Bronze heißt es, ist aber eher Gold – Bronze aus dem Kobold Verlag (Rezension, Test)

Bronze | 2-4 Spieler*innen | ab 12 Jahren | Konstantin Domashev | Kobold Spieleverlag (ursprünglich bei Hobby World)
Für erfahrene Gelegenheitsspieler:innen ein schön gestaltetes Einsetz-Mehrheiten-Spiel mit interessantem Kartenmechanismus und vielen kleinen feinen Entscheidungen – auch für Kennerspieler:innen interessant.

Wir sind in der Bronzezeit. Die Älteren unter uns werden sich erinnern, wie schwer das Leben damals war, aber gleichzeitig, welche Möglichkeiten es geboten hat. So gab es so viele Dinge zu erfinden, wie das Rad, die Töpferei, Bewässerung und vieles mehr, was uns allen das Leben leichter macht. Im Spiel müssen wir sorgfältig planen, welche Erfindungen wir machen, denn durch sie können wir uns auf der Landkarte ausbreiten, wichtige Allianzen mit den antiken Städten schmieden und lukrative Handelsrouten eröffnen.

Dass irgendwie alles zu knapp ist und nur die wirklich schnellen und taktisch klug agierenden Stämme vorne liegen bedeutet aber auch, dass wir in ständigem Konflikt mit unseren MitspielerInnen sind. Dabei führen wir keine Kriege oder zerstören Dinge, nein. Wir nehmen den anderen nur wichtige Plätze weg.

Das Spielbrett wird Schritt für Schritt aufgebaut. Dabei entstehen sieben Landschaftsstreifen, auf denen wir unsere Hütten aufstellen können. Die Bauplätze sind aber sehr begrenzt. Schafft man nun in einem Streifen drei Behausungen ohne Unterbrechung hintereinander zu bauen, erhält man punkteträchtige Handelsroutenmarker. Aber nur der jeweils erste. Noch lukrativer werden sie, wenn man gar fünf oder sieben Behausungen ohne Unterbrechung bauen kann. Aber das werden die Mitspieler:innen verhindern wollen.

Außerdem gibt es eine Mehrheitenwertung pro gelegtem Landplättchen. Auch hier gibt es stets ein Gegeneinander, wer denn die meisten Behausungen bauen kann.

Das Ganze wird gesteuert über Technologiekarten. Diese erlauben mir, Behausungen auf bestimmten Landschaften und bestimmten Bauplätzen zu errichten. Raffiniert gemacht ist, dass ich diese Karten vor mir in maximal vier Spalten ablegen muss. Immer wenn ich eine Karte dazulege, aktiviere ich die Karte, die beiden waagrecht daneben liegenden und alle Karten in der Spalte, die die gleiche Technologie zeigen. Knifflig. Und genial. Strategisches Geschick ist wichtig bei der Kartenablage, Taktik bestimmt, wie ich Behausungen setze. Und dann kommen auch noch die Städte. Immer wenn man auf einem neuen Landplättchen baut, kann man sich eine der Stadtkarten nehmen. Diese bringen am Spielende für bestimmte erreichte Ziele wichtige Punkte. Wer zuerst baut, hat die Auswahl aus Spieleranzahl plus 1 Karte, der zweite eben nur noch aus weniger Karten usw.

Warum baut man dann nicht einfach schnell nach vorne? Weil man nicht mehr auf den Landplättchen bauen darf, die hinter dem Plättchen liegen. Das ist so tricky! Denn will man um Mehrheiten kämpfen, sollte man möglichst langsam vorwärts ziehen. Will man die guten Städtekarten, muss man schnell machen. Will man ungestört seine Handelsrouten bauen, sollte man schnell machen. Aber ist man erst mal am Ende angelangt, muss man den Rest des Spiels passen.

Die Verknüpfung aus langsam und schnell vorwärts ziehen ist so einfach wie genial. Ständig muss man abwägen, was man macht, ständig muss man seine MitspielerInnen beobachten und reagieren.

Und wie in keinem anderen Spiel gilt hier: Man gewinnt, wenn alle anderen verlieren. Also spielt man besser gegen die anderen und verbaut ihnen so wichtige Möglichkeiten. Ein Spiel mit toller Interaktion, mit viel kniffligen Entscheidungen und dabei doch sehr eingängiger und klarer Spielführung.

Einzig störend kann die Wartezeit zwischen den Zügen werden, wenn man Spieloptimierer am Tisch hat. Denn mit der Spieldauer werden die Möglichkeiten größer, wo ich welche Karte anlege und damit welche Baumöglichkeiten ich habe. Denn bedacht werden müssen nicht nur die eigenen Vorteile und Stadtkartenbedingungen, sondern auch, wie ich verhindere, dass meine MitspielerInnen zu viele Punkte machen.

 

 

Fazit
Bronze ist ein wunderbares Spiel für spielerfahrene Familien und Gelegenheitsspieler:innen und bietet Kennern genügend Substanz. Wunderschönes Material und viel Abwechslung locken für mehrere Partien. Rundum gelungen für gute Spielunterhaltung, wenn man es mal etwas interaktiver und fordernder will. Auch schadet es nicht, ein paar Partien zum Lernen einzuplanen, denn erst mit der Erfahrung entdeckt man die Möglichkeiten, die in der Kartenauslage stecken.

Meiner Meinung nach ein ganz ausgezeichnetes Spiel im moderaten Kennerspielbereich, aber genauso gut wunderbar geeignet für spielerfahrene Leute und Familien. Das gehört in jedes Spielregal. Und nicht täuschen lassen, es kommt so unscheinbar leicht daher, die Regeln sind schnell verinnerlicht und die Grafiken spielfördernd, aber dahinter steckt ein tolles Spiel mit angenehmer Spieltiefe. Wunderbar, dass der Kobold Spieleverlag dieses großartige Spiel auf deutsch herausgebracht hat.

 

Bewertung

+ Einfache Regeln, viel Spieltiefe
+ viel indirekte Interaktion ohne zu zerstören
+ ständig knifflige Entscheidungen
+ tolle Grafik
+ stets neuer Spielaufbau
– Wartezeit zwischen den Zügen
– Symbole auf den Landplättchen etwas klein

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele“ und „Kennerspiele“

  • ... Altersgruppe 12 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
4.3

Bronze (2019)

Spielidee: Konstantin Domashev
Grafik: Sergey Dulin und Anton Kvarovarov
Verlag: Kobold Spieleverlag
Spieler:innenanzahl: 2-4 Spieler:innen
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Spieldauer
: 60-90 Minuten

Generationentauglich: Geeignet für alle angegebenen Altersgruppen mit Spielerfahrung. Nur die Symbole auf den Landschaftsplättchen sind etwas klein geraten.

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