Schon wieder Wikinger? – Ja! “Raids” übezeugt nicht nur mit der Ausstattung (Rezension)

„Hey Hey Wickie, die Wikinger …“ – ja, was für ein frisches Thema für ein Spiel. Und schon wieder sind es die „bösen“ Nordmänner, die plündernd die Küsten entlang schippern. „Raids“ bedient sich auf den ersten Blick an den typischen Klischees. Das Spiel hat aber mehr zu bieten als diesen Vorurteilen nachzugehn. Und weil es grafisch und materialtechnisch ein absoluter Leckerbissen ist, verzeihe ich das abgenudelte Thema gern.

Raids ist ein Rondell-Spiel. Mit unseren Schiffen fahren wir entlang der Küste, bleiben an bestimmten Orten stehen und erledigen unsere Aufgaben. Rückwärtsfahren geht nicht, dafür können wir beliebig weit pro Zug bis zum Hafen ziehen. Wer also ein bestimmtes Feld erreichen will, prescht schonmal den anderen davon. Dafür haben die anderen mehr Aktionen, denn immer der letzte bei der Rundfahrt darf ziehen. Aber da ist sehr toll gelöst. Denn alle Felder zwischen dem letzten und dem vorletzten werden gesperrt. So muss man immer zum vorletzten aufschließen oder diesen überholen.

Schließt man auf bzw. landet an dem selben Ort wie ein Mitspieler, dann gibt’s eine Keilerei. Man schickt die Wikinger, die man auf seinem Langboot mitführt in den Kampf. Das ist simpel und genial. Der Angreifer gibt einen Wikinger ab. Der Verteidiger kann jetzt entweder die Flucht ergreifen und auf ein anderes Feld weiterziehen, oder er gibt zwei Wikinger ab. Jetzt ist wieder der Agnreifer dran, entweder mit weiterziehen oder mit Abgabe von jetzt schon drei Wikingern. Und so weiter.

Wichtig also ist immer, möglichst viele Wikinger mitzuführen. Ist aber nicht so einfach. Auf dem Boot ist nicht viel Platz. Und wenn man auch noch Waren mitnimmt die man luktrativ auf Märkten verkaufen will, wird der Platz noch weniger. Außerdem ist der Nachschub an Wikingern nicht unbegrenzt. Was man am Ende der Runde erhält, bestimmt die Anzahl der Segel auf dem Schiff. Aber auch dafür ist nicht unbegrenzt Platz, denn man braucht auch Schwerter, damit man gegen die überall lauernden Monster kämpfen kann (die dicke Punkte bringen). Man muss also überlegen, wie man sein Langboot ausstattet. Dazu muss man aber die entsprechenden Orte ansteuern, die natürlich die Mitspieler auch erreichen wollen. So gibt es so manche Keilerei und Pläne können sich sehr schnell ändern. Da muss man taktisch reagieren und aus den Möglichkeiten das Beste machen.

Bei vier Runden ist das Spiel schnell vorbei. Und abgerechnet wird zuletzt. Denn wer die meisten Münzen und Punkte gesammelt hat, gewinnt.

Das ist richtig witzig, spannend und durch die Grafik perfekt in Szene gesetzt. Was für ein schönes Spiel, und das nicht nur optisch. Mit stabilen Plättchen, echten Metallmünzen und knuddeligen Wikinger-Kriegern ein richtiges Fest. Kompliment an den Verlag, die Ausstattung ist gelungen.

Das Spiel sowieso, auch wenn man nach mehreren Partien meint, es gibt wenig Abwechslung. Zwar werden die Orte auf dem Rundweg jedesmal neu belegt, aber in jeder Runde gibt es nur genauso viele Plättchen, wie Orte vorhanden sind. Also liegen immer alle aus, nur die Reihenfolge ändert sich. Da wären ein paar Plättchen natürlich besser gewesen. Aber wer weiß, eine Erweiterung würde dem Spiel auf lange Sicht gut tun.

Dafür aber glänzt es damit, dass man von Anfang an um den Sieg mitschifft. Es ist schnell erklärt, der Spielfluß ist flüssig und es sind kaum Wartezeiten vorhanden. Nach 45 Minuten sind alle im Ziel und die Abrechnung erfolgt. Und das ist immer spannend, denn bis zuletzt kann sich einiges ändern.

Raids eignet sich für Familien mit Kids ab 10, auch erfahrenere Spieler haben ein schönes Spiel vor sich. Es lässt sich gut locker und leicht spielen, grübeln ist nicht angesagt. Durch die ständige Interaktion ist das Spielen intensiv und ein richtiges Gruppenerlebnis. Man spielt hier wirklich mit- und gegeneinander und das Thema gibt genug Stoff für spielzugbegleitende Kommentare.

 

FAZIT

Raids von Matthew Dunstan und Brett J. Gilbert, Grafiken von Biboun, ist ein Spiel für 2-4 Spieler ab 10 Jahren, erschienen 2018 bei iello und ist ein Rondell-Spiel. Wir ziehen unser Boot auf dem Plan vorwärts und erledigen die Aufgaben an den jeweiligen Orten. Dabei bewegen wir uns beliebig weit nach vorne, aber nicht rückwärts. Wir statten dabei unsere Langboote mit Wikingern, Segeln, Waffen oder Waren aus, um für entsprechende Aufgaben gerüstet zu sein. Die Kämpfe sind simpel und genial gelöst. Es gibt viel Interaktion im Spiel, da immer nur ein Boot pro Ort stehen darf. Da werden die Boote der Mitspieler einfach verdrängt, vorausgesetzt, man hat genug Wikinger an Bord. Das Spiel besticht nicht nur durch ein spannendes Gameplay, vor allem die Ausstattung ist grandios. Für Familien mit Kids ab 10 ein tolles Spielerlebnis, auch Vielspieler haben an ein paar Partien ihren Spaß.

Meiner Meinung nach soll man es unbedingt spielen, gerade mit der Ausstattung macht es einfach nur Freude. Nach ein paar Partien kann es eintönig werden, aber bis dahin hat man eine gute Zeit. Und im Regal sieht es einfach klasse aus.

 

BEWERTUNG

+ super Ausstattung
+ schnell erklärt und gespielt
+ viel Interaktion
+ raffinierter Kampf-Modus
+ spannend bis zuletzt
+ super Ausstattung (absichtlich zweimal!)
– mit der Zeit eintönig

 

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form wurde.

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel” 

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altergruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
4.3

Raids

Autor: Matthew Dunstan und Brett J. Gilbert
Grafik: Biboun
Verlag: iello
Spieleranzahl: 2-4 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 45 Minuten

Generationentauglich: Von 10 bis 70 Jahren macht es richtig Spaß, der Überblick geht bei dem schnellen Spieltempo schon mal verloren, wer wo was für Möglichkeiten hat

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