Züge, Aktien, 45 Minuten – kann das in “Railroad Rivals” gut gehen? (Rezension)

Wer sich etwas in der Spieleszene auskennt, kennt die gigantischen Zeitverschlinger, die unter dem Namen 18xx zusammengefasst werden. Man baut Eisenbahnen und handelt mit den Aktionen der Zuggesellschaften. Und das manchmal nächtelang. Ein Kennerspielerherz schlägt dabei höher.

Jetzt kommt da so ein Spielchen daher, das ebenso Eisenbahngesellschaften, Gleisbau und Aktien zum Thema hat. Und … Überraschung! Es funktioniert richtig gut. Nur ohne Zeitaufwand, ohne trockene Rechnerei und das auch zu zweit richtig gut spielbar ist.

Klar ist es massiv abgespeckt und bedient sich ganz anderer Mechanismen. Aktienhandel ist gar nicht vorhanden, ein komplexer Gleisbau auch nicht. Aber reduziert man so ein 18xx-Spiel man auf ein paar Spiel-Atome, kommt man diesem Spiel sehr nahe.

Zuerst wird in jeder Runde versteigert. Dabei liegen Anteile an Bahngesellschaften sowie Orte aus. Ersteigert wird das Recht, Startspieler zu sein und die erste Wahl zu haben. Da sich die Reihenfolge der anderen Spieler nicht ändert, muss man nicht immer vorn dabei sein. Einmal erster, ist man in der darauffolgenden Runde sicher zweiter, dann dritter, dann vierter und jetzt steigert man eben wieder mit.

Genial gelöst ist, dass man mit seinen Siegpunkten steigert. Es gilt also abzuwägen, wieviele Punkte man machen kann, übersteigern sollte man nicht. Aber erster zu sein hat nicht nur Vorteil in der aktuellen Runde, siehe oben.

Jetzt wählt man abwechselnd eines der ausliegenden Plättchen, wobei man eine Stadt und einen Anteil nehmen muss. Welches zuerst ist dem Spieler überlassen. Die Anteile sind am Ende des Spiels Multiplikatoren für die Punkte, die die jeweilige Bahngesellschaft während des Spiels gemacht hat. Hier gilt es die Mitspieler zu beobachten, das ausliegende „Gleissystem“ zu analysieren und seine eigenen Möglichkeiten richtig vorzuplanen.

Die Städte legt man nun an das bereits bestehende Gleissystem an. Dabei entstehen Verbindungen, die der Spieler mit seiner Farbe markiert. Werden irgendwann Waren über diese Verbindung von einer Stadt in die andere geliefert, erhält die zugehörige Bahngesellschaft einen Punkt und wird damit aktientechnisch gesehen wertvoller, Punkte erhält ein Spieler durch die Lieferung von Waren, die auf den Städten liegen.

Das ist eigentlich einfach, und doch geschickt miteinander verzahnt. Da gibt es schon zu Grübeln und doch überfordert es nicht. Mit der Größe des Schienennetzes wird der Spielplan unübersichtlicher und man verliert schon mal die Möglichkeiten aus den Augen, aber bevors richtig chaotisch wird, ist das Spiel schon aus. Erfahrene Spieler schaffen das schon mal unter 30 Minuten. Und das sind spannende und unterhaltsame Spielminuten.

Erfahrene Spieler haben ihre wahre Freude an diesem kurzen und kurzweiligen Spiel, Gelegenheitsspieler haben kein Problem mit den Regeln, sind aber schon etwas gefordert, eine mögliche Siegstrategie zu entwickeln. Trotzdem kann es problemlos gespielt werden und immer wieder kommen die „Juchhu“-Momente, wenn eine kleine geplante Aktion wieder mal gelingt.

Wirklich vorbildlich ist das Material. Da haben wir richtig dicke unverwüstliche Marker, eine schlichte aber spielfördernde grafische Gestaltung. Einzig das Punktetableau könnte etwas größer sein. Da die elf Bahngesellschaften jeweils mit Buchstaben abgekürzt sind, kommt es schonmal zu Leseproblemen, da die Buchstaben zumeist gedreht oder auf dem Kopf stehen. Da kann man schon mal was verwechseln.

 

FAZIT

Railroad Rivals von Glenn Drover, Grafiken von Jacoby O´Connor und Mark Page, für 1 bis 5 Spieler ab 8, erschienen bei Forbidden Games 2018, ist ein Auktions- und Legespiel, das in jeder Besetzung Spaß macht und zugleich fordert. Grübeln muss man, aber überfordert wird man im Spiel nicht. Die Auktionen sind spannend, der Aufbau des Gleissystems und der damit verbundenen Lieferwege hat seine Kniffe.Das Spiel bleibt spannend bis zuletzt und überzeugt nicht nur durch das hervorragende Material und die schlichte aber spielfördernde Grafik.

Meiner Meinung nach ein Spiel, das man ausprobieren sollte. Wer Lege- Auktions- und Sammelspiele mag, findet hier eine genial gelungene Mixtur aus alles drei Spielarten. Unbedingt antesten.

Das Spiel ist derzeit nur in englischer Sprache erhältlich. Aber das Material ist sprachneutral. Und die Regeln nicht kompliziert.

 

BEWERTUNG

+ stabiles Material
+ einfache Regeln mit moderatem Tiefgang
+ flotter Spielfluss auch mit Grüblern am Tisch
+ in jeder Besetzung gut spielbar
+ gute Solo-Spiel-Variante
+ spannend bis zuletzt
+/- zur Zeit nur in englischer Sprache erhältlich

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kennerspiel” 

 

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form verwendet wurde.

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altergruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
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Railroad Rivals

Autor: Glenn Drover
Grafik: Jacoby O´Connor und Mark Page
Verlag: Forbidden Games
Spieleranzahl: 1-5 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 8 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Ab 10 Jahren
Spieldauer
:45 Minuten

Generationentauglich
: gut geeignet, gleicher Anspruch an alle Altersgruppen

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