Wahlkampf als taktisches 2er-Spiel | “Revolution of 1828” bekommt meine Stimme (Rezension, Test)

“Revolution of 1828” von Stefan Feld, Grafik von Alexander Jung und atelier 198, Redaktion Matthias Nagy, für 2 Spieler ab 12, 45 min, erschienen bei Frosted Games 2019

Ein Zwei-Personen-Spiel mit direkter Konfrontation mit einfachen Spielzügen aber kniffligen Entscheidungen.

Die älteren unter uns werden sich noch erinnern an jenen ersten Wahlkampf in Amerika, der vor allem in der Presse und damit in der Öffentlichkeit ausgetragen wurde. John Quincy Adams und Andrew Jackson bedienten sich schonungslos der Presse. Es war, wie wir wissen, die erste von seither vielen Schlammschlachten bei der Wahl des amerikanischen Präsidenten. Es war 1828 und es war der Beginn des modernen Wahlkampfes, es war damals DIE politische Revolution.

Dieses Themas bedient sich das Spiel „Revolution of 1828“. Und kein Geringerer als Stefan Feld steht als Autor hinter diesem Spiel. Wenn das nicht einen Blick wert ist?

Auf dem zwischen den zwei Spielern liegenden Spielbrett – und es geht nur zu zweit – sehen wir symbolisch fünf Staatenbereiche und eine „Presse“-Spalte. Auf diese sechs Bereiche werden zufällig jeweils drei Plättchen gelegt. Diese Plättchen zeigen Delegierte, die es für sich zu gewinnen gilt, aber auch Kampagnen- oder Presseaktionen.

Nun beginnt der Startspieler eines der Plättchen zu nehmen. Ist es ein Delegierter, legt er ihn vor sich in die Spalte des jeweiligen Staates. Am Ende der Runde sollte man hier die Mehrheit haben, denn dann gewinnt man den Staat und erhält entsprechend Punkte. Ist es eine Aktion, wird sie entsprechend abgehandelt.

Nun zieht der zweite Spieler. So geht es abwechselnd, bis alle Plättchen genommen wurden. Dann wird gewertet, wer die Mehrheit der Delegierten in den jeweiligen Staaten hat, wer die meisten Ereignisse gesammelt hat und es gibt noch ein paar Boni. So spielt man über vier Runden und am Ende gewinnt, wer die meisten Punkte hat.

Moment, ist das alles? Ja, aber. Richtig knifflig und fies ist folgende Regel. Liegt in einer Spalte nur noch ein Plättchen, kann sich der aktuelle Spieler das Plättchen nehmen und ist dann sofort noch einmal dran. Das ist meistens gut, denn man gewinnt einen Zug, oft genug aber nicht so vorteilhaft, weil man einen weiteren Zug machen muss, und damit dem Mitspieler ein einzelnes Plättchen hinterlässt. Daraus ergibt sich genial und einfach – ein richtig fieses Spiel mit ständig kniffligen Entscheidungen. Welche Plättchen lasse ich dem Mitspieler, welche will ich mir sichern, gönne ich dem Mitspieler ein gutes Plättchen, nur damit ich dann das besserer bekomme?

Da will die Situation sehr genau bedacht werden. Und gern auch ein paar Züge in die Zukunft kalkuliert. Was wird mein Mitspieler wohl machen, was plant er? Wie kann ich mir ein bestimmtes Plättchen sichern? Welches Ereignis brauche ich oder schadet dem Gegner?

Mit Zugoptimieren zu spielen stellt da einen schon vor Geduldsproben. So einfach der jeweilige Spielzug ist, so kniffliger und komplexer ist das Spiel an sich. Da hilft Spielerfahrung, sonst hat man gegen erfahrenere Spieler keine Chance.

Das Material ist griffig und von sehr guter Qualität. Der Beutel ist, wenn alle Plättchen drin sind, so voll, dass nicht mehr gemischt werden kann, aber nach der ersten Runde wird das leichter. Mir persönlich wären etwas kräftigere Farben recht gewesen, so wirkt es doch etwas trist und langweilig am Tisch und lockt nicht unbedingt neugierige Zuschauer. Und die Illustrationen auf den Aktionsplättchen sind nicht wirklich hilfreich, welche Aktion damit durchgeführt werden darf. Dafür sind sie auf der Rückseite des Regelheftes zusammengefasst. Notwendig, aber leider sind sie alle in dem selben tristen braun gehalten, da muss man ständig suchen, wo steht jetzt die Erklärung.

Revolution of 1828 ist natürlich ein extrem abstraktes Spiel mit aufgesetztem Thema. Aber trotzdem sind manche Bezüge zum historischen Geschehen schön eingearbeitet. Und man beachte den dicken historischen Teil im Regelheft, der sehr detailliert den geschichtlichen Hintergrund beleuchtet. Auch wenn es amerikanische Geschichte ist, aber lesenswert auf alle Fälle.

 

FAZIT

Wer ein wirklich heftiges und dabei kleines Zwei-Personen-Spiel sucht, das simpel zu spielen aber komplex zu beherrschen ist, der muss zugreifen. Es wird auch nicht wirklich langweilig, weil das Spiel letztlich durch den Konflikt mit dem Gegner lebt und nicht durch irgendwelche Vorgaben.

Friedliche Wesen sollten die Finger davon lassen, denn hier gilt: Du gewinnst, wenn der andere verliert. Man spielt direkt gegen den anderen und versucht, so gut es geht, ihn zu blockieren, zu behindern und zu schaden. Wie damals ja auch im Wahlkampf. Den übrigens Jackson gewann und auch damit eine politische Revolution und Machtverschiebung auslöste. Aber lest selber nach.

 

BEWERTUNG / TEST

+ direkte Konfrontation
+ gutes Material
+ einfache Spielzüge
+ auch nach vielen Partien nicht langweilig
+ geschichtlicher Hintergrund zum Thema im Anhang
– grübel-intensiv
– Farben etwas trist
– Illustrationen zu verspielt und wenig spielunterstützend

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“2-Personen-Spiel” 

 

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
4.5

Revolution of 1828

Spielidee: Stefan Feld
Grafik: Alexander Jung, Atelier 198
Verlag: Frosted Games
Spieleranzahl: 2 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Spieldauer: 45 min

Generationentauglich: bedingt tauglich, griffiges Material, Farbgebung könnte klarer sein, Aktionsgrafiken wenig selbsterklärend

 

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