Gratis-Rollenspiel-Tag 23.03.2019 – Pen&Paper für Einsteiger UND Erfahrene :)


(Termin und Details folgen am Ende des Textes!)

Grünlich schimmerte das Moos von der Höhlenwand, und zog alle Schatten widernatürlich in die Länge. Entschlossen fasste Prinzessin Rahlia von Methunis ihren Degen fester, schob eine Hand voll Schlingpflanzen zur Seite, und setzte ihren Weg fort.
Die Gefährten, der Sohn des Schmieds und die verschrobene Waldhexe, lärmten im Gang hinter ihr mit dem Gepäck. Ständig stritten sie miteinander, und waren doch die Einzigen, die den Mut besessen hatten, ihr hinab in die uralten Stollen zu folgen. Mochten sie auf Schätze aus sein, auf lange verschüttete Weisheit oder schlicht auf Abenteuer, einerlei. Sie standen treu zu ihr, wenn sonst niemand es wagte. Wo die vorgeblich tapferen Wachen und Fechtlehrer zurückschreckten und sich auf Befehle ihres fernen Herrn beriefen, so sah wahrer Heldenmut aus!

Prinzessin Rahlia durchtrennte weitere Ranken mit einem raschen Streich ihrer Klinge. Da mischte sich etwas anderes in den frischen Geruch nach bitterem Pflanzensaft. Süßer, vertrauter; ein kunstvoll gemischtes Duftwasser. Rahlia hätte es unter tausenden wieder erkannt. Er war hier durch gekommen! Diesen Weg hatte der Dämon ihren Liebsten geschleift, und auf diesem Weg würde sie ihn erretten. „Hier lang!“, rief sie den Gefährten zu „Schnell!“ Ihre Stiefel krachten als sie vorwärts preschte, durch die Ranken, über das Moos, tiefer in die finsteren Höhlen. Schon meinte sie, die Umrisse des niederhöllischen Übeltäters vor sich im Schatten lauern zu sehen. Es schien als wolle er flüchten, sich vor ihr verbergen. Doch dergleichen würde sie niemals zulassen!

Mit gezogenem Degen sprang Rahlia um die Ecke, und sah etwas, das sie niemals erwartet hatte…
Übler ging es immer. Jax McMurderpants blickte kurz zum Himmel, essigsaurer Regen lief ihm übers Gesicht. Hätte er nicht längst seine organischen Augen durch cybernetische Implantate ersetzen lassen, er hätte sich blenden können. Stattdessen wischte er beständig durch die Luft, um die besonders lästigen Werbeeinblendungen fort zu wischen. Die konnte er jetzt am allerwenigsten gebrauchen.

Er fror, aber das war nichts Neues. In den lichtlosen Schatten, die von den Hochhäusern und Arkologien der Megakonzerne geworfen wurden, fror jeder der nicht hinein durfte. Auch wenn es in Jax Fall einen guten Grund dafür gab. Er wandte sich um und spuckte aus, bevor ihm die Säure noch den Chrom von den Zähnen fraß. Dann war es soweit. Durch das Dickicht von Fett-weg-Anzeigen und Werbung für cybernetische Lebern der neuesten Generation, kämpfte sich ein Programm in sein Sichtfeld, dass er erwartete. Es sah aus wie ein Geist, ganz klassisch mit Bettuch, fleckigen Gesichtszügen und rostiger Rasselkette. Das kleine Datenkonstrukt schwebte vor ihm auf und ab, begleitet von Geräuschen die wohl gruslig sein sollten. Jax schenkte der Scharade keine Beachtung, sondern entriss ihm mit einem Zugriff direkt aus seiner Hirnbuchse die ersehnte Information. Tatsächlich, er hatte den Exploit gefunden. Gierig leckte er sich die blutigen Lippen. Sofort setzte er ein weiteres Programm darauf an, ein stepptanzes Skelett mit Zylinder. Dieses nahm einen Knochen nach dem anderen aus seinem virtuellen Körper, und probierte jeden an einem unscharf dargestellten Schloss. Es klackte so laut, dass Jax fürchtete einen Schlag auf den Schädel bekommen zu haben.

Doch statt dessen öffnete sich eine nahe Tür.
Jax McMurderpants verlor keine Zeit und trat ein. Was er dort sah, ließ ihn erstarren…
Pater Gotthilf Müller seufzte erschöpft. Er schloss die Tür hinter sich und öffnete den Kragen seiner Soutane. Der Stuhl aus Bambussprossen glänzte im Abendlicht, das Blatt der Riesenseerose das er als Vorhang benutzte, war schon wieder schlaff geworden. In der Ferne röhrte ein Brontosaurier. Es war feucht, immer und überall war es feucht.

Angeblich hatte jemand in Venusstadt ein Haus gebaut, dessen Inneres mit Hilfe großer Maschinen kühl und trocken gehalten wurde. In der Hauptstadt des Deutschen Schutzgebietes war so einiges möglich. Womöglich konnte Gotthilf es sich selbst ansehen, wenn die geplante Bahnstrecke tatsächlich durch den Dschungel gelegt wurde, um die verstreuten Missionarslager miteinander zu verbinden. Gotthilf lächelte in sich hinein. Nun, es eilte nicht unbedingt. Vorsichtig wandte er sich zum Fenster, hob das große Blatt auf und steckte es wieder auf die Nägel über dem Fensterrahmen. Für einen Tag würde es schon noch halten.

