So klein und schon so gemein – Rom bietet beste Konfrontation (Rezension)

Chef sein kann schon Spaß machen, vor allem als Chef des römischen Reiches. Also Cäsar. Und um nichts Geringeres geht es in „Rom – Rise to Power“. Über fünf Runden hinweg versuchen wir Legionen aufzustellen und Provinzen an uns zu binden und deren Reichtümer in unsere Taschen zu übertragen. Wir versuchen, wichtige Ämter zu besetzen, die uns immense Vorteile verschaffen. Aber wir denken auch an das Volk, das uns wohlgesonnen sein soll. Also versuchen wir, beeindruckende Vorstellungen in der Arena zu veranstalten.

Und das alles mit vier Würfel. Ja, manchmal ist Chef sein recht einfach.

Oh, hab ich einfach gesagt? Ja, die Regeln sind einfach. Zu Beginn der Runde würfelt jeder seine vier Würfel. Dann setzt man abwechselnd einen Würfel auf drei Machtleisten: Militär, Senat und Schwarzmarkt. Wichtig dabei: Setzt man einen Würfel, der kleiner als bereits vorhandene ist, darf man mit diesen die Position tauschen. Setzt man einen Würfel zu einem eigenen bereits eingesetzten Würfel dazu, darf dieser höchsten die Augenzahl haben wie der vorhandene Würfel. So kann man die Macht erhöhen, ohne auf der Leiste nach hinten zu fallen. Wichtig ist, wer vorne ist, also den kleineren Würfel eingesetzt hat, darf zuerst wählen.

Habe ich einfach gesagt? Das ist gar nicht einfach und ist richtig knifflig und taktisch. Hier kann man sich schon mal die Fingernägel abkauen. Denn man sieht, was die anderen Mitspieler an Würfel haben. Und so kann man sehr gut abschätzen, welche Möglichkeiten einem bleiben.

Omann, das ist manchmal echt zum Haareraufen. Denn auch wenn Würfel im Spiel sind, kann man mit jedem Ergebnis richtig viel erreichen und die Mitspieler unter Druck setzen. Herrlich, und herrlich gemein.

Und  irgendwie ist alles wichtig. Für die Wertungen am Ende der dritten und fünften Runde muss man sich gut aufstellen. Damit die guten Karten auf möglichst jeder Leiste zu einem gehen. Und da nicht genug Karten unter jeder Leiste liegen, die man auswählen kann, kommt schon mal vor, dass man seine Würfel umsonst eingesetzt hat. Da geht man leer aus und verliert damit einen Würfel, vielleicht sogar mehr. Bei nur fünf Runden und jeweils vier Würfel bedeuetet das schon einen ziemlichen Nachteil.

Das Spiel sich regeltechnisch einfach, schnell erklärt, in unter einer Stunde gespielt und hat doch richtig knackige Entscheidungen. Dabei ist es nicht überfordernd, so dass Familien und Gelegenheitsspieler gut damit zurecht kommen. Klar fordert es etwas Denkarbeit, die aber nicht von den komplexen Regeln herkommt, sondern weil man den Mitspieler einschätzen und dessen Möglichkeiten bedenken muss.

Trotzdem spielt es sich sehr flott, macht richtig viel Spaß und hat eine perfekte Mischung aus Interaktion und Aufbau seines eigenen Fortschritts.

Und es ist spannend. Bis zuletzt kann viel passieren. Natürlich ist ein Glücksfaktor im Spiel. Nicht sosehr die Würfel. Sondern die Karten, die ausliegen und die man erbeuten kann. Liegen die richtigen aus, geht alles gut, liegen weniger brauchbare aus, dann kann man den Mitspieler ärgern. Also irgendwiedoch  eine perfekte Sache.

Dass das Material sehr spielfördernd und gut gemacht ist, macht es zu einer runden Sache. Außer dass die Punkteleiste für die Marker viel zu klein geraten ist. Egal, ob zu zweit, dritt oder viert, das Spiel macht Laune. Zu zweit gibt es eine Variante mit einem Dummy-Spieler, die gut ist, aber nicht unbedingt notwendig.

Meiner Meinung nach ein richtig feines kleines Spiel, für Familien, Gelegenheitsspieler und auch für Kennerspieler. Ohne dass es im Spiel Vorteile bringt, wenn man Spielerfahrung hat. Die Regeln sind einfach, die verschiedenen Senatskarten und deren unterschiedliche Funktionen machen das Spiel etwas komplexer, aber überfordern zu keiner Zeit.

Nie war Imperator im römischen Reich zu werden einfacher, spannender und doch kniffliger zugleich. Ausprobieren! Gehört meiner Meinung nach in jedes Spielerregal – und oft auf den Tisch.

 

FAZIT

Rom – Rise to Power ist ein Würfel-Einsetzspiel von Elad Goldsteen, Grafiken von Naomi Robinson, für 2-4 Spieler ab 13 Jahren, erschienen 2015 im Verlag Golden Egg Games. Das Einsetzen der Würfel auf den drei Leisten ist knifflig und spannend. Auch mit einem weniger gelungenen Wurf lässt sich viel erreichen. Ein Spiel, bei dem man die eigenen Chancen und die Möglichkeiten der Mitspieler abwägen und in jeder Situation neu bewerten muss. Sehr tricky und konfrontativ und grafisch sowieso ein Leckerbissen. Zu Zweit kann man mit Dummy-Spieler spielen. Zielgruppe sind Kennerspieler (moderate Spieltiefe), aber auch spielerfahrene Familien und Gelegenheitsspieler sind keineswegs überfordert.

Toll gemacht, klein und fein, und dabei mit sehr einfachen Regeln. Von mir eine klare Spiel-Empfehlung.

 

BEWERTUNG

+ einfache Spielregeln
+ grafisch sehr gelungen
+ Würfelglück spielt nur kleine Rolle
+ ständiges Abwägen der eigenen Möglichkeiten und die der Mitspieler
– Punkteleiste zu klein

 

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form wurde.

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kennerspiel” 

  • ... Altergruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
4.5

Rom - Rise to Power

Autor: Elad Goldsteen
Grafik: Naomi Robinson
Verlag: Golden Egg Games
Spieleranzahl: 2-4 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 13 Jahren
Eigene Altersempfehlung: ab 11 Jahren (mit Spielerfahrung)
Spieldauer: 60 Minuten

Generationentauglich: gleiche Anforderungen für jede Altersgruppe, mit Spielverlauf ist immer mehr zu beachten

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