Säbelzahntiger-Clan sucht neuen Häuptling – Honga von Haba (Rezension)

Wir befinden uns mitten in der Steinzeit. Und wie es damals so war, müsst Ihr als Urmensch Nahrung für Euren Clan suchen, unbekannte Gebiete durchforsten, den Göttern huldigen und mit anderen Clans Handel treiben. Aufgaben zu erledigen bereitet Euch keine Mühe, jedoch dürft Ihr niemals unachtsam sein. Denn ein Säbelzahntiger treibt in der Gegend sein Unwesen und ist immer darauf aus, Eure Vorräte zu stehlen. Den alltäglichen Aufgaben Herr zu werden und den Clan zu beschützen benötigt so manches Mal Euren ganzen Einsatz. Wenn Ihr die Gefahr aber bannt und Euch besonders würdig erweist, dürftet Ihr bald zum neuen Oberhaupt Eures Clans ernannt werden. Es lohnt sich also, vollen Einsatz zu zeigen.

 

Das Spiel
Honga ist ein Spiel von Günther Burkhardt, das 2018 bei Haba erschienen ist. Es ist von 2-5 SpielerInnen geeignet und kann ab 8 Jahren gespielt werden.

Wie Eingangs bereits erwähnt, spielt man in Honga einen Urmenschen, der durch das Erfüllen von Aufgaben (dem Sammeln von Punkten) zum Oberhaupt ernannt werden will und zudem darauf achten muss, dass der Säbelzahntiger Honga keine Vorräte klaut.

Den SpielerInnen stehen hierzu auf dem Spielplan verschiedenste Aktionsfelder zur Verfügung. Man kann Nahrung (Fische, Beeren, Pilze, Wasser) sammeln, den Wald durchforsten und dadurch Bonuskarten erlangen, den heiligen Berg besteigen (je höher, desto mehr Siegpunkte), und vor allem Aufgabenkarten mit wertvollen Punkten erfüllen. Die Aktionen werden ausgelöst, indem die SpielerInnen Aktionsscheiben auf Ablagefelder legen, die sich zwischen vier verschiedenen Aktionsfeldern befinden. Auf den Scheiben sind Hände abgebildet, deren Anzahl angibt, wie oft Aktionen ausgeführt werden können. Zudem sind die Scheiben geviertelt, so dass die Hände beim Auslegen auf verschiedene Aktionen deuten können. Wie die Scheiben ausgerichtet werden und auf welche Ablagefelder sie gelegt werden, bleibt den SpielerInnen selbst überlassen.

Auf dem Aktionsfeld der Spielmitte ist zudem Honga zu Hause. Auf den Säbelzahntiger sollte immer eine Hand zeigen, da dieser sonst vor den Spieler gestellt wird, der das vergessen hat und jede Runde seine Vorräte frisst. Die Vorräte werden auf dem Spielertableau angezeigt. Findet Honga keine Vorräte mehr bei der Spielerin, frisst er schließlich Mammuts. Dies will man auf jeden Fall verhindern, denn Mammuts auf dem Aktionsfeld „Mammuts anlocken“ zu erhalten, ist langwierig – schließlich geben die mächtigen Tiere für einige Aufgabenkarten besonders viele Punkte.

Das Spiel endet sobald ein Spieler 30,35 oder 40 Punkte (je nach Spieleranzahl) erlangt hat. Wer dann am Ende der Runde die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel und wird Häuptling des Säbelzahntiger-Clans.

 

Fazit
Mit Honga bringt Haba, eigentlich bekannt für Kinderspiele, ein weiteres tolles Familienspiel heraus. Die grafische Umsetzung des Spiels ist sehr ansprechend und spiegelt wunderbar wieder, dass Honga mit Kindern und Erwachsenen gespielt werden kann. Witzig und frech werden die Urmenschen dargestellt. Auch das Material kommt in gewohnter Haba-Qualität. Stabile Spielertableaus und Holzmaterialien tragen auf jedem Fall zu einem tollen Spielgefühl bei und haben uns sofort begeistert. Dass Tableaus mit Vertiefungen für die gesammelten Ressourcen produziert werden, darf sich gern für weitere Spiele abgeschaut werden. Denn hier fällt nichts um und es verrutscht auch nichts.

