Werde der neue Bärenkönig – Wangdo von Mandoo (Rezension)

Wenn auch nur selten – ab und zu gibt’s bei uns Rezensionen von Spielen, die nicht auf Deutsch erhältlich sind. Warum das? Nun zum einen, da es in Deutschland reichlich SpielerInnen gibt, die gut Englisch können und zum anderen, da wir durch unsere positiven Erfahrungen mit dem Spiel eventuell zu einer Lokalisierung beitragen können.
Heute rezensieren wir solch ein Spiel für Euch, ein wenig mit der Hoffnung, dass es vielleicht auch bald auf Deutsch erscheinen möge. Bis dahin sind die sprachlichen Hürden aber nicht hoch, denn Wangdo – um das geht es hier – kann auch mit geringen englisch-Kenntnissen gespielt werden.


Das Spiel

Bei Wangdo, einem Spiel von Frank Crittin, Gréogoire Largey & Sébastian Pauchon, erschienen bei Mandoo, spielbar mit 2-4 Personen und ab 8 Jahren, befinden wir uns in einer Zeit, weit bevor es Menschen gab. Im Nordosten Asiens dankt gerade der aktuelle Bärenkönig ab und die vier Bärenclans entsenden ihre Prinzen, die alles nötige Wissen erwerben sollen, um der nächste König zu werden. Dabei reisen sie von Ort zu Ort, um wertvolle Siegel zu sammeln und sich Wissen in Religion, Bildung, Militär und Handel anzueignen.

In Wangdo gewinnt, wer als zuerst alle Wissens-Token beisammen hat. Diese liegen auf den Orten des Spielbrettes aus und können von den SpielerInnen eingesammelt werden. Die wertvollen Wissensmarker zu ergattern ist jedoch nicht ganz so einfach, wie es zuerst erscheinen mag. Denn um einen Marker aufnehmen zu können, muss man an diesem Ort eine Bärenstatue errichten, d.h. eine Bärenfigur einsetzen. Die Setzregel besagt aber auch, dass der Ort an einen anderen Ort angrenzen muss, indem bereits eine Statue steht und dass diese niemals zu Bärenstatuen gleicher Farbe benachbart sein darf. Da Bären in vier verschiedenen Farben vorhanden sind, gibt es hier einige Variationsmöglichkeiten.

Doch damit nicht genug. Denn stellt man sich auf ein Ortsfeld, das an andere Felder mit Bären angrenzt, so muss man Abgaben bezahlen. Und zwar legt man dafür genau die Bären aus dem eigenen Vorrat zurück in den allgemeinen Vorrat, die angrenzend auf dem Spielbrett zu sehen sind. Das ist sehr teuer und daher sollte gut überlegt sein, wohin man seine Statuen stellt. Idealerweise beginnt man an Orten, wo nur ein Bär angrenzend platziert wurde.


Anstatt Bärenstatuen zu setzen, kann man als weitere Aktion neue erhalten. Dafür nimmt man entweder zwei Bären beliebiger Farbe vom Tempel oder man zieht drei zufällig aus dem Beutel. Mit dem Ziehen aus dem Beutel erhält man zwar mehr Statuen, aber man erhöht auch deutlich die Glückslastigkeit im Spiel. Denn dass man die Farben zieht, die man benötigt, ist leider nicht sicher. Ergänzt wird das Spiel übrigens dadurch, dass man Siegel-Karten erhält, sobald man alle Wissenstoken einer Art gesammelt hat. Diese geben den SpielerInnen zusätzliche Aktionen und liefern Siegel, die bei einem Gleichstand entscheidend sind.

 

Fazit
Wangdo ist ein wundervolles Familienspiel. Es besticht mit einer ungewöhnlichen und wirklich sehr ansprechenden Grafik und hatte uns sofort in seinen Bann gezogen. Unterstrichen wird dieser Eindruck durch die tollen Bärenstatuen, die dem Spiel beiliegen. Diese sind sehr stabil und detailliert, so dass es einfach Spaß macht, mit ihnen zu spielen. Aber nicht nur das hochwertige Material spricht für sich. Auch das Spielkonzept überzeugt.

Allerdings ist es kein reines Taktikspiel. Zwar muss man gut überlegen, wo und wie man seine Statuen einsetzt und welche Wissensmarker man als erstes einsammeln möchte, doch die Suppe kann einem immer wieder gehörig versalzen werden. Denn zum einen sind da die anderen MitspielerInnen. Auch sie sammeln Wissensmarker und wenn es blöd läuft, sammeln sie genau die vor der Nase weg, die man sich gerade selbst aneignen wollte. Da man nicht beliebige Statuen einsetzen kann und dann auch noch eine Abgabe für Nachbarstatuen bezahlen muss, bedeutet das immer wieder, dass man nicht die passenden Bären im Vorrat hat und erst neue sammeln muss. Zum anderen ist das Ziehen der Bären aus dem Beutel sehr glückslastig und da kommt es gerne mal vor, dass man zwar viele Statuen in seinem Vorrat hat, aber keine der Farbe, auf die man eigentlich spekuliert hat. Das ist den SpielerInnen aber meist schnell klar, so dass im Fall des Falles dann lieber auf Bären im Tempel zurückgegriffen wird.

Mögen diese Zufallselemente nicht zu einem reinen Taktikspiel beitragen, so sorgen sie doch für Spannung und auch mal Schadenfreude, wenn man MitspielerInnen Statuen vor der Nase wegschnappen konnte. Das Ärgerelement haben wir allerdings nicht als zu stark empfunden, so dass Wangdo wirklich ein tolles Spiel für Familien ist. Die Siegel-Karten bringen zudem etwas Abwechslung ins Spiel und steigern den Wiederspielwert. Wenn man mit jüngeren Kindern spielt oder MitspielerInnen nicht sehr gut im Englischen sind, kann man die Karten übrigens auch weglassen. Auch so wäre reichlich Spielespass vorhanden.

Wangdo kann wunderbar mit 2-4 SpielerInnen gespielt werden, ein erweiterbarer Spielplan sorgt für angepasste Möglichkeiten. Während es sich mit 2 SpielerInnen aber eher sanft spielt, kommt mit 4 Personen am Tisch dann schon richtig Stimmung auf. Irgendwer ist da immer schneller als man selbst.

Bleibt zu hoffen, dass Wangdo bald auch auf Deutsch erscheint, dann dürfte es doch auf so einigen Familientischen landen.
(Die Bilder zeigen den Aufbau für 2 SpielerInnen)

BEWERTUNG
+ schnell zu erlernen
+ sehr hochwertiges Material
+ wundervolles Design
+ taktische Elemente
– leicht glückslastig


(Eine Rezension von Petra Fuchs)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 76 Jahre
4.5

Wangdo (2018)

Autor: Frank Crittin, Gréogoire Largey & Sébastian Pauchon
Grafik: Jakub Rebelka
Verlag: Mandoo
Spieleranzahl: 2-4 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 8 Jahren
Spieldauer: 30 Minuten

Pädagogisch wertvoll: Auf jeden Fall, da Kinder taktieren lernen und ebenso das vorausschauende Planen.
Generationentauglich
: Kann wunderbar mit Kindern und Erwachsenen gemeinsam gespielt werden, sofern englisch-Kenntnisse vorhanden sind. Das Material und der Mechanismus sind auf jeden Fall generationentauglich.

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