Mehr Rechnen als Spiel – „Rock the Bock“ vom Zoch-Verlag


Laut Spielregel „lässt das Pferd die Sau raus“ und „der Hirsch tanzt mit der Kuh“. Beim „Rock the Bock“ Konzert will jedes Tier dabei sein und schon gibt’s jede Menge Gedrängel und Chaos am Eingang. Chaos herrscht aber nicht nur in der Geschichte hinter dem Spiel „Rock the Bock“, chaotisch geht’s auch im Spiel selbst zu.

50 Tierkarten (je 10x Pferd, Schwein, Schaf, Hirsch und Kuh) und zusätzlich 18 Sonderkarten (VIP-Ausweise, Schwarzmarkt und Klohäuschen(!)) bilden den Kartenstapel von dem jeder Spieler abhängig von der Spielerzahl eine Anzahl Karten erhält, von denen er wiederum ein paar beiseite legen darf. Dann gibt’s noch für jeden Spieler eine VIP-, eine Schwarzmarkt- und eine Klohäuschenkarte. Weitere zehn Karten sind Platzkarten, die der Reihe nach aufgedeckt werden und angeben, wieviele Tickets es pro Tierart und für die gemischte VIP-Zone gibt.

Jetzt geht es los und jeder versucht, seine Tiere aufs Festivalgelände zu bringen. Dazu spielt jeder Spieler eine Karte verdeckt aus (noch keine Sonderkarte), dann wird gleichzeitig aufgedeckt. Dann folgen zwei weitere Karten (auch Sonderkarten) ebenfalls verdeckt und gemeinsam wird wieder aufgedeckt.

Jetzt wird geprüft, wieviele der ausgespielten Karten ein Ticket erhalten. Dazu wird die Anzahl der Tiere jeweils einer Sorte zusammengezählt und mit der Platzkarte verglichen. Sind mehr Tiere ausgelegt, muss der Spieler, der die meisten Tiere dieser Sorte ausgespielt hat, seine Karten zurück auf die Hand nehmen. Das geschieht solange, bis die Tickets auf der Platzkarte für die ausliegenden Tiere reicht. Dann darf der Spieler, der jetzt die meisten Tiere ausliegen hat, die Tierkarten auf seinen eigenen Festivalstapel legen. Der mit den zweitmeisten Tieren darf eine Karte wählen und umgedreht auf seinen Festivalstapel legen. Die anderen nehmen ihre Karten zurück auf die Hand.

Hat ein Spieler weniger als drei Tierkarten auf der Hand, werden die Werte der abgelegten Karten aufgeschrieben und es beginnt eine neue komplette Runde. Nach der 3. Wertung gewinnt der Spieler mit der höchsten Punktzahl.

Die Sonderkarten geben spezielle Möglichkeiten. Mit dem Schwarzmarkt erhält die gewählte Tierart zusätzlich fünf Tickets. Mit der VIP-Karte sortieren sich diese Tiere in die Warteschlange zum VIP-Bereich ein und mit dem Klohäuschen kann man bestimmen, dass die erste ausgespielte Karte von der Sonderkarte betroffen ist. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, zwei Sonderkarten zu spielen, dann gelten die beiden für die erste gespielte Karte.

Liest sich das Regelwerk etwas verwirrend? Es ist verwirrend. Immer wieder muss man überlegen, für welche Karte welche Sonderkarte gilt, wann man Sonderkarten auf die Hand zurücknehmen darf und wann nicht. Dann wird ständig gezählt, wieviele Tiere liegen aus, wer hat die meisten, wer muss Karten auf die Hand zurücknehmen, wer darf seine Karten auf den Festivalstapel legen.

Uff, das ist mehr Rechenarbeit als Spielvergnügen. Da das Spiel eigentlich sehr schnell gespielt werden kann, kommt richtig Chaos auf und immer wieder muss ein Ergebnis nachgerechnet werden. Richtig großes Durcheinander bricht aus, wenn die Spieler ihre Karten vor sich nicht ordentlich ablegen. Dann wird das Nachzählen zur Plage. Dazu braucht man (bei bis zu 6 Spielern) auch eine entsprechend große Ablage, für so ein kleines Kartenspiel viel Platzbedarf.

 

FAZIT

„Rock the Bock“ ist ein einfaches und unnötig kompliziertes Kartenspiel, bei dem man ständig rechnen muss. Es punktet durch die liebevoll und lustig gezeichneten Karten, das Material ist hochwertig und so kann man sehr gut mit den Karten spielen. Die Regeln sind etwas verwirrend, die Wertung im Spiel ist zäh und dauert wesentlich länger als das Spiel selbst. Es spielt sich eigentlich kurz und mit einen guten Kopfrechner am Tisch hat geht’s auch flott zur Sache (etwa 20 Minuten).

„Rock the Bock“ ist ein Kartenspiel für Familien und Kids ab 8 Jahren. Hier wird nicht viel gefordert, man kann locker drauflos spielen, recht viel mehr ist nicht dahinter. Ein bisschen zocken gehört dazu (wer wird welche Karten wohl ausspielen?), ein bisschen Memory gehört auch dazu (wer hat denn von welcher Tiersorte wieviele Karten wieder auf die Hand nehmen müssen). Je mehr Spieler beteiligt sind, desto weniger ist das Spiel planbar, bei drei Spielern könnte man sowas wie eine kleine Strategie entwerfen, aber auch die geht schnell im Kartenglück unter.

Es bleibt bis zuletzt spannend, denn bei drei Spielrunden ist es jedesmal Glückssache, welche Karten mit welchen Werten ich auf die Hand bekomme.

Die Idee hinter dem Spiel – abschätzen, was der Mitspieler für Karten spielen wird und wie ich am besten darauf antworte – kommt leider nicht zu tragen, da durch die zufällige Verteilung der Karten man ja nicht weiß, welche Karten überhaupt im Spiel sind und welche der Mitspieler auf der Hand hat. So überwiegt das Glücksmoment.

Die Regeln könnten etwas ausführlicher sein, man braucht etwas Zeit, die einzelnen Kombinationsmöglichkeiten der Karten zu erklären, aber dann kann man auch schon gleich drauflos spielen.

In keiner der gespielten Runden ist der Funke übergesprungen, dank der gelungenen Grafik und den daraus entstehenden spaßigen Unterhaltung am Tisch gibt es eine Wertung von gerade noch 3 Punkten.

 

BEWERTUNG

+ gelungene und witzige Grafik
+ sehr gutes Material
+ flott gespielt
– zähe Wertungen im Spiel
– ohne Ordnung bei der Kartenauslage wird’s chaotisch und unübersichtlich
– Rechenarbeit überwiegt Spielvergnügen

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“einfaches Familienspiel”

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altergruppe 13-49 Jahre
  • ... Altergruppe 50-75 Jahre
  • ... Altergruppe über 75 Jahre
2.8

Kurzfassung

Titel: Rock the Bock
Autor: Christward Conrad
Grafik: Marcin Piwowarski
Verlag: Zoch

Spieleranzahl: 2-4 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 7 Jahren
Spieldauer: 15 Minuten

generationen-tauglich: wenig tauglich, da der Überblick schnell verloren geht
jungundalt-tauglich: geeignet von 8 bis 70

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