Bei Honga geht es um die wohlüberlegte Auswahl der Aktionen. Die Idee nicht „Arbeiter“ einzusetzen, sondern Hände auf Aktionsscheiben darzustellen, ist richtig toll und bringt viel Varianz ins Spiel. Man muss schon gut überlegen, in welchen Bereich man die Scheiben platziert und wie man sie ausrichtet. Welche Scheiben man erhält, ist natürlich vom Glück geprägt und jede Scheibe sieht anders aus. Diesen Faktor haben wir aber nicht als störend empfunden, da die Anordnung der Hände nicht ungleichmäßig verteilt ist. Kann man in dieser Runde also eine gewünschte Aktion nicht ausführen, kann man fast sicher sein, dass es im nächsten Zug gelingt.

Dass eine Hand immer auf Honga zeigen sollte, grenzt die Aktionsmöglichkeiten nur geringfügig etwas ein. Da immer noch 1-2 weitere Aktionen möglich sind, kam es in unseren Runden selten vor, dass ein Spieler Honga nehmen musste. Manch eine der SpielerInnen hatte sich jedoch ganz bewusst dafür entschieden, Honga zu sich zu holen. Somit standen mehrere Aktionen zur Verfügung und die von Honga gefressene Nahrung war schnell wieder eingesammelt. Geschickt eingesetzt, kann dies einem Spieler einen fortwährenden Vorteil verschaffen und erscheint etwas unfair. Denn Honga kann nur durch Bonuskarten wieder nach Hause geschickt werden.

Die verschiedenen Aktionsfelder sind sehr gut zu überblicken und die SpielerInnen haben verschiedene Möglichkeiten zu gewinnen. Siegpunkte über das Besteigen des Berges zu generieren haben wir dabei weniger bedeutsam empfunden, wie über die Aufgabenkarten. Dabei helfen vor allem die Bonuskarten, ohne die man bei Honga schnell das Nachsehen hat und auch das Anlocken der Mammuts bringt viele Punkte ein. Die Aktion Mammut erscheint anfangs recht teuer, doch mit diesen lassen sich nicht nur viele Aufgabenkarten erfüllen, auch der Säbelzahn ermutigt zu dieser Aktion. Denn wer die meisten Mammuts anlockt, darf sich bessere Aktionsscheiben (mit mehr Händen) nehmen, so lange der Zahn im Besitz ist.

Honga hat uns wirklich sehr gut gefallen und ist unserer Meinung nach ein tolles Worker-Placement- Familienspiel und ideal um Kinder an Spiele mit Anspruch heranzuführen. Gerade dass Aktionsfelder nicht blockiert werden können und kein Ärgerfaktor vorhanden ist, spielt jüngeren SpielerInnen in die Hände. Es machte in unseren Testrunden aber nicht nur Kindern ab 8 Jahren (mit Spielerfahrung!) Spaß, sondern auch Erwachsenen. Weniger geeignet sehen wir Honga für Vielspieler, die ein Spiel mit hohem Anspruch suchen. Es lässt sich definitiv im Familienspielbereich verorten.

Honga lässt sich unserer Meinung prima in altersgemischten Gruppen spielen und bietet einen einfachen Einstieg mit Spieltiefe und tollem Material und kann daher auf jeden Fall empfohlen werden.

 

BEWERTUNG

+ Hervorragendes Material, auch gut für Kinderhände geeignet
+ schnell zu erlernen
+ flüssiges Spiel, mit eingänglichen Aktionen
+ kurze Spieldauer
+ Aktionsscheiben bieten einen neuen Worker-Placement-Mechanismus
– Honga verschafftbei Tüftlern langfristig Vorteile, bei jüngeren SpielerInnen stellt er keine Gefahr da
– keine Interaktion

(Eine Rezension von Petra Fuchs)

 

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form verwendet wurde.

Keine Rezension kann objektiv sein und soll sie auch nicht. Um trotzdem möglichst neutral zu sein, fließen in diese Rezension neben der intensiven Beschäftigung mit dem Spiel auch meine vielfältigen und langjährigen Spielerfahrungen sowie die angeregten Diskussionen der Mitspieler am Tisch ein.

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele” und “Generationentaugliche Spiele”

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
4.5

Honga (2018)

Autor: Günther Burkhardt
Grafik: Stephanise Böhm
Verlag: Haba

Spieleranzahl: 2-5 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 8 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Ab 8 Jahren mit Spielerfahrung
Spieldauer: 45 Minuten

Generationentauglich: Sehr gut für das Spielen mit verschiedensten Altersstufen geeignet. Durch stabiles Spielmaterial, Vertiefungen in den Spieltableaus und eingänglichen Grafiken auch für Kinder und SeniorInnen geeignet.

Pädagogisch wertvoll: Ideal um an Strategie- und Taktikspiele heranzuführen.

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