Zoar bietet spannendes Rennen durch die Wüste, wären nur die Götter nicht (Rezension)

Was ist ein Volk ohne sein Relikt, sein Heiligtum. Und jetzt haben wir es irgendwo in der Wüste verloren. Also lasst uns die Wüste durchqueren, es finden und schnell nach Hause bringen. Irgendwie lustig, denn zur gleichen Zeit haben auch die anderen Stämme ihr Relikt in der Wüste verloren. Also machen sich alle Stämme gleichzeitig auf den Weg. Dass man sich dabei schon mal auf die Füße tritt und es dabei zu Streit und Fight kommt, ist ja klar. “Fight”? Sorry, reimt sich auf “Streit” und zeigt zudem, dass das Spiel zur Zeit nur auf englisch zu haben ist.

Auf dem Tisch liegen 4 x 4 Karten mit jeweils 2 x 2 Geländefeldern. Die Aufgabe eines jeden Stammesführer ist es, von seinem Lager in einem Eck der Landschaft in das andere Eck zu ziehen, dort sein Stammesartefakt aufzunehmen und in sein Lager zu bringen. Wer das zuerst schafft, gewinnt. Eine andere Möglichkeit besteht darin, eine spielerabhängige Zahl an Städten zu zerstören.

Ist man am Zug, zieht man zuerst seinen Stammesführer und seine Armeen und sammelt dabei Ressourcen ein. Anschließend werden Kämpfe zwischen benachbarten Armeen/Städten ausgetragen. Hier wird heimlich eine Anzahl an Metall-Ressourcen gesetzt. Die werden zu der Anzahl an Armeen dazugezählt und anschließend wird 1:1 aus dem Spiel genommen. Bei drei Armeen/Ressourcen gegen zwei verbleiben dem Angreifer eine Armee, der Rest geht zurück auf das Spielertableau. Schnell und einfach, und doch tricky, denn die Ressourcen sind knapp, sehr knapp und da man nie mehr als maximal drei lagern darf, ist ein hoher Einsatz sehr gewagt für den weiteren Spielablauf.

Dann folgt die Bauphase. Hier kann man Städte bauen, die sofort mit einer Armee ausgestattet werden. Vorteil von Städten, man kann in Städten im weiteren Spiel Armeen einsetzen. Also sollte man Städte strategisch platzieren. Aber auch sichern, denn eroberte und damit zerstörte Städte bringen den Mitspieler einen großen Schritt Richtung Sieg. Bei vier Spielern braucht man nur vier Städte zerstören und man hat gewonnen.

Dann folgt noch die göttliche Intervention. Naja, nennen wir es besser Zufall. Denn jetzt wird ein 12-seitiger Würfel geworfen und das Plättchen mit dieser Zahl (die Eckplättchen haben keine Zahlen) erhält entsprechend ihrer Landschaftsfelder Ressourcen. Befinden sich auf dem Plättchen gegnerische Städte, werden diese zerstört und man erhält einen entsprechenden Marker. Das kann schon mal der Sieg sein.

Das Spiel spielt sich flott und ist ein Leichtgewicht. Zwar gilt es immer wieder abzuwägen, wie ich meinen Weg zum Relikt plane, ohne den gegnerischen Armeen eine zu leichte Beute zu bieten, aber im Großen und Ganzen ein nur wenig anspruchsvolles Spiel. Ideal für Familien und Gelegenheitsspieler, die ein bisschen mehr wollen. Spannend sind die Kämpfe, denn der Einsatz der sehr knappen Ressourcen will gut überlegt sein. Wieviel kann ich einsetzen, ohne mir für die kommenden Züge alle Möglichkeiten zu nehmen. Und wenn man den Göttern nicht wirklich gewogen ist, sprich: wenn der Zufall es will, kommen keine Ressourcen nach. Das kann vorkommen und dann wird es ziemlich öde. Ich hatte Spiele, da wurden im gesamten Spiel nur noch drei Metallressourcen nachgewürfelt. Da hilft die beste Planung nichts mehr.

So kurzweilig das Spiel ist, so einfach die Regeln und so flott der Spielablauf. Das Zufallselement ist zu heftig und stört das ansonsten strategische Spiel erheblich. Man kann die Kämpfe geschickt planen, mit etwas Pokerface den Mitspieler reinreiten, seinen Weg so planen, dass man ohne Probleme und schnell sein Artefakt anch Hause holen kann – und dann trifft einen der Zufall ein paarmal hintereinander und alles Planen ist völlig umsonst. Oder umgekehrt, weit abgeschlagen würfelt man in zwei Runden perfekt und steht als Sieger da. Passt irgendwie nicht zu dem Spiel. Hätte man anders lösen sollen, ja müssen.

Das Material, die Grafik und die Anleitung sind perfekt. Das Material lädt zum Spielen ein, die Regeln sind schnell erklärt. Nur die Hauptfigur im Spiel, der Anführer des Volkes, steht auf sehr wackeligen Füßen. Da man aber eh meist mit hingelegten Figuren spiel, stört das nicht weiter. Wäre der Zufall nicht im Spiel, wäre es ein spannendes kurzweiliges Spiel für alle Spielertypen, auch als Kennerspieler könnte man sich ein paar Partien gönnen, mit ca. 45 Minuten dauert das Spiel nicht lange und unterhält. Und die kurze Zeit verzeiht dann auch den hohen Zufallsfaktor. Einfach eine weitere Partie und alles wird anders.

Da sich die Landschaft jedes Mal neu aufbaut, ist für viel Varianz gesorgt. Ebenfalls gut gemacht sind die vier Stämme, die nämlich unterschiedliche Fähigkeiten haben, dabei aber sehr ausbalanciert erscheinen.

 

FAZIT

Zoar von Andreas Katelanos, Grafiken von Luis Brüeh und Shaun Ellis, ist ein Wettlauf-Spiel für 2 bis 4 Spieler ab 13, erschienen 2018 in englischer Sprache bei Vesuvius Media. Es ist ein einfaches strategisches Arbeiter-Bewegungsspiel mit spannendem Pokermechanismus. Für Gelegenheitsspieler und Familien ein moderat anspruchsvolles Spiel, das kurzweilig und schnell gespielt ist, Fehler verzeiht und nur selten zum Grübeln Anlass gibt. Sehr gut und spannend ist der Kampf gelöst. Ein sehr hoher Zufallsfaktor kann aber den Spielverlauf schon einmal auf den Kopf stellen. Schade, denn ein ansonsten strategisches Spiel mit offener Information (jeder weiß über den anderen Bescheid) hätte etwas anderes verdient.

Wer damit leben kann, findet in ZOAR ein optisch wunderschön gemachtes Spiel, das gut unterhält und für vergnügliche Stunden sorgen kann.

 

BEWERTUNG

+ schöne Grafik und gutes Material
+ schnell gelernt
+ flott gespielt
+ spannender und trotzdem einfacher Kampfmechanismus
– mit der Zeit eintönig
– Zufallsfaktor zu groß

 

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form wurde.

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel” 

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altergruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
3.3

Zoar

Autor: Andreas Katelanos

Grafik: Luis Brüeh, Shaun Ellis

Verlag: Vesuvius Media

Spieleranzahl: 2-4 Spieler

Altersempfehlung Verlag: Ab 13 Jahren

Eigene Altersempfehlung: ab 10 Jahren (mit etwas Spielerfahrung)

Spieldauer: 45 Minuten

Generationentauglich: macht allen Altersgruppen Spaß, mit dem Spielverlauf wirds auf dem Spielfeld schnell unübersichtlich

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