Wieder ein gutes Spiel in Valeria, diesmal die – Markgrafen von Valeria, Schwerkraft-Verlag (Rezension, Test)

Markgrafen von Valeria | moderates Kennerspiel | 2-5 Spieler*innen |  ab 14 Jahren | Isaias Vallejo | Schwerkraft-Verlag  |
Eine interessante Mischung aus Deckbau- und Arbeitereinsetzspiel mit kniffligen Entscheidungen, bei dem immer viel zu tun ist und viel passiert – da kommt keine Langeweile auf.

„Das war ja wieder klar von der Königin. Da sollen überall im Land Wachtürme errichtet werden und wer soll sich darum kümmern? Nicht etwa die werten Herren Herzöge! Die müssen ja regieren. Wir Markgrafen haben die A-Karte gezogen. Ich habe einen Bürojob, schikaniere meine Untergeordneten und schmiede Intrigen. Und jetzt muss ich raus ins Land, mich mit hochnäsigen Gildenvertreten und den sowieso unausstehlich besserwissenden Rittern rumärgern. Nur wegen ein paar Wachtürmen.“

Ja so ist es im Leben eines Markgrafen. In ebendiese Rolle eines Markgrafen schlüpfen wir, reisen von einem der acht Orte zum anderen, sichern Rohstoffe, verpflichten freie Ritter zur Mithilfe, bauen Wachtürme, stellen uns dabei gut mit den Gilden und verkloppen so nebenbei ein paar rumlungernde Monster.

Gesteuert wird unsere Reise durch Handkarten. Dieses Deck werden wir im Laufe des Spiels erweitern. Jede Karte bietet mehrere Möglichkeiten. Die Wimpelaktion lässt uns vor allem reisen. Immer wenn wir den Markgrafen oder einen Ritter in einen Ort bewegen, können wir dort die Ortsaktion ausführen, was zumeist Rohstoffe bringt. Die Bürgerfähigkeit auf der Karte ist von Karte zu Karte unterschiedlich. Sie erlaubt verschiedenste Aktionen – Rohstoffe gewinnen oder umwandeln, Reisen, Ritter einsetzen, Monster angreifen und und und. Sich die richtigen Karten in seinem Deck zu versammeln ist die wichtigste Strategie im Spiel.

Eine dritte Möglichkeit, eine Karte einzusetzen, ist die Bauaktion. Man gibt Holz, Stein, Magie und Edelstein ab und errichtet einen der vier eigenen Wachtürme. Es heißt also im Vorfeld fleißig Rohstoffe zu sammeln. Dabei besteht das eigene Lager aber nur aus wenigen Lagerplätzen. Einfach nur horten bringt nichts. Hier kommen wir aber gleich zu einem Punkt, der in ein paar Partien negativ aufgefallen ist. Es gibt im Spiel nur eine begrenzte Anzahl an Edelsteinen (einen mehr als Mitspieler). Zum Bau der für das Spielende notwendigen Wachtürme braucht man aber jedes mal einen Edelstein. Wenn ein*e Mitspieler*in frühzeitig die Edelsteine hortet (bringen bei Spielende immerhin 10 Punkte), kann er so das Spiel in die Länge ziehen und den Mitspielern den Bau der wertvollen Türme verwehren. Hier wäre eine Hausregel sinnvoll, wie etwa nicht mehr als zwei Edelsteine gleichzeitig im Lager haben zu dürfen.

Wie macht man aber nun eigentlich Punkte? Nicht derjenige gewinnt, der zuerst vier Wachtürme erbaut hat – das löst nur das Spielende aus – es gewinnt, wer die meisten Siegpunkte erreicht. Und hier ganz wesentlich sind die Punkte, die durch die Gildensymbole multipliziert mit der Position auf der Gildenleiste erreicht werden. Gildensymbole gibt es von den Städten, in denen ich einen Wachturm habe und von den verschiedenen Karten, die ich im Laufe des Spiels in mein Deck einkaufe. Ein paar gibt es auch durch die Privileg-Plättchen.

Mit jedem Turm kann ich mich auf den Gildenleisten um drei Felder vorwärts bewegen. Mit dem Töten von Monstern ein oder zwei Schritte. Damit ich einen vernünftig hohen Wert bekomme, muss ich also immer Monster jagen. Es gibt keinen anderen siegbringenden Weg. Gut dass es beliebig viele Monster gibt.

Und jetzt kommen die Ritter ins Spiel und die sind ein Highlight im Spiel. Ich darf zwar eigene Ritter aus meinem Lager gezielt einsetzen, aber sind sie erstmal auf dem Spielfeld, kann sie jede*r Spieler*in für sich nutzen, vorausgesetzt, die Spielfigur steht in dem gleichen Ort. Das ist richtig genial. Und kann ganz schön fies auch sein, wenn man dem Gegner die für den nächsten Zug gut aufgestellten Ritter wieder in alle Winde verstreut.

