Showtime – Die Qual der (Platz-) Wahl für die ganze Familie von Pegasus Spiele (Rezension)

Ihr habt es euch im Kinositz so richtig schön bequem gemacht. Das Licht geht aus und der Projektor an. Mit Spannung fiebert ihr dem Film entgegen, der in wenigen Momenten die große Leinwand erhellen wird. Doch was ist das? Das nervige Balg hinter euch stößt ständig mit den Füßen gegen euren Sitz, vor euch richtet sich ein 2-Meter-Mann zu seiner vollen Größe auf, das Pärchen rechts von euch will einfach nicht aufhören zu plappern und links scheucht bereits der erste die komplette Sitzreihe auf, weil er Pinkeln gehen muss. Das kommt euch bekannt vor? Dann werdet ihr mit Showtime – einem familientauglichen Spiel rund um klischeehafte Kinobesucher – eure wahre Freude haben!

 

Zum Spiel:

In Showtime versuchen die Spieler eine Reihe von Personenkarten auf möglichst guten Sitzplätzen zu platzieren. Dabei gilt es das Lieblingsgenre der Person und vor allem die Sitznachbarn in der Umgebung zu beachten, die das Kinovergnügen stark beeinträchtigen können. Wer nach drei Filmvorführungen (Runden) die meisten Vergnügungspunkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel.

Der modulare Spielplan stellt einen Kinosaal aus der Vogelperspektive dar und besteht je nach Spielerzahl aus 2 (8 Sitzplätze), 3 (12 Sitzplätze) oder 4 (16 Sitzplätze) Spielplanteilen. Am Ende wird immer der Spielplanteil mit dem Kassenhäuschen angelegt. Der darauf abgebildete, rote Teppich dient als Zähler für die sogenannten Vergnügungspunkte. Die vier Filmplakate-Marker der Genres “Fantasy”, “Science Fiction”, “Liebesfilm” und “Komödie” werden verdeckt gemischt und eines davon aufgedeckt in dem leeren Plakatrahmen neben dem Kassenhäuschen gelegt.

Jeder Spieler erhält eine Spielfigur in einer der vier Farben und platziert diese vor dem roten Teppich auf dem entsprechenden Spielplanteil. Zusätzlich bekommt er 16 Personenkarten in der gewählten Spielerfarbe. Diese werden gemischt, verdeckt abgelegt und bilden den persönlichen Nachziehstapel. Von diesem Stapel zieht er vier Karten und hält sie vor seinen Mitspielern geheim.  Der größte Filmfan in der Gruppe erhält den Startspieler-Marker in Form einer großen Tüte Popcorn und schon geht es los!

Beginnend mit dem Startspieler wird reihum eine Personenkarte im Kinosaal platziert, und zwar so, dass das Sternsymbol am Fuße des Sitzplatzes sichtbar bleibt. Die Zahl in diesem Symbol zeigt an, wie viele Vergnügungspunkte der Besitzer der Karte für eine Person auf diesem Sitz am Ende der Runde bekommt. Jede Person hat ein Lieblingsgenre. Stimmt dieses mit dem Symbol auf dem Filmplakat der aktuellen Runde überein, erhält man sofort 2 Vergnügungspunkte und bewegt seine Spielfigur auf dem roten Teppich um 2 Felder weiter.

Der eigentliche Clou besteht aber in den Effekten der Personen. Durch Piktogramme und Zahlen auf den Personenkarten wird symbolisiert, ob und welchen Einfluss eine Person auf das Vergnügen ihrer Sitznachbarn am Rundenende hat oder ob Sitznachbarn in der Umgebung das Vergnügen der Person selbst beeinträchtigen. Nahezu jeder stereotype Kinobesucher ist vertreten. Ein paar Beispiele gefällig? Hildo Hahn ist ein besonders toller Hecht und erhält für jede links, rechts, vor oder hinter ihm sitzende weibliche Personen je einen zusätzlichen Vergnügungspunkt. Mia Mampf liebt es, lautstark ihr Popcorn zu essen, deshalb verliert jede Person rechts oder links von ihr einen Vergügungspunkt. Leo Lulatsch versperrt mit seiner hageren Gestalt einer hinter ihm sitzenden Person die Sicht und beschert ihr einen Verlust von drei Vergnügungspunkten. Besonders beliebt sind auch Personenkarten, die andere Personen von ihrem Platz vertreiben und somit das gesamte Gefüge durcheinander bringen können.

