Hektisches Code-Knacken – “X-Code” unterhält bis zu 8 aktive SpielerInnen (Rezension)

„Ich brauch sofort eine 1!“ – Hat jemand noch eine Zeitkarte?“ – „Leute, die Zeit läuft!“ – Ich hab drei 3er!“ – „Gib mir endlich ne Karte!“ – „O Mist, falsch herum gespielt!“

Stellen Sie sich all diese Sätze gleichzeitig und laut vor, und dass drei Minuten lang oder auch länger. Dann hören Sie das Spiel „X-Code“.

Jeder Spieler hat drei Karten auf der Hand. Gespielt wird miteinander und gleichzeitig, also jeder darf jederzeit Aktionen machen. Aufgabe der Gruppe ist es, beginnend beim Einsteiger-Level, auf zwölf verschiedene Nummern jeweils drei gleiche passende Karten abzulegen. Die drei Karten müssen aber von einem Spieler gleichzeitig abgelegt werden. Dazu kann man beliebig viele Karten nachziehen (bis zum Handkartenlimit), man kann Karten aber auch mit dem linken oder rechten Nachbarn tauschen, wobei wichtig ist, dass beachtet wird, in welche Richtung Karten weitergegeben werden dürfen. So versuchen die Spieler, je drei gleiche Karten auf die Hand zu bekommen, um einen Teil des 12-stelligen Codes zu knacken. Und das geht eben nur dadurch, dass ich allen klar mitteile, was ich brauche. Und da das jeder tut, muss man entsprechend laut sein.

Aber man kann das doch in Ruhe nacheinander machen? Nein! Denn zur Lösung der Aufgabe hat man drei Minuten (mit ausgespielten Zeitkarten mehr). Es muss also schnell gehen. Einen Plan in Ruhe zu schmieden, wer wem welche Karten weitergibt, und das meist über mehrere Stationen hinweg, das ist nicht. Die Zeit läuft. Und von Level zu Level wird die Aufgabenstellung schwieriger. Weniger Zeitkarten, weniger Joker, dann muss man schon vier statt drei gleiche Karten ablegen.

Und dann kommen erst die wirklichen Aufgaben. Die sind in der Spieleschachtel in einem Tresor eingesperrt. Erst nachdem man die Einsteigerlevel geschafft hat, kann man mit einem „Schlüssel“ die richtigen und heftigen Aufgaben angehen. Wenn die Gruppe dann noch kann und sich nicht schon heißer geschrien hat.

Für die richtige Gruppe, und das können Anfänger wie Kennerspieler sein, ein Riesenspaß. Wer mit Hektik umgehen kann, dazu noch die nötige schnelle Auffassungsgabe und seine Handmotorik unter Kontrolle hat (um die richtige Karte weiterzugeben), der wird dieses Spiel lieben. Für eher ruhigere Spieler viel zu viel Hektik für ein von der Mechanik her simples Kartenspiel.

Das Thema, einen bösen Computervirus unschädlich zu machen, indem man seine 12-stellige Verschlüsselung knackt, ist aktuell, frisch und macht das Spiel lebendig. Man taucht schnell ein in die Geschichte und wird mit jedem geknackten Code begieriger, auch die komplexeren Levels zu probieren. Das ist spannend und richtig stark gemacht.

 

FAZIT

X-Code von Kasper Lapp für 2 bis 8 Spieler ab 10 Jahren, erschienen bei AMIGO 2018, ist ein kooperatives Kartenablegespiel, das viel Kommunikation und schnelle Auffassungsgabe verlangt. Denn die drei Minuten Zeit pro Spielrunde erlauben nicht viel Pläneschmieden, man muss handeln und dabei wird es schon mal laut und hektisch am Tisch.

Die Aufgabenstellung ist interessant und wird von Runde zu Runde anspruchsvoller. Umso mehr müssen die Spieler zusammenarbeiten, um die richtigen Karten entsprechend weiterzugeben. Unter Zeitdruck gehen da viele beabsichtigte Manöver schonmal daneben. Aber auch nicht regelkonforme Züge werden in der Hektik gemacht (Karten nur in Pfeilrichtung weitergeben!), aber wem fällt das schon auf.

Das Spiel ist nichts für ruhige Spielernaturen, denn hier gilt es, schnell zu reagieren. Entweder eine Karte weiterzugeben an den, der sie lautstark einfordert, oder selber eine entsprechende Forderung einbringen. Da Karten manchmal über mehrere Spieler weitergegeben werden müssen, ist eine Koordination der Aktionen wichtig, dafür ist aber in der Regel keine Zeit. Also wird noch lauter gefordert und das in der Regel durcheinander.

Für aktive kommunikative Gruppen ideal, beschaulichere Spieler werden von der Wucht der Hektik überrollt. Ohne Zeitdruck wäre es ein interessantes Kartenspiel, mit Zeitdruck eine Herausforderung, gerade in den höheren Leveln. Da muss eine Gruppe eingespielt sein. Und einige Level müssen mehrmals angegangen werden, bevor sie gelöst werden.

Zusammengefasst: X-Code bietet beste Unterhaltung für Leute, die es hektisch und intensiv wollen. Das Thema ist attraktiv und modern, zieht die Spieler schnell in seinen Bann. Je geübter eine Gruppe ist, desto leichter wird die Aufgabenstellung. Und es sind knackige Level dabei. X-Code ist aber nichts für ruhige Naturen.

 

BEWERTUNG

+ tolles Thema
+ sehr gutes Material
+ alle spielen gleichzeitig
+ Spiel bietet Runde für Runde anspruchvoller werdende Aufgaben
+/- sehr hektisch und interaktiv
– Fehler im Spiel werden schnell übersehen

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form verwendet wurde.

Keine Rezension kann objektiv sein und soll sie auch nicht. Um trotzdem möglichst neutral zu sein, fließen in diese Rezension neben der intensiven Beschäftigung mit dem Spiel auch meine vielfältigen und langjährigen Spielerfahrungen sowie die angeregten Diskussionen der Mitspieler am Tisch ein.

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Kooperative Spiele und Gruppenspiele”

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altergruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
4

X-Code

Autor: Kasper Lapp
Grafik: Barbara Spelger
Verlag: AMIGO

Spieleranzahl: 2-8 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 15 Minuten pro Partie

Generationentauglich: Spielspaß für alle, die es hektisch wollen, bis zu 8 Spieler möglich

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