Hier kommt die Interaktion ins Spiel. Beim Monster töten helfen mir meine Stärkepunkte, die ich zuerst mühsam sammeln muss, und die in dem Ort stehenden Ritter. Sich die Ritter selbst hinzuschieben, wo ich sie brauchen kann, funktioniert im Spiel zu zweit, ab drei und aufmerksamen Spieler*innen gelingt das selten und oft genug entscheidet der Zufall, ob ich ein Monster angreifen kann. Das ist mir zu beliebig, vor allem da Monster töten spielentscheidend ist.

Da ich schon bei den Problemen bin, hier noch eines. Das Startspielerproblem. Jede*r Spieler*in erhält (im Drafting-Modus) drei Startvermögensplättchen mit unterschiedlichen Rohstoffen oder ähnlichem. Suche ich die richtigen heraus, kann ich gleich mit dem ersten Zug als Startspieler*in einen Wachturm bauen und erhalte (wegen dem Baufeld-Bonus) meine drei Rohstoffe wieder zurück. Brauch ich nur noch einen Edelstein und schon steht der zweite Turm. Wer darauf spielt, die Rundenanzahl möglichst gering zu halten, hat damit schon einen großen Schritt gemacht.

Jetzt aber mal Klartext. Das Spielprinzip ist nichts Neues und doch hebt es sich angenehm aus der Masse der vergleichbaren Spiele heraus. Mit der Kartensteuerung hat das Spiel einen wirklich tollen Mechanismus. Die Mehrfachverwendbarkeit der Karten ist herausfordernd und die Wahl der Karten, die ich hinzukaufe, will sehr gut überlegt sein. Zudem hat jeder Zug eine ganze Abfolge an weiteren Aktionen zur Folge. So gibt es immer einiges zu bedenken, welche Karte ich ausspiele und welche Funktion ich aufrufe. Wenn das Deck zehn oder mehr Karten umfasst, wird jeder Zug eine knifflige Angelegenheit. Ich habe aber auch schon Spiele erlebt, bei denen der Sieger mit nur drei dazugekauften Karten gewonnen hat. Also alles ist möglich, und so muss ein Spiel sein.

 

 

 

Fazit
Markgrafen von Valeria ist ein moderates Kennerspiel mit bewährten Mechanismen, die aber sehr rund und passend zusammengefügt sind. Gesteuert wird mit einem Kartendeck, das im Laufe des Spiels erweitert werden kann und bei dem jede Karte mehrere Funktionen hat. Das Reisen auf dem Spielplan (eine Art Arbeiter-Einsetz-Mechanismus) dient der Rohstoffsammlung und der Monsterjagd. Die Rohstoffe brauche ich zum Bauen der notwendigen vier Wachtürme, die Monster, um auf den Gildenleisten vorwärts zu kommen. Nebenbei Privilegplättchen eingesammelt und stets die aktuell gebotenen Möglichkeiten genutzt stellt das Spielprinzip dar. Und mit der vorhandenen Interaktion ist das Spiel ein sehr guter Vertreter seiner Gattung und hebt sich aus den doch zahlreichen Spielen mit ähnlichem Spielprinzip heraus.

Das Material ist sehr hochwertig, die Grafik erfrischend anders (der Grafiker Miko hat mal wieder hervorragende Arbeit gemacht) und – das ist leider sehr selten – sind die Icons, Texte und Zahlen richtig gut zu lesen. Respekt! Nur die Markierung, nur wichtig bei der Spielvorbereitung, bei wieviel Personen eine Karte oder ein Plättchen ins Spiel kommt, ist winzig.

Meiner Meinung nach sollte jede*r Kennerspieler*in eine Partie ausprobieren, erfahrene Gelegenheitsspieler*innen werden sicher nicht überfordert. Ob es im Spielregal landet kommt auch darauf an, wie viele ähnliche Vertreter da schon sitzen, für mich ist es einen Kauf wert (nicht nur, weil ich die Grafik mag). Unbedingt ausprobieren.

 

 

Bewertung/Test

+ tolle Grafik
+ sehr lesbarer Text und Icons
+ jeder Zug knifflige Entscheidungen
+ schnell erklärt trotz guter Spieltiefe
+ die Ritter sind ein echtes Spielhighlight
– eigentlich nur eine Siegstrategie (Monster jagen)
– wenn ein*e Spieler*in Edelsteine hortet, kann das Spiel sehr lange dauern

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kenner-Spiel”

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
4

Markgrafen von Valeria (2020)

Spielidee: Isaias Vallejo
Grafik: Miko
Verlag: Schwerkraft-Verlag
Spieler*innenanzahl: 2-5 Spieler*innen
Altersempfehlung Verlag: Ab 14 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Ab 12 Jahren mit Spielerfahrung
Spieldauer
: 75-120 Minuten

Generationentauglich: Geeignet für Kennerspieler*innen jeden Alters mit gleichen Anforderungen

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