Nachdem jeder seine vier Personenkarten platziert hat, endet die Runde, die Vergnügungspunkte werden addiert und die Figuren auf dem roten Teppich entsprechen vorgerückt. Dann werden alle Personenkarten abgeräumt und auf den persönlichen Ablagestabel gelegt. Jeder zieht vier neue Karten von seinem Nachziehstapel, der Startspieler-Marker wandert im Uhrzeigersinn weiter und die nächste Runde beginnt.

Die unterschiedlichen Personenkarten sorgen für kurzweilige Partien und die klischeehaften Kinobesucher bescheren anfangs den ein oder anderen Schmunzler. Vor allem weil die positiven oder negativen Effekte einer Karte thematisch gut zur jeweiligen Person passen. Eben diese Effekte machen Showtime ein Stück weit unberechenbar, weil man nie wissen kann, welche Personen die Mitspieler platzieren und so die eigenen Pläne zunichte machen. Diese Unberechenbarkeit beschert – wenn man sich darauf einlässt – in der richtigen Runde durchaus jede Menge Spaß und die angenehme Spieldauer sorgt zudem dafür, dass es nicht zu langatmig wird.  Langzeitmotivation und dauerhaft anhaltenden Spielspaß bietet Showtime aber nicht.

Wirklich mühselig ist das Zählen der Punkte an jedem Rundenende. Die Wechselwirkungen der Personen untereinander werden mitunter so unübersichtlich, dass wirklich Karte für Karte und Reihe für Reihe einzeln gewertet werden muss. Erschwerend kommt hinzu, dass die Piktogramme auf den Personenkarten leider nicht sehr intuitiv sind und man in den ersten Partien verhältnismäßig oft die Anleitung zu Hilfe nehmen muss. In unseren Runden hat die Wertung immer die gleiche Person übernommen, während ein anderer die farbigen Spielfiguren auf dem roten Teppich entsprechend weiterrückte. Das ging nach einer gewissen Zeit zwar einigermaßen schnell, trotzdem bremste diese Punkteorgie jedes Mal den ansonsten schnellen Spielfluss.

Die Punkteleiste als roten Teppich darzustellen ist zwar wunderschön thematisch, allerdings hat man sich für gegenläufige Felder mit nur wenigen Anhaltspunkten entschieden, so dass man immer aufpassen muss in welche Richtung die Spielfiguren bei der Punktewertung zu ziehen sind, um nicht durcheinander zu kommen.

 

Fazit:

Die originelle Idee und das thematisch gestaltete Material bieten kurzweiligen Spielspaß für zwischendurch, der nur durch die verhältnismäßig aufwendige Punktewertung getrübt wird. 8-jährige Kinder dürften Schwierigkeiten mit den Effekten der Personenkarten haben, wenn ein Erwachsener mitspielt, sollte das aber kein Problem darstellen. Showtime wird sicher nicht der Dauerbrenner auf den Tischen von Vielspielern werden, als nettes, schnelles Familienspiel eignet es sich aber sehr gut.

Bewertung:
+ originelle Spielidee
+ thematisch gestaltetes Spielmaterial
– aufwendige Punktewertung
– wenig Wiederspielwert

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form wurde.

(Eine Rezension von Marco Dirscherl)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
3.2

Showtime (2018)

Autoren: Stefan Kloß, Anna Oppolzer
Grafik: Christian Fiore
Verlag: Pegasus Spiele
Spielerzahl: 2 bis 4
Altersempfehlung Verlag: ab 8 Jahre
Eigene Altersempfehlung: ab 8 Jahre
Spieldauer: 20 bis 40 Minuten

Über Marco

Film-, TV- und Brettspiel-Junkie. Podcaster aus Leidenschaft.

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