Pechvogel – Ein rabenschwarzes Würfelspiel von Zoch (Rezension)

Würfel. Des einen Freud, des anderen Leid. Während so mancher das Würfelglück gepachtet zu haben scheint, verzweifeln andere schon beim schieren Gedanken an diese sechsseitigen Unglücksbringer. Der Zoch Verlag hat sich mit Pechvogel der letzteren Gruppe gewidmet und ein Würfelspiel herausgebracht, bei dem – glaubt man dem Aufdruck der Schachtel – schiefgeht, was schiefgehen kann.


Das Spiel:
Pechvogel ist ein leichtes Würfelspiel ab 8 Jahren von Zoch für 2 bis 5 Spieler. Öffnet man die kleine, quadratische Schachtel, staunt man zunächst nicht schlecht. 13 schwarze Marmorsteinchen – vom Spiel Frustrate genannt – purzeln einem entgegen. Darüber hinaus gibt es eine sogenannte Pechplatte, 7 sechsseitige Würfel, 15 Punktemarker, 1 Murphy-Marker und eine kompakte Anleitung in vier Sprachen. Natürlich alles in schlichtem, unglückverheißendem Schwarz gehalten.

Die Spielregeln sind schnell erklärt und leicht zu erlernen. Reihum versuchen die Spieler, möglichst viele der fünfzehn ausliegenden Punktemarker zu ergattern. Dazu wird mit allen sieben Würfeln gewürfelt, deren Seiten jeweils die Werte 3 bis 7 sowie das Konterfei des rabenschwarzen Pechvogels zeigen. Jeder Spieler darf – wenn er an der Reihe ist – bis zu drei Mal würfeln. Beim ersten Wurf muss man sich entscheiden, welche Zahl man sammeln möchte und legt alle Würfel mit dieser Zahl auf die Pechplatte. Alle gewürfelten Pechvögel müssen (!) gesammelt und ebenfalls auf die Pechplatte gelegt werden. Sobald man mindestens viermal die gesammelte Zahl gewürfelt hat, hört man auf und nimmt sich den entsprechenden Punktemarker. Ist der gewünschte Punktemarker nicht mehr vorhanden, darf man ihn einem Mitspieler klauen und stattdessen einen beliebigen anderen Marker zurück in die Schachtel befördern. Hat man drei Pechvögel gewürfelt, ist der Zug ebenfalls vorbei und man wird frustriert, muss sich also einen der 13 Frustrate nehmen und in den eigenen Vorrat legen. Sammelt man versehentlich mehr als vier Werte oder mehr als drei Pechvögel, ist man rabgierig und erhält außerdem den Murphy-Marker, der zum Spielende zusätzliche Minuspunkte einbringt. Das Spiel endet, sobald alle Punktemarker aufgebraucht sind. Die Punktemarker werden addiert, Frustrate im eigenen Vorrat ergeben Minuspunkte. Der Spieler mit der höchsten Punktzahl gewinnt das Spiel.

Dieses simple und recht eintönige Spielprinzip wird durch die besagten Frustrate (Marmorsteinchen) etwas aufgepeppt. Hat man davon mindestens eines gesammelt, kann man es einmal während seines Zuges zurück in den allgemeinen Vorrat legen um seinen gesamten Wurf – mit Ausnahme aller Würfel, die bereits auf der Pechplatte liegen – noch einmal würfeln zu dürfen. Während des Zuges eines Mitspielers kann man eines seiner Frustrate auf die Pechplatte legen um ihn zum Neuwurf zu zwingen. In diesem Moment können sich alle anderen Mitspieler beteiligen und ebenfalls eines ihrer Frustrate auf die Pechplatte legen. Schafft es dann der aktuell würfelnde Spieler in seinem Zug nicht, vier Würfel mit dem gleichem Wert zu sammeln, muss er – statt eines Frustrates aus dem allgemeinen Vorrat – nun alle auf der Pechplatte abgelegten Frustrate seiner Mitspieler an sich nehmen. Schafft er es aber doch, müssen alle Spieler, die ein Frustrat auf die Frustplatte gelegt haben, ihres zurücknehmen und bekommen ein zusätzliches Frustrat vom erfolgreichen Spieler oder aus dem allgemeinen Vorrat.

Daraus ergibt sich ein munteres hin und her der pechschwarzen Marmorsteinchen und in unseren Runden kam es durchaus vor, dass der Vorrat zur neige ging und man sich irgendeinen adäquaten Ersatz besorgen musste.


Fazit
:
Pechvogel brüstet sich damit, ein frustrierendes Spiel zu sein. Und damit hat es nicht unrecht. Der Frust entsteht aber weniger durch den Einsatz der hübschen schwarzen Marmorsteinchen, sondern vielmehr durch die einhundertprozentige Abhängigkeit von Glück. Man hat nie das Gefühl, den Ausgang des Spiels tatsächlich zu seinen Gunsten beeinflussen zu können. Die Frustrate sind ein nettes Gimmick, täuschen aber nicht darüber hinweg, dass es am Ende “nur” ein simples, repetitives Würfelspiel ist, bei dem man ein wenig fies zu seinen Mitspielern sein darf. Wer Spaß an solchen Dingen hat, darf Pechvogel gerne eine Chance geben. Allen anderen sei geraten sein Glück… äh… Pech mit einem anderen Spiel zu versuchen.

 

Bewertung:
+ Einfach zu erlernen
+ Hochwertiges Spielmaterial (Marmorsteinchen)
– Wiederholt sich schnell
– Sehr glückslastig

 

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form wurde.

(Eine Rezension von Marco Dirscherl)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”

  • ... Altersgruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
  • ... Altersgruppe ab 75 Jahre
2.1

Pechvogel (2018)

Autor: Peter Jürgensen
Grafik
: Doris Matthäus
Verlag: Zoch
Spieleranzahl: 2-6 Spieler
Altersempfehlung Verlag: ab 8 Jahre
Spieldauer: ca. 20 Minuten

Generationentauglichkeit: Ja, wenn man glückslastige Spiele mag. Und da das Spielsystem von Jung bis Alt gut zu begreifen ist.

Über Marco

Film-, TV- und Brettspiel-Junkie. Podcaster aus Leidenschaft.