkeiten durch verschiedene Vögel hat, entscheidet selbst über die Reihenfolge, wie sie gewertet werden. Je nach Karte kommt da nochmal kräftig Bewegung ins Spiel – und damit nochmal eine Quelle für Siegpunkte. Ein neuer Wertungsblock liegt dem Spiel auch bei. Festzustellen, wer das Spiel gewinnt, geht damit gewohnt einfach.

Zwei Karten mit gelber Fähigkeit.

Gelbe Fähigkeiten bringen nur zum Schluss Punkte, dafür dann aber spürbar.

Die Ozeanien-Erweiterung kann natürlich nach Belieben mit dem Grundspiel und der Europa-Erweiterung kombiniert werden. Das hat aber Auswirkungen auf die Bonuskarten. Da sich durch sprachliche Unterschiede der Vogelnamen die Prozentzahlen verändern, was sich auf die Punktewertung einzelner Bonuskarten deutlich auswirken kann, empfiehlt die Spielregel – je nach Kombination der Spiele – die Karten Biologe, Morphologe und Geograf zu entfernen.

8 neue Karten liegen aus.

Neue Vogelarten, wohin das Auge blickt.

Ansonsten ist es aber überhaupt kein Problem, sogar alle drei Spiele für das uneingeschränkte Flügelschlag-Erlebnis zu mischen. Schwierig wird es nur dann, wenn alles in die Grundbox einsortiert werden soll. Es ist schlicht und einfach viel zu viel Material, insbesondere, wenn auch noch das Material mit der Europa-Erweiterung dazu gepackt werden soll. Wer sich aber die Mühe machen möchte, alles wieder voneinander zu trennen, der findet unten rechts an den Karten und anderen Materialien die Buchstabenkombination „OE“ für Ozeanien-Erweiterung. Aber will ich das Spiel wirklich immer neu sortieren? Ich zumindest nicht …

 

Fazit
Die Ozeanien bringt durch die neue Futtersorte Nektar neue Spielregeln und Taktiken ins Spiel. Vor allem die gelben Fähigkeiten bringen Abwechslung. Das ist gut so. Leider geht das zu Ungunsten des Materials. Die alten Würfel und Tableaus werden quasi zu Abfall. Wie gewohnt ist alles wunderschön gestaltet. So fügt sich auch die Ozeanien-Erweiterung in den bekannten Spielgenuss ein. Ob es unbedingt die Erweiterung braucht? Das kommt sicher auf die Lust am Spiel und den eigenen Geldbeutel an.

 

Bewertung / Test
+ 95 neue Vogelarten
+ neue Strategiemöglichkeiten durch Nektar und Spielendekarten
+ neue Komponenten optisch wie aus einem Guss
– alte Boards und Würfel können nicht mehr gebraucht werden
– irgendwie doch zu viel Material für eine Kiste

 

(Eine Rezension von Oli Clemens)


Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Erweiterung”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 76 Jahre
4

Flügelschlag Ozeanien (2020)

Spielidee: Elizabeth Hargrave
Grafik: Natalia Rojas, Ana María Martínez Jaramillo und Beth Sobel
Verlag:  Feuerland
Anzahl der Spielenden: 1-5 Personen
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 40-75 Minuten

Generationentauglichkeit: Zwar gegeben, aber für sehr junge und sehr betagte Mitspielende vielleicht doch ein wenig zu lange und komplex, um den vollen Spielspaß zu entfalten.

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