Werwölfe und Montagsmaler – “A fake artist” kombiniert zwei Spielprinzipien (Rezension)

Wenn Werwölfe zu Montagsmalern werden, dann spielt man „A fake artist goes to New York“. Im Spiel sind wir Künstler, die gemeinsam ein Kunstwerk zeichnen, wobei jeder Künstler immer nur einen Linie zu der Zeichnung hinzufügt. Nur einer der Künstler, der „fake artist“, weiß nicht, was gezeichnet werden soll. Seine Rolle ist es, nicht erkannt zu werden und gleichzeitig am Rundenende zu erraten, was denn gezeichnet wurde. Die Künstler ihrerseits versuchen, den falschen Künstler zu erkennen. Der Spielleiter, der die Kategorie benennt, aus der der zu zeichnende Begriff stammt, gewinnt, sollte es dem falschen Künstler gelingen, unerkannt zu bleiben bzw. den Begriff zu erraten.

Zuerst wird der Spielleiter ernannt (das wechselt von Runde zu Runde). Dieser verkündet eine Kategorie, sagen wir „Tiere“. Dann nimmt er kleine Kärtchen und schreibt auf jede der Karten bis auf eine den zu zeichnenden Begriff, im Beispiel „Hund“. Auf eine Karte zeichnet er stattdessen ein „X“. Dann verteilt er die Karten geheim und der mit dem „X“ ist der falsche Künstler. Der Spielleiter wählt, wer den ersten Strich macht. Dieser Spieler beginnt die Zeichnung mit einer Linie. Dann gibt er das Blatt weiter an den nächsten Spieler. Der ergänzt die Zeichnung mit einer weiteren Linie. Das geht zwei Runden so. Anschließend fordert der Spielleiter alle auf, auf den falschen Künstler zu zeigen. Zeigen die Mehrheit der Spieler auf den falschen Künstler, ist er enttarnt. Jetzt muss er den Begriff nennen, der gezeichnet werden sollte. Kann er das, erhält er und der Spielleiter zwei Punkte. Wird der falsche Künstler nicht enttarnt, erhält er ebenso wie der Spielleiter zwei Punkte. Wird er aber enttarnt und kann den Begriff nicht erraten, gewinnen alle anderen Spieler einen Punkt. Dann beginnt eine neue Runde, solange bis ein Spieler fünf oder mehr Punkte gesammelt hat.

Da der Spielleiter mit dem falschen Künstler gewinnt und verliert, kann er viel Einfluss auf das Spiel ausüben. Sei es durch einen sehr einfachen Begriff, den man schnell errät, sei es durch die Wahl des Startspielers. Andererseits sind die Künstler aufgefordert, es dem falschen Künstler nicht leicht zu machen. So können die Linien so gezeichnet werden, dass es kaum möglich ist, den Begriff zu erraten. Aber da keiner weiß, wer Künstler ist und wer nicht, klappt das in der Regel gar nicht so einfach. Sehr oft verrät sich der falsche Künstler auf andere Weise. Entsteht eine sehr surreale Zeichnung, wird jeder Pinselstrich mit wissendem Lächeln begleitet, nur der falsche Künstler weiß nicht, was Sache ist. Auch wie sicher derjenige seine Linie zeichnet, verrät nur zu leicht, ob er weiß, was er zeichnet oder eben nicht.

Auch versucht man, den Falschzeichner in eine Falle zu locken, sei es auf dem Papier oder beim Reden. Es ist ja nicht verboten, am Tisch zu spekulieren.

Mit der richtigen Runde ist das ein spannender Krimi, der immer wieder überraschende Lösungen bietet. Auch wer nicht zeichnen kann, kann ein paar Linien beitragen und je einfacher die Linien sind, desto mehr Spaß folgt nach der Auflösung.

Natürlich, und das muss man klar sagen, steht und fällt das Spiel mit der Gruppe. Wenig kreative Spieler, die nicht mit geistreichen Pinselstrichen auffallen wollen oder können, werden nicht warm werden mit diesem Spiel. Wer es zu genau nimmt und sein malerisches Talent einbringt, wird schnell sehen, dass er damit dem falschen Künstler in die Hände spielt.

Das Material ist in Ordnung, wenn man berücksichtigt, dass alles Material in einer 11 x 6 cm kleinen Schachtel untergebracht ist. Oink Games hat es mal wieder geschafft und die Schachtel perfekt gefüllt. Die zehn Stifte sind klein aber gut, die Beschriftung funktioniert und mit einem speziellen Löschstift lassen sich die Karten auch wieder sauber abwischen. Für das Zeichnen bei größeren Gruppen sollte man sich aber einen größeren Block nehmen, damit alle am Tisch sehen, was passiert.

 

FAZIT

A fake artist goes to New York von Jun Sasaki für 5 bis 10 Spieler ab 8 Jahren, erschienen bei Oink Games 2012, ist ein Deduktionsspiel mit Zeichenelement. Man zeichnet gemeinsam an einem Kunstwerk, nur ein Mitspieler, der „fake artist“ weiß nicht, was gezeichnet wird. Die Aufgabenstellung ist für die Künstler, den „fake artist“ zu entlarven oder für den falschen Künstler zu erraten, was gezeichnet werden soll.

Das Spiel ist nicht für jedermann. Es hat seine witzigen und unterhaltsamen Seiten, wenn die Spielgruppe passt und man sich darauf einlässt. Für manche Spieler ist ein Zeichenspiel aber ein „Lieber nicht“, dann noch gepaart mit der „Werwolf“-Mechanik, das gefällt nicht jedem. Trotzdem sollte man sich auf eine Partie einlassen, denn der Groschen fällt manchmal erst, wenn man sich dazu überwindet und merkt, dass es weit mehr ist als nur ein „Montagsmaler“-Spiel. Meine Empfehlung: Unvoreingenommen mitmachen, es kann auch Spaß machen.

Die erstellten Grafiken lassen sich auch in einer Mini-Kunst-Galerie ausstellen und sorgen so immer wieder für viel Gelächter.

Zusammengefasst: Zeichenspiel, bei dem alle abwechselnd eine Zeichung erstellen, nur einer kennt das Motiv nicht. Kommunikativ, kreativ, für die richtige Gruppe sehr unterhaltsam.

 

BEWERTUNG

+ viel Material in kleiner Schachtel
+ kurzweilig für bis zu 11 Spieler
– Zeichenblock zu klein für größere Gruppen

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form verwendet wurde.

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Gruppenspiel”

 

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altergruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
3

Kurzfassung

Titel: A fake artist goes to New York
Autor: Jun Sasaki
Grafik: Jun Sasaki
Verlag: Oink Games

Spieleranzahl: 5-10 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 8 Jahren
persönliche Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 20 Minuten

Generationentauglich: Das Spiel spricht alle Altersgruppen an und kann gut in gemischten Gruppen gespielt werden.

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