Schadenfreude gut eingeschenkt – „4 Pints please“ ist nichts für Pechvögel (Rezension)

„Vier Bier, bitte!“ Ziemlich irreführend, der Titel. Es klingt nach der Aufforderung an die Bedienung, vier Bier an den Tisch zu bringen. Genau das passiert aber nicht. Man muss das Bier selber holen. Und zwar eines nach dem anderen. Und während man noch auf dem Weg zur Theke ist, durchsucht man erstmal seine Hosentaschen nach dem nötigen Kleingeld. Passieren kann auf dem Weg ebenfalls viel. Man wird abgelenkt und landet statt an der Theke, draußen auf der Straße bei den Rauchern. Oder man stolpert beim Tragen seines Bierchens. Oder jemand stößt eines um. Oder oder oder. Viel kann passieren.

Es ist aber keineswegs ein Geschicklichkeitsspiel, sondern ein typisches „Probier-dein-Glück“– oder wie der Lateiner sagt „Push your Luck“-Spiel. Das umso lustiger wird, je mehr man von den anfangs bestellten Bierchen bereits intus hat.

In der Auslage liegen vier Bier, davon gibt es im Stapel verschiedene, die unterschiedlich kosten und unterschiedlich Punkte bringen. Dann gibt es den Stapel mit Kaufkarten. Hier deckt man, ist man an der Reihe, eine nach der anderen auf. Die Aufgabe ist, Geldkarten aufzudecken, um sich eine der ausliegenden Bierkarten kaufen zu können. Mehr Geld bringt Bier mit mehr Punkten. Da kann man schon mal mehr wagen. Aber es gibt viele Pechkarten. Am lustigen sind die „Betrunken“-Karten. Ein oder zwei sind harmlos, die dritte … tja, war wohl nix, und der nächste Spieler fordert sein Glück heraus.

Wer allzu gierig Karte um Karte zieht, zieht auch das Pech an. Ein Ellbogen und ein bereits geholtes Bier ist weg, ausrutschen ist ganz fatal, das Bier ist weg und dein Zug beendet. Erdnüsse lenken ab und du musst extra für sie zahlen. Es gibt auch gute Karten. Findest du deine Kreditkarte, bist du für den Zug deine Geldsorgen los. „Happy Hour“ lässt dich in einem Zug sogar zwei Bier kaufen, wenn du das Geld dafür hast.

Und so geht das weiter. Viele lustige Dinge passieren, während man den Stapel Karte für Karte aufdeckt. Wer sich zuviel traut, zuviele Karten aufdeckt, macht den großen Deal oder geht leer aus. Wer zu vorsichtig ist, wird von allen anderen überholt. Ein typisches „Probier dein Glück“-Spiel.

Die Karten sind etwas nüchtern illustriert (dieses Wortspiel musste sein), aber dafür passen die 108 Karten in die Tasche und können tatsächlich in der Kneipe ausgepackt werden. Bis zu 8 Spieler können um die vier Bier wetteifern und wer als erstes 12 Punkte gesammelt hat, hat das Spiel gewonnen. Bei acht Spielern wird die Zeit schon lang, bis man selber wieder ran darf, aber hier geht es weniger um das eigene Spielen als vielmehr zu sehen, wie die anderen an ihrem Übermut scheitern.

Ansprüche stellt das Spiel natürlich keine, jeder kann es spielen. Dass auf der Packung „ab 16 Jahren“ steht, liegt nur am Thema Alkohol. Und dass es nicht schaden kann und der Stimmung zuträglich ist, wenn man das eine oder andere …

 

FAZIT

„4 pints, please“ von Raúl Fernández Aparicio, Grafiken von Marta Pombo, erschienen 2018 bei Gen-X Games, ist ein typisches „Probier dein Glück“-Spiel für 2 bis 8 Spieler ab 16 Jahren (nur wegen des Themas). Man zieht Karten, solange man will und kein Malheur passiert ist, um möglichst viel Geld zu erhalten, für das man eine der ausliegenden Bierkarten kaufen kann. Hat man 12 Punkte, hat man gewonnen. Aber es gibt im Nachziehstapel genug Pechkarten, die dein Bemühen schnell beenden. Wer zuviel wagt, hat entweder richtig mächtig Glück oder geht trocken nach Hause.

Es macht in der richtigen Runde Spaß, wobei der Spaß vor allem durch die Schadenfreude kommt. Wer reine Glücksspiele nicht will – Finger weg. Wer sowieso immer die falschen Karten zieht – Finger weg. Und wer das Spiel ernst nimmt – Finger weg. Es ist und bleibt ein Spaß- und Partyspiel. Und als solches betrachtet hat es seine witzigen Seiten und ein unverbrauchtes (aber durchaus kritisch zu sehendes) Thema. Schade nur die wenig spiel- und spaßfördernde Grafik, die – dem Thema angemessen – witziger hätte sein müssen.

Meine Empfehlung: gern mal ausprobieren, aber jetzt echt nicht viel erwarten. Dann klappts auch mit dem Spaßfaktor.

BEWERTUNG

+ einfache Regeln
+ typisches “Probier dein Glück”-Spiel
+ witzige Einfälle
+/- lebt von der Schadenfreude
– Grafik etwas leblos

(Das Spiel ist derzeit nur mit englischen Regeln erhältlich, selbst aber sprachneutral)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form verwendet wurde.

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Gruppenspiel” 

  • ... Altergruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
3.5

4 pints, please

Autor: Raúl Fernández Aparicio
Grafik: Marta Pombo
Verlag: Gen-X Games
Spieleranzahl: 2-8 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 16 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Spielprinzip extrem einfach (ab 8) aber wegen dem Thema ab 16
Spieldauer
: 30 Minuten

Generationentauglich
: ein Partyspiel für alle Generationen, aber mit dem Thema Alkohol.

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