Als Römer Punkte sammeln – “Forum Trajanum” wieder ein Top-Feld-Spiel (Rezension)

Feld is back! Nach zuletzt etwas schwächeren Spielen des Autors Stefan Feld kommt hier wieder ein großes Spiel auf uns zu. Und lässt Spielerherzen höher schlagen. Denn es spielt sich richtig gut und macht vieles richtig.

In Forum Trajanum (nicht verwechseln mit Trajan – auch gut aber ein ganz anderes Spiel) hat jeder Spieler seine eigene Colonia. Auf dem 6 x 6 großen Feld baut man im Lauf des Spiels seine kleine Stadt mit vier verschiedenen Gebäuden und weiteren vier öffentlichen Gebäuden. Zuvor liegt auf jedem Baufeld ein Coloniaplättchen. Zu Beginn jeder der 12 Runden nimmt man zwei Plättchen. Aus welcher Reihe bzw. Spalte wird durch zufällig gezogene Straßenkarten bestimmt.

Jetzt kommt die erste knifflige Entscheidung. Auf der Rückseite der Marker sind verschiedene Ressourcen aufgedruckt. Ich muss mich jetzt entscheiden, welchen der Marker ich behalte, den anderen muss ich meinem Nachbarn weitergeben. Dafür erhalte ich von meinem anderen Nachbarn ebenfalls einen Marker. Aber noch nicht genug der Entscheidungen. Ich darf in der Runde nämlich nur einen der beiden Marker verwenden (außer ich setze zwei der knappen Tribunen ein). Diese beiden Entscheidungen in jeder Runde machen das Spiel richtig knifflig. Oft genug muss ich einen guten Marker weitergeben, aber welchen?

Anschließend kann ich auf ein oder zwei nebeneinanliegenden freien Bauplätzen Gebäude errichten. Dazu brauche ich die Handwerker in der entsprechenden Farbe. Öffentliche Gebäude bringen mir Vorteile, da ich auf der entsprechenden Leiste vorwärts ziehen kann. Baue ich normale farbige Gebäude, darf ich einen meiner Gesandten (wenn ich denn einen zur Verfügung habe) auf das Forum setzen, um dort am Ende der drei Durchgänge Flächenwertungen auszulösen. Hier kommt es auf die Farbe der Gebäude an und oft genug baut man nur aus dem Grund, um einen Bürger richtig setzen zu können.

Besonders spannend: Wird auf dem Forum ein farbiges Gebiet abgeschlossen, erhält derjenige Spieler einen Bonus. Das ist nicht zu verachten. Problem dabei, man stellt so nur selten eine große zusammenhängende Fläche zusammen. Welchen Wert diese Fläche hat, kommt drauf an, wieweit man seinen Wertungsschieber auf der Prestigeleiste vorwärts gezogen hat. Noch so ein tolles Element. Gleichzeitig bestimmt dieser Schieber, wie hoch meine Belohnung für die in jedem Durchgang erfüllten Aufgaben ist. Da man diese Aufgaben auch öfters erfüllen kann, kann hier schon mal ein dicker Punktegewinn herausspringen.

All diese Punktgewinnmöglichkeiten sind fein verzahnt, ohne jedoch kompliziert oder unübersichtlich zu werden. Hat man erstmal eine Strategie gefunden, sind die Züge flott gespielt. Am besten orientiert man sich an den für alle offen ausliegenden Auftragskarten, da kann man gut daraufhin arbeiten. Aber – für Feldspiele typisch – hat man viele Möglichkeiten Punkte zu sammeln.

Spannend bleibt das Spiel bis zuletzt, denn die dicken Punkte gibt es erst am Schluss, da kommt nochmal viel Bewegung in die Reihenfolge. Und wer bis zu letzten Runde hinten liegt, kann – gut gespielt – dann doch noch nach vorne kommen.

Das Material ist sehr gut, wenngleich die Arbeiterplättchen etwas klein und damit auch die aufgedruckte Ressource klein und nicht gut lesbar geraten sind. Warum man bei verschiedenfarbigen Ressourcen nicht zusätzlich mit Symbolen arbeitet, ist schade, denn bei weniger guter Beleuchtung wird es schon mal schwierig, blau, grün, braun etc. zu unterscheiden

Dass man keinen allzu großen thematischen Bezug erwarten darf, sollte jedem klar sein. Auch hier ist das Thema beliebig austauschbar. Es stört aber auch nicht und den Bau der Trajansäule als Spielhilfe und Ableshilfe für die Punkte in der Runde ist gut gemacht. Leider ist sie nicht ganz so stabil geraten.

