Dampfross 2.0: „On the Underground“ von „LudiCreations“ (Rezension)

On the Underground | Kennerspiel | ab 14 Jahren | 2 bis 5 Spielende | Sebastian Bleasdale | LudiCreations 

Wir bauen in London (später auch in Berlin) die U-Bahnlinien aus. Da gibt es viel zu tun: Die Hauptwege sind mehrspurig, Fernbahnhöfe gilt es anzuschließen und die Linien fortzusetzen, am besten bis zur Endstation. Der Passagier möchte zu seinen ausgelosten Zielen. Bricht man die Mechanik auf den Kern herunter, erinnert es an „Dampfross“, Spiel des Jahres 1984. Aber sowohl spielerisch als gestalterisch hat sich seitdem viel getan.

Spielkarton und Inhalt

 

Das Spiel
On the Underground
 ist ein Kennerspiel von Sebastian Bleasdale und bei LudiCreations erschienen. Es ist für 2 – 5 Spielende geeignet und kann ab 14 Jahren gespielt werden.

Vom Spielerischen her würde ich „On the Underground“ als Familienspiel plus einordnen, doch von der Altersangabe her ist es wohl doch eher ein Kennerspiel. Die Regeln sind nicht schwierig. Je nach Anzahl der Spielenden bekommt jede Person zwei bis fünf der Farben von Gleisteilen zugeordnet. Davon gibt es jeweils 16, die Länge der U-Bahnlinien ist angesichts des riesigen Spielplans absolut begrenzt und will geplant sein.

Ein Spielzug besteht aus vier Aktionen, das ist zumeist das Legen von Gleisen, kann aber auch das Nehmen eines Gleismarkers sein. Eine Linie startet auf einem beliebigen freien Abschnitt. Von da an muss angelegt werden. Um eine Abzweigung bauen zu dürfen, sind zwei Gleismarker abzugeben. Jeder Spielende hat (je nach Anzahl der Spielenden) mindestens zwei Linien zu legen. Das führt zu taktischen Überlegungen, zumal es für jede Farbe nur 16 Gleismarker gibt. Mit Abzweigungen sind die manchmal schnell verbraucht.

Situation ziemlich am Anfang: Einige Linien wurden begonnen. Im Vordergrund zwei Zielmarker

Der gelbe Zielmarker wird zuerst angefahren. Kommt der Passagier von links, profitiert Rot. Andernfalls Schwarz. Dann wird der graue Zielmarker angefahren. Hier bekommt auf jeden Fall Schwarz einen Siegpunkt.

Aus dem Kartenstapel mit Stationsnamen und dessen Koordinaten werden vier aufgedeckt und die Zielmarker zugeordnet. Da gibt es die grauen Karten für die normalen Ziele und die gelben für die Expressziele. Entsprechend sind auch die Zielmarker grau oder gelb. Nach dem Spielzug kommt jetzt der Passagier ins Spiel: er reist zu dem am nächsten gelegenen Expressziel und danach zu einem regulären Ziel. Ist nur eine Art von Zielmarker auf dem Plan, gilt eine besondere Regelung.

Nun wird geschaut: welches ist die kürzeste Route? Wessen Linien können dabei genutzt werden? Für jede genutzte Linie bekommt der, bzw. die Besitzende jeweils einen Siegpunkt. Nun werden entsprechend neue Karten aufgedeckt und die Zielmarkierung(en) neu platziert.

Auf dem Plan ein grauer Zielmarker, der Passagier und eine Zielkarte

Eine neue Position für den Zielmarker wird bestimmt.

Mit 55 Zielkarten kommt jeder Bereich des Planes an die Reihe. So ist es interessant, die Außengebiete zu bebauen. Jeder Erstanschluss eines Fernbahnhofes und einer Endstation bringt Punkte (man erinnert sich dumpf: bei Dampfross waren es pro Stadt 6). Aber noch wichtiger sind die zentralen Gleise, die bis zu vierspurig sein können. Da ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie vom Passagier genutzt werden. Und es gibt die Verbindungsplättchen, die bei einer Strecke zwischen gleichen Symbolen 3 Punkte bringen. Auch das lohnt sich. Schafft man es, eine Ringverbindung zu bauen, wird auch das entsprechend mit Punkten belohnt.

