Feuer und Flamme – Drachensachen von Wyrmgold (Rezension)

Drachensachen – Familienspiel – ab 10 Jahren – 2 bis 6 SpielerInnen – Rocky Bogdanski & Carsten Lauber – Wyrmgold

Wer mich kennt, der weiß, dass ich ein großes Faible für Kartenspiele habe. Sie sind oft schnell zu erlernen, manchmal herausfordernder als man zunächst denkt und häufig für größere Gruppen geeignet. Wenn ein Kartenspiel auch noch so zuckersüß illustriert ist wie Drachensachen von Wyrmgold, kann ich natürlich nicht widerstehen. Ob es hält, was das quietschbunte Äußere verspricht, lest ihr in der nachfolgenden Rezension.

 

Das Spiel:

“Eine Partie endet, sobald eine Spielerin/ein Spieler keine Karten mehr hat”. Diesen oder einen ähnlichen Satz wird man als Spielziel im Regelwerk unzähliger Kartenspiele wiederfinden. Viel interessanter ist jedoch immer, wie man seine Karten am schnellsten verliert.

Eine Partie Drachensachen geht über mehrere Runden. Am Anfang jeder Runde erhält jede Spielerin/jeder Spieler fünf Handkarten. Zusätzlich werden drei verdeckte und darauf drei offene Karten vor jede Spielerin/jeden Spieler gelegt. Diese stellen das sogenannte letzte Aufgebot dar. 18 weitere Karten bilden den Nachziehstapel. Der Rest wird in die Spieleschachtel zurückgelegt.

Wer an der Reihe ist, spielt eine seiner Handkarten auf den Ablagestapel. Dabei muss mindestens der gleiche oder ein beliebig höherer Kartenwert ausgespielt werden. Wer das nicht kann (oder will), muss den kompletten Ablagestapel auf seine Hand nehmen und sein Zug ist beendet. Bis zu vier gleiche Zahlenwerte dürfen gemeinsam ausgespielt werden. Zuerst muss man seine Kartenhand komplett leeren, bevor man sich an seinem letzten Aufgebot bedienen darf. Erst wenn die offen ausliegenden Karten weg sind, darf man die verdeckten spielen. Das Gemeine: die letzten drei Karten muss man blind spielen. Passt die Karte, ist die Freude groß. Falls nicht, hat man unter Umständen plötzlich wieder mehr Handkarten, als einem lieb ist.

Natürlich dürfen auch ein paar Sonderkarten nicht fehlen. Bei einer 3 muss die nachfolgende Spielerin/der nachfolgende Spieler eine kleinere Karte als eine 3 ausspielen. Bei einer 4 muss sie/er zwei Karten vom Nachziehstapel ziehen. Die 5 sorgt für Aussetzen. So weit, so bekannt. Die 6 verbietet der nachfolgenden Mitspielerin/dem nachfolgenden Mitspieler, eine Drachenkarte auszuspielen.

Drachenkarte? Ja! Drei verschiede Drachenkarten ohne Zahlenwert sind besonders mächtig und können grundsätzlich immer gespielt werden. Der unschuldige Nullo setzt den Kartenstapel auf Null zurück. Der feuerspeiende Extermino vernichtet den aktuellen Kartenstapel und nimmt ihn komplett aus dem Spiel. Mehr noch: Danach darf die/der ausspielende Spielerin/Spieler gleich noch eine Karte spielen. Und der gepanzerte Protecto reicht die aktuelle Karte an die nachfolgende Spielerin/den nachfolgenden Spieler weiter.

Sobald die erste Spielerin/der erste Spieler alle Handkarten und alle Karten ihres/seines letzten Aufgebotes ausgespielt hat, ist die Runde zu Ende. Alle übrigen SpielerInnen zählen die sichtbaren Goldstücke am unteren Ende ihrer verbliebenen Karten. Das sind die Münzen, die den SpielerInnen aus ihrem Drachenhort geraubt wurden. Pro Runde kann jede Spielerin/jeder Spieler maximal 10 Goldstücke verlieren. Das Spiel ist zu Ende, sobald einer Spielerin/einem Spieler 21 Goldstücke oder mehr entwendet wurden.

Wer etwas mehr Herausforderung sucht, kann noch die sogenannten Flüche und Fertigkeiten mit ins Spiel bringen. Eine Fluchkarte bekommt stets die Gewinnerin/der Gewinner einer Runde. Sie/Er erhält somit für die nächste Runde eine veränderte, für sie/ihn eher nachteilige Startbedingung. Von den Fertigkeitskarten kann vor jeder Runde eine neue aufgedeckt werden. Sie gilt für alle SpielerInnen und verändert die Regel für einzelne Kartenwerte im Spiel.

 

Fazit:

Drachensachen macht es einem wirklich schwer, es nicht zu mögen. Die niedlichen Illustrationen fallen sofort ins Auge. Aber auch ein paar originelle Spielmechaniken heben dieses Kartenspiel über den Einheitsbreit gängiger Mau-Mau Varianten. Dabei spreche ich gar nicht von den Spezialfertigkeiten der namensgebenden Drachenkarten, sondern vielmehr von dem letzten Aufgebot, also eben jenen 6 Karten, die jede Spielerin/jeder Spieler vor sich liegen hat. Die offen ausliegenden Karten erlauben eine gewisse taktische Planung, möchte man doch tunlichst vermeiden seinen Mitspielerinnen/seinen Mitspielern einen Gefallen zu tun. Die verdeckten Karten hingegen sorgen für Emotionen. Wenn man mit Spannung die allerletzte Karte aufdeckt und man – weil sie nicht passt – plötzlich den stattlichen Ablagestapel auf die Hand nehmen muss, ist das Gelächter und die (Schaden-) Freude groß!

Eines ist Drachensachen aber ganz sicher nicht: ein Spiel für Mathematiker und Kartenzähler. Da der Nachziehstapel immer nur aus 18 Karten besteht, verbleiben je nach Spielerzahl immer einige Karten in der Spieleschachtel. Damit wird das Spielgeschehen weitestgehend unberechenbar. Auf der anderen Seite sorgt die Limitierung des Nachziehstapels ganz natürlich dafür, dass die Spieldauer nicht ausufert.

Wirklicher Spielspaß stellt sich außerdem erst ab drei MitspielerInnen ein. Das hat wohl auch der Verlag erkannt, der – zumindest im Regelwerk – eine Spielerzahl von 3 bis 5 empfiehlt. Zu zweit greifen einige der Kartenbesonderheiten nicht. Mit fünf oder sechs kann es sich spürbar in die Länge ziehen und so hat sich die Zahl 4 – zumindest in meinen Spielerunden – als optimale Spielerzahl erwiesen.

Wer mit etwas geordnetem Chaos leben kann, wird mit diesem Spiel seine helle Freude haben. Ich habe immer wieder Spaß bei einer Partie Drachensachen und es hat sich einen Platz in meiner Spielesammlung und meinem Herzen ergattert.

Bewertung:
+ goldige Illustrationen
+ originelle Spielmechaniken
+ chaotisch
– chaotisch
– zu zweit nicht empfehlenswert

(Eine Rezension von Marco Dirscherl)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
3.8

Drachensachen (2019)

Autoren: Rocky Bogdanski & Carsten Lauber
Grafik: Maren Gutt
Verlag: Wyrmgold
Spielerzahl: 2-6
Empfohlene Spielerzahl: 3-5
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahre
Spieldauer: 30-60 Minuten

Über Marco

Film-, TV- und Brettspiel-Junkie. Podcaster aus Leidenschaft.

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