Gedrängel am Futterhäuschen – Piepmatz von Lookout Spiele (Rezension)

Wer hat sich nicht schon einmal im Winter beim Blick aus dem Fenster an den Vögeln erfreut, die sich um die leckersten Körner im Futterhäuschen zanken. Piepmatz von Lookout Spiele greift diese Thematik auf und packt den Kampf um die besten Plätze und die erlesensten Körner in ein wunderschön illustriertes Kartenspiel für 2 bis 4 Personen.

 

Spielablauf:

Aus den 110 Spielkarten sucht man sich zunächst das Futterhäuschen und legt es mit der der Spieleranzahl entsprechenden Seite nach oben offen aus. Danach mischt man die 36 Futterkarten und legt vier davon offen in eine Reihe über das Futterhäuschen. Die restlichen Futterkarten bilden einen verdeckten Nachziehstapel am oberen Ende dieser Reihe. Nun werden die 72 Vogelkarten gemischt. Jeder Spieler erhält vier davon auf die Hand, die er vor den Mitspielern geheim hält. Jeweils eine Vogelkarte wird offen an jeden Futterplatz des Futterhäuschens gelegt. Aus den restlichen Vogelkarten wird der verdeckte Vogelstapel gebildet. Drei Karten davon werden gezogen und offen neben den Vogelstapel gelegt. Wer laut Anleitung “zuletzt einen Singvogel gesehen hat” erhält die Startspielerkarte, die er vor sich ablegt und das ganze Spiel über behält.

Ziel des Spiels ist es nun, durch das Sammeln von Körnen, Vogelpaaren und Mehrheiten möglichst viele Punkte zu ergattern. Ist man am Zug, muss man eine seiner vier Vogelkarten an einen der Futterplätze anlegen. Der erste Vogel jeder Reihe sitzt quasi direkt am Futterplatz und schnabuliert gerade Körner. Alle weiteren Vögel einer Reihe sitzen auf dem Boden und warten auf ihre Chance, selbst direkt ans Futterhäuschen zu gelangen. Vogelkarten müssen grundsätzlich immer an das Ende einer Reihe gespielt werden. Wartende Vögel werden nach unten versetzt angelegt, damit sie besser als solche zu erkennen sind.

Beim Anlegen jeder neuer Karte beginnt ein kleines Rechenspiel. Jede Vogelkarte hat einen Zahlenwert von 1 bis 6. Ist nach dem Ausspielen einer Vogelkarte die Summe aller wartenden Vögel in einer Reihe – also aller Vögel am Boden – kleiner oder gleich dem Zahlenwert des Vogels direkt am Futterplatz, passiert nichts weiter. Der Spieler darf aber eine Karte von seiner Hand direkt in seine persönliche, offen ausliegende Vogelsammlung legen, wobei der Zahlenwert dieser Karte nicht größer als der Zahlenwert des Vogels sein darf, den er soeben ausgespielt hat. Ist die Summe der Zahlenwerte aller Vögel am Boden größer als der Zahlenwert des Vogels direkt am Futterplatz, bestimmt die Differenz dieser beiden Zahlen die Position der Futterkarte über dem Futterhäuschen, die man sich nehmen muss. Liegt also ein Vogel mit dem Zahlenwert 3 am Futterplatz und die Summe aller Zahlenwerte am Boden beträgt 5, muss man sich die zweite Futterkarte von unten nehmen und verdeckt in seinen Vorrat legen. Bei einer Differenz von 5 oder mehr muss man die oberste Karte vom verdeckten Futterstapel ziehen, sie seinen Mitspielern zeigen und sie ebenfalls zum eigenen Vorrat legen. Gegebenenfalls neben den Futterkarten ausliegenden Ärgerkarten (Krähen oder Eichhörnchen) bringen negative Effekte mit sich, die sofort abgehandelt werden müssen.

