Ein Krimi im Hosentaschenformat – Sherlock – Tod am 4. Juli von ABACUSSPIELE (Rezension)

Wer heutzutage ein bisschen Detektiv spielen will, dem bietet der Brettspielmarkt ein breites Angebot. ABACUSSPIELE hat mit der Sherlock-Reihe ein mittlerweile sechs Teile umfassendes, kooperatives Spielsystem für 1-8 Spieler ab 12 Jahren entwickelt, das locker in die Hosentasche passt und es auf die Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2019 geschafft hat. Wir haben uns mit Sherlock – Tod am 4. Juli den zweiten Teil dieser Reihe angesehen.

 

Spielgefühl:

Eines gleich Vorweg: Mit Sherlock Holmes hat diese Spielereihe ungefähr so viel zu tun wie Weihnachten mit dem Tag der Arbeit. Ich vermute, dass der Titel lediglich das Genre vermitteln soll, denn weder tritt der Meisterdetektiv selbst in Erscheinung, noch findet man sich in den Straßen Londons des späten 18. Jahrhunderts wieder. Die einzelnen, erhältlichen Teile haben im Übrigen außer dem Titel Sherlock nichts gemeinsam, hängen also nicht zusammen und müssen auch nicht in einer vorgegebenen Reihenfolge gespielt werden.

Wir hatten mit unserer Partie Sherlock – Tod am 4. Juli durchaus unseren Spaß, fühlten uns am Ende aber ein wenig unterfordert, obwohl gerade diese Ausgabe dem oberen Ende des von ABACUSSPIELE aufgedruckten Schwierigkeitsgrads zugeordnet wird. Ob dies nun purem Kartenglück oder tatsächlich unseren Spürnasen zuzuschreiben ist, vermag ich nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Das es eine Zielgruppe gibt, die mit der Sherlock-Reihe genau die richtige Balance zwischen Herausforderung und Zeitaufwand findet, steht jedoch außer Frage.

Im Rahmen seiner Möglichkeiten bietet dieser Miniatur-Krimi ein sehr kurzweiliges Rätselvergnügen. Die Spielmechanik ist sehr einsteigerfreundlich und die wenigen Regeln sind schnell erklärt. Gerade in größeren Gruppen dürften die am Ende entstehenden Diskussionen um mögliche und unmögliche Theorien einiges an Dynamik gewinnen.  Dem Wertungsmechanismus sollte man allerdings nicht zu viel Bedeutung beimessen. Denn selbst wenn man am Ende alle Fragen richtig beantwortet, werden falsch abgelegte Hinweise (Karten) als Minuspunkte gewertet und verschlechtern das Gesamtergebnis.

Im gut sortierten Fach- oder Versandhandel wird mit Sherlock – Verbleib unbekannt ein kostenloses und vollständiges Demo-Spiel angeboten, das zwar ohne Verpackung und Faltzettel (den kann man sich kostenlos im Internet ansehen und herunterladen) auskommt, dafür aber die Gelegenheit bietet, das Spielsystem zu testen, ohne dafür gleich Geld ausgeben zu müssen. Ein sehr kundenfreundlicher Service von ABACUSSPIELE, den es besonders hervorzuheben gilt.

Schön ist auch, dass das Spielmaterial weder zerstört noch beschriftet wird und – mit Ausnahme der obersten Karte – nicht wieder in eine bestimmte Reihenfolge gebracht werden muss. Somit besitzen die einzelnen Teile der Sherlock-Reihe zwar praktisch keinen Wiederspielwert, können jedoch an anderen Gruppen weitergegeben werden.

 Spielablauf:

Die Verpackung enthält ein Deck mit 33 Karten und ein Faltblatt. Die oberste Karte wird offen in die Tischmitte gelegt. Die restlichen Karten werden gemischt und jeder Spieler erhält 3 (ab 6 Spielern: 2) Handkarten. Der Rest wird als verdeckter Nachziehstapel ebenfalls in der Tischmitte bereitgelegt. Einer der Spieler nimmt das Faltblatt zur Hand, liest den kurzen Einleitungstext vor und schon geht es los.

Auf den Karten finden sich diverse Hinweise (Fotos, Texte, etc.) zum vorliegenden Fall. Manche davon sind relevant, manche davon sind falsche Fährten und für die Lösung unbedeutend. Der Clou: die Spieler dürfen sich nur sehr eingeschränkt über ihre Handkarten unterhalten. Nur besonders hervorgehobene Textpassagen oder Hinweise dürfen offen kommuniziert werden. Ansonsten muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er einen Hinweis als wichtig oder unwichtig einstuft. Reihum wählt nun jeder Spieler eine seiner Handkarten aus uns legt sie entweder offen in die Tischmitte oder verdeckt auf einen gemeinsamen Ablagestapel.  Danach nimmt er einen neuen Hinweis vom Nachziehstapel und der nächste Spieler ist an der Reihe.

Dies geht so lange bis der Nachziehstapel aufgebraucht ist und alle Handkarten ausgespielt wurden. Am Ende müssen mindestens 6 Hinweise als unwichtig eingestuft worden sein und auf dem gemeinsamen Ablagestapel liegen. Nun darf wie wild über die ausliegenden Karten diskutiert und Theorien zur Lösung des Falls entwickelt werden. Die verdeckten Karten des Ablagestapels bleiben dabei nach wie vor tabu, allerdings darf man sich seines Erinnerungsvermögens bedienen und jetzt auch über die abgelegten Hinweise sprechen.

Sobald man sich auf eine Theorie geeinigt hat, nimmt man das Faltblatt wieder zur Hand, öffnet den versiegelten Bereich und beantwortet die Fragen zum vorliegenden Fall. Je nach Anzahl der korrekten Antworten ergibt sich eine Punktezahl, die durch falsch abgelegte Hinweise gemindert wird. Die verbleibenden Punkte können mit einer Bewertungsskala verglichen werden, die einem Auskunft darüber gibt, wie gut (oder schlecht) man abgeschnitten hat.

Bewertung:
+ Günstig
+ Einfache Regeln

+ Kurze Spieldauer
+ Moderater Schwierigkeitsgrad

– Kurze Spieldauer
– Kein Wiederspielwert

 

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form wurde.

(Eine Rezension von Marco Dirscherl)

Wichtige Informationen zu unseren Rezensionen (KLICK)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kooperative Spiele”

  • ... Altersgruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altersgruppe 50 bis 75 Jahre
3

Sherlock - Tod am 4. Juli (2019)

Autor: Josep Izquierdo, Marti Lucas
Grafik: Alba Aragón
Verlag: ABACUSSPIELE
Spielerzahl: 1-8
Altersempfehlung Verlag: 12+
Eigene Altersempfehlung: 12+
Spieldauer: ca. 60 min

Über Marco

Film-, TV- und Brettspiel-Junkie. Podcaster aus Leidenschaft.