Neues und Altes bei den Raben – das Corax-Presse-Event

Ein altes verfallenes Kloster, ein längst weltlich genutzter Kirchenraum, Holzfeuer im urigen Klostergarten – eine Location, die cool und phantastisch ist. Ich spreche vom alten Kloster in Merseburg (gut dass es einen Verein gibt, der dieses wunderschöne Gemäuer zu erhalten versucht). Und ich spreche vom Einladungswochenende des Corax-Verlags. Der Ort gab die richtige Stimmung vor für einen sehr intensiven und doch entspannten Event.

So konnten die eingeladenen Blogger und andere Leute der berichtenden Zunft nicht nur den ganzen Tag spielen, sie lernten auch Autoren kennen und hatten die Gelegenheit, Prototypen zu testen und sich mit den jeweiligen Autoren auszutauschen.

Die Betreuung war gut, die Regelraben, wie die Spieleerklärer sich nannten (Corax = Rabe), hatten viel zu tun, aber schafften ihre Aufgabe mit Bravour. Alle Tische waren bis spät in die Nacht belegt, aber auch viele gute Gespräche kamen zustande und die Verpflegung – urig und gemütlich über dem Lagerfeuer gekocht und gegrillt – tat nach vielen Spielen gut.

Corax-Games hat einige interessante Dinge in der Pipeline. Schwerpunkt bei dem noch jungen Verlag, der zum Beispiel „Champions of Midgard“, „Tudor“ oder „Half Pint Heroes“ im Programm hat, liegt auf konfrontative, taktische Spiele. Das Miteinander-Spielen (auch wenn das meist ein Gegeneinander ist) ist wesentlicher Bestandteil jedes Corax-Spiels, ebenso die Ausrichtung auf taktische Entscheidungen. Und ganz in diesem Sinne lauern ein paar neue Dinge auf SpielerInnen jeden Typs. Angespielt werden konnten einige Neuigkeiten, die aber noch in der redaktionellen Bearbeitung stecken, manche ziemlich marktfertig, manche haben noch viel Feinschliff vor sich. Aber man merkte den Leuten an, mit wie viel Eifer und Leidenschaft sie an der Entwicklung der Spiele dran sind. Da freuen wir SpielerInnen uns auf die nächsten Jahre.

Dass ich hier nicht mehr schreiben oder gar Bilder zeigen darf, ist verständlich. Das alles ist „top secret“. Worüber ich schreiben darf, sind Spiele, die dieses Jahr in Essen herauskommen.

Der Nachfolger von „Champions of Midgard“ – „Reavers of Midgard“ – ist ein deutlich leichterer Bruder, die fast überwältigenden Möglichkeiten des großen Bruders wurden reduziert und das Spiel gestreamlined und rundgeschliffen. So ergibt sich ein deutlich zugänglicheres Spiel auch für Familien mit Spielerfahrung. Die Hardcore-SpielerInnen werden die Spieltiefe vermissen, aber die haben ja den hervorragenden großen Bruder.

Ein weiteres Spiel für Essen ist “Steamopolis“ – ein Arbeiter-Einsetz-Spiel im Steampunk-Umfeld. Zunächst gelingt es dem Spiel ganz hervorragend, die SpielerInnen mit Möglichkeiten zu erschlagen. Unzählige Aktionsfelder machen den Einstieg zu einer deutlichen Hürde. Einmal im Spiel angekommen, läuft es ziemlich geradlinig, die Möglichkeiten hat man schnell im Griff – gemeistert ist das Spiel deswegen aber noch lange nicht. Der Ersteindruck war überwiegend positiv, eine genauere Beurteilung benötigt noch ein paar Partien.

Noch einige andere spielenswerte Spiele hat der Corax-Verlag für Essen vorbereitet. Leider konnte ich nicht alle Spiele anspielen (da waren die Prototypen dann doch viel zu reizvoll). Aber das Echo war durchwegs positiv.

Ich wünsche dem Corax-Spieleverlag alles Gute, nicht nur, weil ich gerne wieder in dieser stimmigen Location ein Spielwochenende verbringen möchte. Es hat Spaß gemacht bei euch.

Dass in Merseburg nicht nur der Rabe, sondern noch ganz anderes beheimatet ist, darüber demnächst mehr.

(Ein Bericht von Gerhard Hany)

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