Spätere Spielsituation, es sind viele Wegstrecken ausgebaut

Das Zentrum füllt sich. Es macht Sinn, auch parallel zu bauen.

Die Strategie sollte sein, sowohl beim aktuellen Zug auf die nächste Bewegung des Passagiers zu achten, um  bei der Wertung zu profitieren, als auch die längerfristige Planung im Auge zu behalten. Dabei steckt schon Glück dahinter, welche Stationen für den Passagier ausgelost werden. Entsprechend sind die Siegpunktmarker der Spielenden selten weit voneinander entfernt.

Auf der Rückseite befindet sich ein Plan von Berlin. Statt der schwierig zu bauenden Ringverbindung in London gilt es hier, Wahrzeichen zu verbinden und die Plättchen dazu zu sammeln. Da wird das Erreichen eines kompletten Sets gewertet und am Ende die höchste Anzahl gleicher Symbole. Das bringt nochmal Varianz.

Spielkarton Dampfross mit Inhalt

Zur Erläuterung, warum mich das Spiel an das alte „Dampfross“ erinnert.: Hier werden die Strecken mit Stiften eingezeichnet, Städte verbunden und hier losen die Würfel aus, welche Städte angefahren werden. Ähnliches Prinzip.

 

Fazit
Passt der große Spielplan auf den Tisch, braucht es kaum weiteren Platz für Material. Der Plan schaut klasse aus und macht sogleich Lust, ihn genau zu betrachten. Der Einstieg ist leicht, man kann situationsabhängig spielen oder durchgeplant, beides funktioniert. Das Auslosen der Ziele durch die Karten ist im Moment glücksabhängig, gleicht sich aber über die Dauer der Spielpartie aus. Die Verteilung der Verbindungsplättchen (London) und Wahrzeichenplättchen (Berlin) bringt Varianz, ebenso dass der Plan beidseitig bedruckt ist.

On the Underground (der englische Titel lässt zunächst vermuten, es handelt sich um ein rein englischsprachiges Spiel) ist grundsolide, funktioniert und macht Spaß. Der Wiederspielreiz ist da, wenn auch nicht überragend, weil die Partien ähnlich verlaufen  und es keine wirklichen Siegstrategien zu entdecken gibt. Die Anleitung ist gut verständlich, das Material stabil.

Das alte „Dampfross“ war damals überragend, heute ziemlich langweilig. Ich befürchte, „On the Underground“ könnte es auf Dauer ähnlich gehen. Ein wirklich gutes Spiel, für mich aber nicht herausragend, weil es nicht so wirklich einen Spannungsbogen hat.

 

 

Bewertung / Test
+ leichter Einstieg, gut verständliche Regeln
+ macht Spaß
+ leichte bis mittlere taktische Tiefe
– Das Finden der Zielstationen und das Ermitteln der kürzesten Strecke ist manchmal schwierig
– gefühlt glücksabhängig

 

(Eine Rezension von Paul Theisen)


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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kennerspiel”

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 76 Jahre
4.4

On the Underground (2021)

Spielidee: Sebastian Bleasdale
Grafik: Viktor Csete
Verlag: LudCreations
Anzahl der Spielenden: 2 – 5
Altersempfehlung Verlag: Ab 14 Jahren

Eigene Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
Spieldauer: 60 Minuten

Generationentauglichkeit: Trotz des großen Spielplans sind einige Symbole eher klein. Das Finden der Stationen auf Grund der Zielkarten ist nicht ganz einfach. Die Namen sind in reinen Großbuchstaben. Hier sollte ein Spielleiter übernehmen. Ebenso beim Auszählen der Entfernungen, das erfordert Konzentration und Überblick.

Pädagogisch wertvoll:  fördert strategische Planung, macht mit derartigen Plänen vertraut.

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