Wenig Thema aber viel Spiel – “Great Voyage” von HUCH! (Rezension, Test)

Humboldts Great Voyage, von Remo Conzadori und Nestore Mangone, Grafiken von Dennis Lohausen und atelier 198, für 2 – 4 Spieler ab 10 Jahre, 30-45 min, erschienen 2019 bei HUCH!, ist ein moderat anspruchsvolles Familienspiel mit einfachen Regeln und angenehmen Tiefgang, das sich schnell ohne lange Wartezeiten spielt

Ein paar Spielmechaniken tauchen immer wieder in abgewandelter Form auf. Auf ein paar könnte man mit der Zeit gern verzichten, dafür sind andere immer wieder gut. So gefällt mir das Mancala-Prinzip in jeder Variante. Auch bei vorliegendem Spiel bedienen sich die Autoren dieses Prinzips. Man nimmt alle Steine von einem Feld und verteilt sie, einen Stein pro Feld, auf die folgenden Felder.

Hier geht es um die Reisen von Humboldt, den “deutschen Marco Polo”. Er war viel unterwegs in der Welt, besonders Südamerika und es ist durchaus interessant, sich mal über ihn zu informieren. Keine Sorge, das Spiel hat damit nicht wirklich etwas zu tun. Die Felder stellen Orte dar, die er auf seinen Reisen besucht hat. Das wars dann aber auch schon. Letztlich ist das Spiel sehr abstrakt und thematisch nicht besonders anlockend. Die Grafik und die Ausstattung dagegen schon.

Also, man zieht einen Farbchip aus dem Sack. Jetzt entscheidet man, ob man in einer farblich dazupassenden Stadt beginnt oder doch lieber die Farbe des zweiten Steins wählt. Die Farbe muss es dann aber sein. Jetzt sucht man sich eine der möglichen Städte aus (sind nur zwei oder drei), nimmt alle darauf befindlichen Steine und bewegt sich nun in Pfeilrichtung zu den anderen Orten und lässt jeweils einen Stein pro Ort liegen.

Und jetzt sind erstmal die anderen Mitspieler dran. So entsteht keine Langweile. Toll gelöst. Jeder darf sich nämlich jetzt einen Stein von einem der Orte nehmen und auf einen seiner Schiffskarten legen. Hat das jeder gemacht, darf ich mir für jede Stadt, auf die ich einen Stein in der Stadtfarbe gelegt habe, eine Kiste nehmen, die ich wiederum auf meine Schiffskarten legen darf.

Habe ich auf den Schiffen alle Kistenplätze abgedeckt, verlässt das Schiff den Hafen und ich erhalte Punkte. Ebenso werden jetzt die Spezialfähigkeiten der Schiffe ausgelöst, wenn ich im Zug eines Mitspielers/einer Mitspielerin hier geschickt die farbigen Steine abgelegt habe. Damit kann ich Farbsets sammeln, die mir am Spielende wichtige Punkte bringen.

Das geht alles sehr schnell, jeder ist ständig dran und die Downtime ist kaum vorhanden. Denn trotz der vielen Orte habe ich nur zwei oder drei Orte, die ich beachten muss und da die Pfeile die Richtung vorgeben, habe ich da auch kaum Möglichkeiten zu überlegen wie und wo ich hinziehe. So sind die Überlegungen sehr eingeschränkt, was dem Spielverlauf sehr gut tut. Letztlich kommt es darauf an, möglichst viele Schiffe voll zu bekommen und möglichst oft die Zusatzaktionen auszulösen.

 

Fazit
Das Spiel ist spannend, ein wenig knifflig und vergeht wie im Flug. Eine gute halbe Stunde für ein kurzweiliges Spiel, das bis zuletzt spannend bleibt. Die Regeln sind einfach und schnell erklärt, das Material sehr stimmig und spieleinladend und das gute alte Mancala-Prinzip offenbart auch in diesem Spiel seinen Reiz.

Zu dritt und viert ist es perfekt, aber auch zu zweit spielt es sich mit angenehmer Spieltiefe. Vielspieler sind schon mal bei ein paar Spielen dabei, dann wird die Varianz zu gering, Gelegenheitsspieler aber haben ein wirklich gutes und solides Spiel vor sich. Meine Empfehlung: Unbedingt anspielen, die Aufmachung lädt zum Spielen ein und das Spiel selbst unterhält sehr gut. Gerade für Familien geeignet, die auch mal ein wenig anspruchsvollere Spiele wollen.

 

BEWERTUNG/TEST
+ spieleinladende Grafik
+ keine Wartezeit
+ gut spielbares Material
+ spannend bis zuletzt
+ einfache Regeln, schnell erklärt
– Thema aufgesetzt
– mit der Zeit geringer Wiederspielreiz

 

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form verwendet wurde.

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel” 

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
3.8

Humboldts Great Voyage

Autor: Remo Conzadori und Nestore Mangone
Grafik: Dennis Lohausen und atelier 198
Verlag: Huch!
Spieleranzahl:2-4 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 10Jahren
Spieldauer: 30-450 Minuten

Generationentauglich: geeignet, Material griffig, Grafik klar erkennbar

 

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