Dann ging der Pater ans Werk. Er schob das Bett zur Seite, hob den Boden darunter an und schob den Stuhl in die entstandene Lücke. Modriger Dunst stieg aus der Grube empor, doch davon ließ sich Gotthilf nicht aufhalten. Er zog den Saum der Soutane in die Höhe, und über die mühsam ausgetretenen Treppenstufen hinab. Noch hatte es niemand bemerkt, was die dankbaren einheimischen Echensmenschen ihm brachten. Sie waren so dankbar für ihr Seelenheil, das ihnen ohne die Bemühungen der Mission auf ewig verwehrt geblieben wäre. Seit sie wussten, dass er sie schätzte, brachten sie ihm daher die gelblich schimmernden Steine, die sie an verborgenen Stellen aus dem Flusschlamm gruben. Schließlich war es für diese Wilden nicht mehr als hübsch.

Doch wo der Pater sich auf den Anblick von Regalmetern voller Goldnuggets freute, nahm ihn nun die gähnende Leere in Empfang. Eisiger Schrecken durchzuckte Gotthilf bis ins Mark. Diebstahl! Wer wagte es, die heilige Kirche zu bestehlen? Und Wie? Er wandte sich um, und sah die frischen Ränder eines Tunnels, so frisch dass noch der Nebeldunst aus dem Erdreich stieg. Voll heiligem Zorn hastete Gotthilf den Dieben nach, doch was er vorfand, erschütterte seinen Glauben…

Sweety Cakes galoppierte den Hügel hinab. Ihr Hufe flogen über den trockenen Boden und wirbelten Wolken aus Staub hinter ihr auf. Keuchend bemühte sie sich, den Zauber noch länger aufrecht zu halten, doch fühlte sie bereits wie die Kraft in ihrem Horn erlahmte.

Das hellblaue Einhorn setzte über einen Graben, der von einem gurgelnden Bach gegraben wurde. Rings um sie stoben die Schmetterlinge auf, gierig und suchend. Die kleinen Leckermäuler versuchten an die Kuchen heran zu kommen. Ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass jeder einzelne Kuchen den sie trug, für ein Pony auf dem großen Fest bestimmt war. Die Schmetterlinge würden alles wegfressen. Zumindest versuchten sie es, bis sie an den smaragdenen Schimmer der glimmenden Zauberaura prallten. Triumphierend wieherte Sweety Cakes auf, so laut dass es im ganzen Tal wieder klang. Sie konnte es schaffen! Sie konnte die Kuchen noch rechtzeitig zum Fest bringen.

Und dann fehlte ihr plötzlich der Boden unter den Hufen.
Wiehernd stürzte Sweety Cakes nach unten, in eine Grube die zuvor noch nicht dagewesen war. Ihre Hufe schlugen durch die Luft, doch bekam sie zumindest den rutschigen Abhang noch darunter. Es war nicht viel, doch es genügte um aus ihrem freien Fall ein unkontrolliertes Purzeln zu machen. Als sie unten ankam klatschten die ersten Kuchen mit lautem Schmatzen neben ihr auf. Sweety Cakes stieß einen Schreckensschrei aus und wirkte den Tragezauber schnell neu. Es fühlte sich an, als würde ihr Horn gleich zerspringen. Erst als sie zumindest die verbliebenen Kuchen abgefangen hatte, und diese sicher in einer grünlichen Glitzerwolke über ihrem Kopf kreisten, wagte sie es sich umzusehen. Für einen Augenblick wünschte sie sich, ihr Horn gegen ein paar Pegasusflügel eintauschen zu können, dann wäre es kein Problem gewesen wieder hinauf zu kommen. So allerdings schien es aussichtslos, und sie hatte nun ohnehin zu wenig Kuchen.

Seufzend wandte sie sich um, suchte nach einem Weg der womöglich zu einen anderen Ausgang führte. Sie hörte ein Geräusch, wie Stühle die über glatten Boden gezogen wurden. Auf den Hufspitzen tänzelte sie vorsichtig in Richtung dieser seltsamen Klänge. Sie hoffte auf einen Weg zurück unter den Himmel, doch hätte sie sich nie erträumen können, wohin sie stattdessen gelangte…

Und so begegnen sie sich, in einem trockenen, gemütlichen Raum voller Tische und Stühle.
Die entschlossene Prinzessin, den Degen zur Abwehr erhoben. Der Decker, dem die Geister des Cyberspace ihre Geheimnisse zuflüstern. Der Missionar aus der deutschen Kolonie auf der Venus des Jahres 1889. Und das hellblaue Einhornpony, auf dem Weg ihre Kuchen abzuliefern.
Sie alle, und soviele mehr, sehen zu dir auf, lieber Leser.

 

Triff sie und ihresgleichen am 23.03.2019 in der Kolpingstr. 14, 84347 Pfarrkirchen zum Gratis-Rollenspieltag.
Sie alle warten darauf zu erfahren, wie ihre Geschichten weitergehen.

Infos und Anmeldung bei Petra Fuchs, petra(at)jungundaltspielt.de, 0176-47611950

 

Folgende Systeme können gespielt werden:
Splittermond, D&D 5, DSA 5, How to be a Hero, Private Eye, Star Trek
Weitere Systeme bringen wir zum Anschauen mit!
Für Einsteiger und Neugiere gibt es Einsteigerabenteuer und fertige Charaktere. Man kann sich daher auch wunderbar verschiedene Systeme anschauen. Spielleiter sind vor Ort, aber es dürfen sich gerne weitere anschließen!
Wir haben auch ein Rollenspiel für Kinder vor Ort – jeder kann vorbeikommen, von Jung bis Alt!

Copyright 2012, Oliver Karch

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Text verfasst von: Ulrich Reimer

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