Neue Version macht vieles einfacher, aber nicht immer besser – Marco Polo 2 (Rezension)

Marco Polo 2 – Im Auftrag des Khan von Daniele Tascini und Simone Luciani, Grafiken von Dennis Lohausen, für 2-4 Spieler ab 12, 90 min, erschienen im Hans im Glück Verlag, 2019, ist ein moderates bis forderndes Kennerspiel, das verlangt, die Möglichkeiten zu nutzen, die der variable Spielaufbau jedesmal neu anbietet

Ich mag Marco Polo. Auch wenn mich das Spiel nicht so mag, aber das ist eine andere Sache. Marco Polo ist fordernd, intensiv, variabel, strategisch und taktisch zugleich, verzeiht kaum Fehler und ist geprägt vom ständigen Mangel an so ziemlich allem. Daraus muss man das Beste machen und nicht nur das immer neu ausliegende Spielbrett gut lesen, sondern auch die Mitspieler im Auge behalten. Rundum ein Spiel, das immer wieder auf den Tisch kommt und viele treue und begeisterte Anhänger hat.

Und jetzt Teil 2. Nein eigentlich Version 2, denn am Spiel hat sich regeltechnisch wenig geändert, da was weggenommen, da kam was dazu. Eigentlich nur Kleinigkeiten, aber das Spiel hat sich geändert.

Es ist zugänglicher, das auf alle Fälle. Neueinsteiger haben es leichter. Alles ist nicht mehr so knapp, man muss nicht mit dem Mangel umgehen, eher mit dem Reichtum. Die Möglichkeiten sind vielfältiger, das richtige Lesen und Interpretieren der ausliegenden Plättchen auf dem Spielplan ist nicht mehr spielentscheidend. Das Planen der richtigen Reiseroute nicht mehr der Hauptfaktor zum Gewinnen. Die Intensität des Originals ist gewichen einem weichgespülten aber dadurch sehr viel zugänglicherem Spiel.

Tja, was will man? Mir fehlt das Enge, das verzweifelte Handling mit knappen Ressourcen. Es ist ein anderes Spiel. Schade, dass es Marco Polo 2 heißt, hätte es einen anderen Namen, wären die Ansprüche nicht da gewesen. Das Spiel ist ein gut funktionierendes, feingeschliffenes und mit vielen zwar bekannten aber gut abgestimmten Mechaniken ausgestattetes Spiel für Kenner und erfahrene Gelegenheitsspieler.

Wie funktioniert es? Man setzt Würfel auf verschiedene Aktionsfelder, erhält Waren, mit denen man auf der Landkarte zu verschiedenen Orten reist, um weitere Aktionsfelder freizuschalten, oder man erfüllt Aufträge, die Punkte bringen. Man sammelt Gildensiegel für Fortschritt und vieles mehr. Dabei bestimmt die Würfelzahl die Stärke der Aktion, zB erlaubt eine kleine Zahl nur eine kurze Reise, eine höhere eine längere. Das ist aber zweischneidig. Ist das Feld bereits vorher belegt, kann icih die Aktion zwar auch noch belegen, zahle aber Geld entsprechend dem von mir kleinsten benutzten Würfel. Hab ich nur zwei 6er, wird das meist unbezahlbar.

Interessant sind die Charaktere, von denen jeder Spieler einen zu Spielbeginn erhält und der eine Spezialfähigkeit bietet. Die sind sehr stark, aber durchaus ausgewogen. Wenn man denn sein Spiel darauf abstimmt. Denn darauf basiert das Spiel: Nutze die Möglichkeiten, die du hast. Hier kann man nicht eine bestimmte Siegstrategie fahren, man muss sein ganzes Spiel auf die gegebenen Möglichkeiten abstimmen.

Die Ausstattung ist perfekt, wunderbares Material, tolle Grafiken, das Spiel lädt ein und man merkt, mit wieviel Engagement und Erfahrung der Verlag und die Autoren dieses Spiel (weiter-)entwickelt haben. Die Regeln sind wieder einmal gelungen, sie lesen sich leicht und alles wird erklärt.

Natürlich ist das Spiel würfelgesteuert. Aber eigentlich gibt es keinen schlechten Wurf. Nur das schlechte Nutzen der Möglichkeiten. Man muss sich taktisch darauf einlassen, was die Situation erlaubt, dabei aber sein gewähltes Ziel nicht aus den Augen lassen. Das Spiel verzeiht kleine Fehler, das ist gut. Und manchmal sind mehrere gute Aktionen möglich. Auch ein kompletter Strategiewechsel ist denkbar. Ein großer Vorsprung muss noch lange nichts heißen. So bleibt es spannend bis zuletzt und gerade die letzte Runde kann sehr intensiv werden und oft genug scheitern gute Pläne an ein oder zwei Ressourcen. Das motiviert aber zur nächsten Partie, in der man alles „viel viel besser“ machen wird.

 

FAZIT

Marco Polo 2 – im Auftrag des Khan ist ein sehr gutes Kennerspiel mit moderatem Anspruch, das etwas Eingewöhnung bedarf. Aber auch engagierte Gelegenheitsspieler finden hier ein sehr interessantes, würfelgesteuertes Spiel, dass Taktik und Strategie perfekt mischt. Perfekte Ausstattung, eingängige Regeln, fein miteinander verwobene Mechaniken und stets mehrere Möglichkeiten – ein rundum gelungenes Spiel.

Marco Polo 2 ist ein anderes Spiel als Marco Polo, der Vorgänger. Es ist ein sehr ähnlicher Ablauf, vieles ist gleich aber das Spielgefühl ist sehr unterschiedlich. Wer Marco Polo mag, sollte sich dieses hier anschauen, wer Marco Polo nicht mag, findet vielleicht Gefallen hieran. Mein Favorit ist das Original, aber ich kenne viele, die lieber das neue spielen. Meiner Meinung nach ein Spiel unbedingt zum Antesten.

 

BEWERTUNG

+ tolle Ausstattung
+ fein zusammengesetzte Spielmechaniken
+ sehr variabler Aufbau
+ vereinfachte und polierte neue Version des Vorgängers
+- nicht mehr so intensiv wie der Vorgänger
– leichte Balancing-Probleme

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany – Fotos: Gerhard Hany)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kenner-Spiel”

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
4.8

Marco Polo II - Im Auftrag des Khan

Autor: Daniele Tascini und Simone Luciani
Grafik: Dennis Lohausen
Verlag: Hans im Glück
Spieleranzahl: 2-4 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Spieldauer
: 90 Minuten

Generationentauglich: für die angegebene Altersgruppe gut geeignet, für alle Altersstufen gleich anspruchsvoll

 

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