Kleines Spiel, epische Kämpfe – Tiny Epic Defenders von Gamelyn Games (Rezension)

Tiny Epic Defenders – Kennerspiel – ab 14 Jahren – 1 bis 4 SpielerInnen – Gamelyn Games

Sci-Fi, Western, Fantasy, Mechs, Zombies und sogar Dinosaurier. Nahezu jedes Thema ist in der mittlerweile 9 Spiele umfassenden “Tiny Epic” Serie des amerikanischen Verlages Gamelyn Games vertreten. Und es ist tatsächlich immer wieder aufs neue erstaunlich, wie viel Spiel in einer so winzigen Schachtel steckt!

 

Das Spiel:

In Tiny Epic Defenders versuchen bis zu vier SpielerInnen gemeinsam Edenmoore, die Hauptstadt des Fantasiereiches Aughmoore, vor den einfallen Monsterhorden zu verteidigen. Das “Spielbrett” setzt sich aus sieben Karten zusammen, wovon eine die besagte Hauptstadt und die anderen je eines von sechs Gebieten (Wälder, Ruinen, Berge, etc.) repräsentieren und nach einem bestimmen Schema angeordnet werden.

Jede Spielerin/jeder Spieler sucht sich eine/einen von 10 Heldinnen/Helden aus, die sich alle durch eine besondere, einzigartige Fähigkeit auszeichnen und platziert ihre/seine Spielfigur in der Hauptstadt. Dann werden drei  verdeckte Kartenstapel gebildet. Ein Artefakt-, ein Zug- und ein Hordenstapel. Letztere sind das Herzstück des Spiels und bestehen aus normalen Feinden, schrecklichen Gegnern und so genannten Verteidigerkarten, deren Anzahl und Verteilung von der Spielerzahl und dem gewünschten Schwierigkeitsgrad abhängt. Unter dem Hordenstapel wartet dann noch eine von 6 epischen Feindeskarten auf die tapferen Heldinnen und Helden, doch dazu später mehr.

Das komplette Spiel wird nun alleine durch das Aufdecken der Karten vom Zugstapel gesteuert. Deckt man einen Feind auf, erhöht sich die Bedrohungsstufe der auf der Karte abgebildeten Region(en). Ist die maximale Bedrohungsstufe dieser Region(en) erreicht, gilt sie als zerstört und es erhöht sich stattdessen die Bedrohungsstufe der Hauptstadt. Deckt man eine farbige Verteidigerkarte auf, ist die/der jeweilige SpielerIn am Zug und kann mindestens 3 Aktionen in beliebiger Kombination ausführen: Bewegen, die Bedrohungsstufe einer Region senken oder eine Spezialfähigkeit nutzen.

Befindet sich die Spielfigur einer Spielerin/eines Spielers in einer angegriffenen Region, hat sie/er die Wahl diese Region zu verteidigen. Statt die Bedrohungsstufe dieser Region zu erhöhen, muss die Heldin/der Held dann ihre/seine eigene Lebensenergie senken. Doch keine Angst. Sterben kann man in Tiny Epic Defenders zum Glück nicht. Wenn die Lebensenergie auf 0 sinkt, kann man sich immer noch zurück in die Hauptstadt schleppen. Beginn man dort seinen nächsten Zug, ist die Lebensenergie wiederhergestellt.

Verteidigt man ein Gebiet gegen einen der stärkeren, schrecklichen Gegner, wird diese Selbstlosigkeit reich belohnt. Die Spielerin/der Spieler darf eine Karte vom Artefaktstapel ziehen, sich das dazugehörige Artefakt nehmen und es an ihre/seine Spielfigur heften. Das sieht nicht nur unglaublich putzig aus, sondern bringt der Spielerin/dem Spieler einen permanenten Vorteil im epischen Kampf gegen die Feinde.

Ist der Zugstapel aufgebraucht, wird eine Karte vom Hordenstapel in den Zugstapel gemischt und die nächste Runde beginnt. Die Anzahl der Karten im Zugstapel erhöht sich also von Runde zu Runde. Ist auch der Hordenstapel aufgebraucht, wird schlußendlich die epische Feindeskarte aufgedeckt und in der angegebenen Region platziert.

Das Spiel endet, wenn der epische Feind besiegt oder die eigene Hauptstadt zerstört wurde. Wobei aus Sicht der Heldinnen und Helden natürlich ersteres zu bevorzugen ist.

 

Fazit:

Lasst euch vom bonbonbunten Äußeren und den putzigen Komponenten nicht täuschen: Tiny Epic Defenders hat es ganz schön in sich! Ständig ist man panisch damit beschäftigt, die Bedrohungsstufen der einzelnen Gebiete möglichst niedrig zu halten, um Schaden von der Hauptstadt abzuwenden. Das erfordert viel taktisches Geschick und vor allem gut koordinierte Zusammenarbeit. Man sollte nicht davon ausgehen, das Spiel in den ersten paar Partien für sich entscheiden zu können. Letztendlich gehört auch eine kleine Portion Glück dazu, denn wenn die Karten vom Zugstapel in einer ungünstigen Reihenfolge aufgedeckt werden, hilft die beste Taktik nichts.

Trotzdem oder gerade deswegen sorgt Tiny Epic Defenders für jede Menge Emotionen und Diskussionen am Tisch. Hat man den Ablauf erst einmal verinnerlicht, gehen die Züge ohne großes Grübeln zackig von der Hand. Die angegebene Spielzeit von ca. 30 Minuten erreichen allerdings erst erfahrenere Heldinnen und Helden, unsere ersten Partien dauerten deutlich länger.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass das Wort “tiny” im Titel wirklich Programm ist! Mit Ausnahme der Karten sind sämtlich Komponenten sehr, sehr winzig, was gerade grobmotorisch veranlagte oder aber auch ältere Menschen vor eine Herausforderung stellen dürfte. Ungeachtet der Schachtel- und Komponentengröße nimmt der fertige Spielaufbau trotzdem beachtlich viel Platz in Anspruch, was man ebenfalls bedenken sollte, wenn man ein passendes Spiel für die nächste Zugreise sucht.

Wem all das nicht stört, findet mit den winzigen, epischen Verteidigern ein schönes, schnelles, kooperatives Spiel im Handtaschenformat, das viel mehr bietet, als seine Größe vermuten lässt.

 

Bewertung/Test
+ Tolle Illustrationen
+ Putzige Komponenten
+ Herausfordernd
+ Skaliert sehr gut von 1 bis 4 SpielerInnen

– leider nicht auf Deutsch erhältlich
– fummelige Komponenten

 

(Eine Rezension von Marco Dirscherl)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kennerspiele”

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
3.5

Tiny Epic Defenders - 2nd Edition (2018)

Autor: Scott Almes
Grafik: Ian Rosenthaler
Verlag: Gamelyn Games
Spielerzahl: 1 bis 4
Altersempfehlung Verlag: ab 14 Jahre
Spieldauer: ca. 30 Minuten

Über Marco

Film-, TV- und Brettspiel-Junkie. Podcaster aus Leidenschaft.

Kommentare sind geschlossen.