Zwei Karten pro Spieler –” Black Skull Island” geizt mit Karten, aber nicht mit Spielspaß (Rezension)

Du bist der gefürchtete Pirat. Dein Schiff ist vollbeladen mit den gestohlenen und geraubten Schätzen. Du kehrst heim nach Black Skull Island. Zeit für Heimaturlaub. Zeit deine Crew auszuzahlen. Jetzt beginnt das Geschacher um die Schätze. Und nur mit List, Heimtücke und etwas Glück wirst du mit den meisten Schätzen die Insel wieder verlassen.

Black Skull Island ist eines jeder Spiele, die mit minimalem Materialaufwand ein unterhaltsames und durchauf „großes“ Spiel auf den Tisch bringen. Gerade mal 19 Charakterkarten für 9 Spieler stellen das eigentliche Material dar. Ja, es gibt noch 72 Schatzkarten, die es zu erbeuten gibt und 18 Spielerhilfe-Karten für alle Spieler – vorbildlich.

Und was kann man mit diesen 19 Karten machen? Zuerst einmal erhält jeder Spieler zwei Karten, eine kommt auf den Tisch. Dabei werden vor dem Spiel entsprechend viele Karten aus dem Spiel genommen, je nach Spieleranzahl.

Dann beginnt eine Runde. Und das bedeutet, jeder Spieler wählt eine seiner Handkarten und legt sie verdeckt auf den Tisch. Haben das alle, werden die Karten umgedreht und in aufsteigender Folge abgearbeitet. Jede Karte stellt einen Charakter der Schiffscrew dar und hat eine Anweisung auf der Karte. Diese wird befolgt. Wenn alle Karten abgearbeitet sind, nehmen die Spieler die Karte vor sich wieder zurück, das muss nicht die gleiche sein, die ausgespielt wurde. Und schon beginnt die zweite Runde. Das geht solange, bis einer der Spieler sieben Schatzkarten angesammelt hat. Gewinner ist schießlich der Spieler, der auf seinen Schatzkarten die meisten Münzen hat.

Hört sich zunächst einfach an. Kann denn darin soviel Spiel stecken? Ja, tut es. Natürlich kein aufwändiges strategisches Brettspiel. Aber wer Love Letter kennt, weiß, was ihn erwartet. Da gilt es zu taktieren, den Mitspieler abzuschätzen, Pokerface aufsetzen, zocken. Die Karten mit ihren unterschiedlichen Aktionen wollen zunächst einmal kennengelernt werden. Welche Kombinationen ergeben sich, welche Karten sollten nicht aufeinander treffen, wie kann ich meine Karten gegen andere tauschen, wie erbeute ich viele Schatzkarten, wie mache ich den anderen das Leben schwer.

Das ist einfach und doch richtig aufregend. Wie eine Pokerpartie, nur viel schneller. Viel Denken kann man zwar, aber gerade bei mehr als fünf Spieler ist ein Abschätzen aller Möglichkeiten sowieso nicht möglich. Oft gelingt einem ein Coup, dann geht man gnadenlos unter.

Denn es werden Karten getauscht, umgedreht, sodass sie nicht ausgeführt werden, vom Mitspieler gestohlen und viele andere Gemeinheiten, dasss es eine wahre (Schadens-)freude ist.

Wer das Spiel nicht zu ernst nimmt, hat hier ein richtiges lustiges, unterhaltsames und schon mal kniffliges Poker-Abschätz-Spiel vor sich. Es spielt sich trotz bis zu neun Spielern flott und sorgt für viel Spaß am Tisch. Dafür sorgt auch die tolle Spielgrafik auf den Karten. Das Material ist rundum gelungen, die Spielerhilfe-Karten sind vorbildlich (jeder der neun Spieler hat einen Satz davon), die Anleitung fehlerfrei. Die Texte auf den Karten sind in der Regel nicht falsch zu interpretieren. Nur ein paar bedürfen der vorherigen Erklärung, dass nicht spitzfindige Leute die Karte anders auslegen als die Mitspieler. Zur Not hilft das Internet, aber sollte nicht notwendig sein.

Spannend bleibt das Spiel, denn wie immer bei solchen Spielen stürzt sich die Meute gemeinsam auf den führenden Spieler. So kann keiner so einfach davonziehen. Und letztlich zählt nicht die Anzahl der Schatzkarten, sondern die Anzahl der darauf abgebildeten Münzen. Das kann schon mal überraschend enden. Gut für dieses Spiel – aber noch mal die Warnung: Nicht ernst nehmen. Aber das sollte man ja eigentlich gar kein Spiel.

Es ist für alle Spielertypen geeignet, die Altersempfehlung vom Verlag (ab 8 Jahren) würde ich eher anheben. Das Spielprinzip ist einfach, aber das Fingerspitzengefühl beim Zocken macht den Reiz erst aus. Die Schrift ist gut lesbar, trotzdem etwas zu klein geraten, da tut man sich – gerade bei schwächerem Licht – teilweise schwer.

 

FAZIT

Black Skull Island von Luigi Ferrini, Grafiken von Magdalena Markowska, für 2 bis 9 Spieler ab 8, erschienen 2018 im Verlag Strawberry Studio ist ein witziges, kurzweiliges Poker- und Zockerspiel und dauert keine 20 Minuten. Seine Mitspieler abschätzen, die eigenen Möglichkeiten abwägen (bei zwei Karten auf der Hand schnell gemacht) und sich dann über geglückte Kombinationen freuen oder an der Heimtücke der Mitspieler verzweifeln: perfekte Unterhaltung für bis zu neun Spieler. Bei weniger als fünf ist das Spiel weniger unterhaltsam, da wird es mehr taktisch und der Spielspaß leidet darunter. Die Variante für zwei Spieler bietet mehr Spielspaß, kommt aber an den Gruppenspaß nicht heran.

Meiner Meinung nach für alle Zocker empfohlen, gerade wenn sich mal größere Gruppen zusammenfinden. Dabei ist das Spiel minimal (nur zwei Karten pro Spieler) und bietet dabei sehr hohen Spielspaß – für Freunde von Poker-/Zockerspielen ein Muss.

 

BEWERTUNG

+ schnell gelernt
+ tolle Grafik, vorbildliches Material
+ auch bei vielen Spielern (bis 9) kurzweilig und flott
+ wird auch bei mehrmaligen Spielen nicht langweilig
– zur Zeit nur auf englisch
– Schrift etwas zu klein

 

 

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form verwendet wurde.

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Gruppenspiel und Familienspiel” 

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altergruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
4.2

Black Skull Island

Autor: Luigi Ferinni
Grafik: Magdalena Markowska
Verlag: Strawberry Studio
Spieleranzahl: 2-9 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 8 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Ab 12 Jahren
Spieldauer
: 20 Minuten

Generationentauglich: Geeignet, Schrift etwas klein. Das richtige Zockergefühl kommt erst mit etwas Spielerfahrung – meiner Meinung nach erst ab 12 Jahre. Gut geeignet für Familienspielabende über mehrere Generationen hinweg.

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