Kniffelnd durch Amerika – Bahnfahrt mit “Trainmaker” zieht sich (Rezension)

Ein Zugspiel, ausgehendes 19. Jahrhundert, in Amerika. Gibt es schon? Ja klar, wie Weichen auf einem Rangierbahnhof. Aber hier kommt ein neuer Zugang zu diesem Thema. Kein mühsames Gleisbauen, kein arbeitsames Aktienpokern. Wir machen es uns einfach und greifen zum Würfel.

Trainmaker ist ein Würfelspiel, nicht mehr und nicht weniger. Einer der typischen Vertreter der „Push your luck“-Spiele, der „Probier dein Glück“-Fraktion. Wir alle kennen Kniffel und hier haben wir eine weitere Variante. Die aber garniert ist mit ein paar interessanten Gewürzen.

Der Ablauf eine Spielzugs ist einfach. Wir würfeln alle sieben Würfel. Diese zeigen verschiedene Symbole, Lokomotive, verschiedenfarbige Waggons und den Dienstwaggon.

Unsere erste Aufgabe ist es, einen Zug zu beginnen. Dazu müssen wir eine Lokomotive und einen Waggon auswählen. Haben wir keine Lokomotive gewürfelt, erhalten wir einen Marker, der uns später im Spiel helfen kann. Dafür ist aber unser Zug schon beendet. Natürlich können wir unseren Zug um weitere Waggon-Würfel ergänzen. Die nicht benutzten dürfen wir wieder würfeln, müssen anschließend aber mindestens einen Würfel an den Zug anbauen können. Das können wir solange weiterführen, bis wir entweder keinen Würfel anbauen können (Zug entgleist, keine Punkte) oder alle Würfel verbaut sind. Wir können jederzeit früher aufhören. Wichtig ist nur, dass unser gebauter Zug einen Dienstwaggon am Ende hat. Sollte uns das nicht gelingen → entgleist, keine Punkte.

Haben wir einen schönen Zug gebaut und sind nicht entgleist, sollten die Farben der Waggons mit einer der drei Karten übereinstimmen, denn nur dann können wir diese Karte an uns nehmen. Also der schönste Zug nutzt nichts, wenn nicht auch eine entsprechende Karte ausliegt.

Auf den Karten befinden sich Symbole für bestimmte Waren, sechs an der Zahl plus einem Jokersymbol. Und letztendlich geht es um diese Symbole. Zum einen gewinnt, wer zuerst einen kompletten Satz aller sechs Waren zusammen hat. Das Spiel endet auch, wenn man seine geheime Aufgabe erfüllt, die man zu Spielbeginn erhalten hat.

Relativ simpel und doch ausgesprochen zäh zu spielen. Denn nicht in jeder Runde schafft man die Anforderungen an den richtigen Zug, und noch seltener gelingt der Abschluss mit einem Dienstwaggon. So zieht sich das Spiel und es kommt vor, dass man über mehrere Runden keinen Zug zusammenbringt. Das ist frustrierend und unnötig. Zwar kann man mit dem Marker etwas beeinflussen, der lässt uns nämlich einen Würfel auf eine gewünschte Seite drehen. Aber man kann nur einen Marker erhalten und erhält ihn nur, wenn man mit dem ersten Wurf keine Lokomotive würfelt. Es gab bei uns Spiele, da wurden nur ein oder zwei Marker vergeben, und wohl nur einer von fünf Würfe führte nicht zum Entgleisen.

Das ist mühsam und macht früher oder später keinen Spaß mehr. Hat man anfangs noch Schadenfreude an den misslungenen Würfen der Mitspieler, kehrt sich das Gefühl schnell um und man wünscht sich nichts mehr, als dass die Würfe gelingen mögen und das Spiel beendet wird.

Wem das Würfeln Spaß macht und man mit einem vielleicht sehr langen zähen Spielfluss leben kann, hat hier eine schön gestaltete Kniffel-Variante auf dem Tisch. Das Material ist sehr gut und die Grafiken spielfreundlich.

Eine wenig fordernde Solo-Variante ist im Spiel, so kann man sich allein die Zeit vertreiben. Das Spiel funktioniert mit 2-6 Spielern gleich, nur der Frustfaktor wird mit mehr Spielern immer größer, denn häufen sich die Fehlwürfe, dauert es einfach zu lange, bis man wieder am Zug ist.

 

FAZIT

Trainmaker von Chris Leder, Grafiken von Jason Glover und Chris Leder, für 1-6 Spieler ab 14, erschienen 2018 bei Alderac Entertainment Group AEG, ist ein „Probier dein Glück“-Spiel, eine Kniffel-Variante, die es einem aber schwer macht. Denn es gibt nur gelungene und misslungene Würfe und die letzten überwiegen deutlich. Unnötig schwer wird die Aufgabe mit der Pflicht, den gebauten Zug mit einem gewürfelten Dienstwaggon abzuschließen. Wer Würfelspiele mag, hat eine interessante Variante auf dem Tisch, für andere kann es schnell zäh und frustrierend werden. Meine Empfehlung: Nur für Würfel-Enthusiasten empfehlenswert.

Übrigens: Auf der Schachtel steht ab 14 Jahren. Gespielt werden kann es problemlos ab 8.

 

BEWERTUNG

+ tolle Grafiken und große Karten
+ solide Würfel
– unnötig schwer, zu viele Fehlwürfe
– mit 5-6 Spieler zu zäh und langwierig
– mit Solo-Variante, die aber wenig fordernd ist

 

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form verwendet wurde.

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel” 

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altergruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
3.2

Trainmaker

Autor: Chris Leder
Grafik: Jason Glover, Chris Leder
Verlag: Alderac Entertainment Group AEG
Spieleranzahl: 1-6 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 14 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Ab 8 Jahren
Spieldauer: 45 Minuten

Generationentauglich: Dank der großen Würfel und Karten sehr gut für alle Altersgruppen spielbar.

Kommentare sind geschlossen.