Die Spielregeln sind sehr umfangreich, deutlich umfangreicher als sich das Spiel spielt. Dafür ist sie umfassend und lässt keine Fragen offen.

Das Spiel läuft flüssig, auch bei Grüblern am Tisch fällt die Verzögerung kaum ins Gewicht. Bei den kniffligen Fragen, welche Marke schiebe ich weiter und welche verwende ich, ist das Problem gering, denn hier überlegt jeder gleichzeitig. Bei vier Spielern kann es schon mal gute zwei Stunden gehen, aber die Zeit vergeht wie im Flug.

Da man sich auf dem Forum ziemlich in die Quere kommen kann (das Spiel skaliert hier für 2 bis 4 Spieler mit) ist Interaktion angesagt. Man kann dem Mitspieler aber nichts zerstören, nur eben lukrative Plätze wegnehmen. Außerdem gibt man einen Marker an den Mitspieler weiter, und da gilt es immer zu beachten, ihm keinen zu großen Vorteil zuzuschieben.

Das Spiel ist intensiv, denn man hat ständig Entscheidungen zu treffen, die manchmal richtig kniflfig und heftig sind. Auch ist man die ganze Zeit über im Spiel beteiligt. Die Spielzeit vergeht dabei wie im Flug. Konzentriert sollte man bleiben, aber es ist kein Hirnverknoter, dank des fließenden Spielrhythmus läuft es sehr locker.

Das Spiel ist ein Kennerspiel, aber eher von der leichteren Sorte. Gelegenheitsspieler mit Erfahrung haben kein Problem mit dem Spiel. Für spielerfahrene Familien mit Kids ab 12 Jahren sicher problemlos spielbar. Bei der älteren Generation wird der Spielspaß durch die kleinen Grafiken auf den Bürgermarkern getrübt, da brauchts eine gute Lesebrille und gute Beleuchtung.

 

FAZIT

Forum Trajanum von Stefan Feld, mit sehr schöner Grafik von Michael Menzel, ist ein leichteres Kennerspiel für 2-4 Spieler ab 12 Jahren, erschienen bei Huch! 2018. Knifflige Entscheidungen treffen auf viele Möglichkeiten, Punkte zu generieren. Flüssiges Spiel und Interaktion machen richtig viel Spaß. Leichtes Kennerspielniveau bietet gute Unterhaltung für spielinteressierte Gelegenheits- und Kennerspieler. Auch wenn der Aufbau etwas fizzelig ist mit dem Bestücken seiner Colonia, der Ablauf des Spiels ist hingegen flott und kann auch durch Grübler kaum gestört werden. Sowohl zu zweit spielbar, aber richtig gut wird’s mit 3 oder 4 Spielern.

Meiner Meinung nach sollte man sich das Spiel einmal ansehen und ich bin mir sicher, man will dieses Spiel haben. Es ist wieder einmal ein richtig gutes Feldspiel (Feld ist der Name des Autors) und der Meister beweist aufs Neue, dass er das Spieleerfinden nicht verlernt hat. Unbedingt anspielen, für mich ein Highlight dieser Saison.

 

BEWERTUNG

+ Schön verzahnte Möglichkeiten Punkte zu generieren
+ viele Siegstrategien möglich
+ flüssiges Spiel, trotz Zugoptimierer
+ viel Interaktion, aber kein Kampf
+ spannend bis zuletzt
– Grafiken auf den Plättchen zu klein
– Punktezählen etwas mühsam

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form verwendet wurde.

Keine Rezension kann objektiv sein und soll sie auch nicht. Um trotzdem möglichst neutral zu sein, fließen in diese Rezension neben der intensiven Beschäftigung mit dem Spiel auch meine vielfältigen und langjährigen Spielerfahrungen sowie die angeregten Diskussionen der Mitspieler am Tisch ein.

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kennerspiel”

  • ... Altergruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
5

Forum Trajanum

Autor: Stefan Feld
Grafik: Michael Menzel
Verlag: Huch!

Spieleranzahl: 2-4 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Spieldauer: 30 Minuten pro Spieler

Generationentauglich: von 12 bis 70 mit gleichem Anspruch spielbar, Material und Grafik teils leider zu klein geraten.

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