Als nächstes wandert der Vogel direkt am Futterplatz offen in die Sammlung (nicht auf die Hand!) des Spielers. Von den übrigen Vögeln am Boden rückt nun der Vogel mit dem höchsten Zahlenwert direkt an den Futterplatz. Bei Vögeln mit gleichen Zahlenwerten rückt der Vogel an den Futterplatz, der  ihm am nächsten sitzt. Alle anderen Piepmatze rücken auf, ohne ihre Reihenfolge zu verändern. Dann beginnt das Rechenspiel erneut, so dass sich wahre Kettenreaktionen ergeben können. Und zwar so lange, bis die Summe aller Vögel am Boden wieder kleiner oder gleich des Zahlenwerts der Vogelkarte am Futterplatz ist. Am Ende zieht man wieder auf 4 Handkarten nach, wobei man sich an der offenen Auslage bedienen oder vom verdeckten Vogelkarten-Stapel ziehen darf. Das Spiel endet, sobald alle Karten vom Futterstapel aufgebraucht sind. Dann wird die eigene Sammlung gewertet bzw. mit der Sammlung anderer Spieler verglichen. Vogelpaare ergeben 5 Punkte, bei Mehrheiten – also Vogelkarten einer Farbe – werden die Punktewerte (Eier) aller Vögel dieser Art aufsummiert. Am Ende addiert man noch die Punkte (Eier) auf den gesammelten Futterkarten. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.

Spielgefühl:

Zugegeben, Piepmatz macht einem den Einstieg nicht gerade leicht, zumal der niedliche Titel ein eher seichteres Spiel vermuten lässt. Die Anleitung ist strukturiert und verständlich geschrieben, man sollte sich aber darauf einstellen, dass die ersten Partien noch etwas holprig ablaufen. Da man die eigenen Handkarten nicht willkürlich und möglichst gewinnbringend seiner eigenen Sammlung hinzufügen kann, besteht die Herausforderung darin, den richtigen Zeitpunkt und die richtige Vogelreihe abzupassen, um an die gewünschten Vogel- oder Futterkarten zu gelangen. Daher rechnet man im Kopf ständig die Zahlenwerte zusammen und statt ausgelassener Stimmung herrscht am Tisch meist höchste Konzentration. Natürlich gibt es auch noch die Mitspieler, die einem das ein oder andere Mal einen Strich durch die (Kopf-) Rechnung machen. Das macht das Spiel vor allem mit 3 oder 4 Spielern deutlich unberechenbarer als in einer 2er Partie, trotzdem wird man ausreichend oft für seine Aktionen belohnt. Vor allem die eingangs beschriebenen Kettenreaktionen bescheren den ein oder anderen Punkteregen.

 

Fazit:

Gelegenheits- und Wenigspieler, die auf der Suche nach einem einfachen, kurzweiligen Kartenspiel sind, sollten sich von dem hübschen Äußeren nicht täuschen lassen und mit Vorsicht zu Piepmatz greifen. Entgegen des Aufdrucks der Schachtel eignet es sich nur bedingt für die ganze Familie, da die Spielmechanik ständiges Kopfrechnen verlangt und insbesondere jüngere Spieler überfordern könnte. Wer allerdings nach einem etwas anspruchsvolleren Kartenspiel abseits des sonstigen Allerleis sucht, dem sei Piepmatz wärmstens ans Herz gelegt.

 

Bewertung:

+ Wunderschöne Illustrationen
+ Angenehm herausfordernd
– Etwas holpriger Einstieg
– Für Familien nur bedingt geeignet

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form wurde.

(Eine Rezension von Marco Dirscherl)

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Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
3.7

Piepmatz (2018)

Autoren: Matt Riddle und Ben Pinchback
Grafik: Mike Langman
Verlag: Lookout Spiele
Spielerzahl: 2 bis 4
Altersempfehlung Verlag: ab 10 Jahre
Spieldauer: ca. 30 Minuten

Über Marco

Film-, TV- und Brettspiel-Junkie. Podcaster aus Leidenschaft.