Kleine Schachtel, großes Spiel – „Troika“ von Oink Games (nicht nur) ein tolles „In-den-Urlaub-mitnehm-Spiel“ (Rezension)

Haben Sie gewusst, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft zu anderen Planeten reisen werden? Dass wir dort Kristalle finden können, von denen drei miteinander entweder Treibstoff oder wertvolle Edelsteine bilden? Zumindest ist das so, wenn wir dem Thema der Spiels „Troika“ folgen. Ehrlich gesagt, für diese hanebüchene Story kann es keine Punkte geben.

Aber „Troika“, zu deutsch in etwa „Dreigespann“ ist kein Buch, sondern ein Spiel. Ein kleines, leichtes Sommerspiel, ideal für den Urlaubskoffer, denn es kommt in einer wirklich winzigen Schachtel daher (ein Handy samt Ladegerät braucht mehr Platz). Aber ich habe gelernt, dass oftmals die kleinen Spielchen, die mit wenig Material, hohen Spielwert besitzen (ich denke an das sensationelle „Love Letter“, das mit gerade mal 16 Karten mittlerweile zu einem Dauerbrenner in unseren Spielrunden geworden ist). Außerdem sind diese kleinen Spiele, die aus Japan zu uns kommen, schon lange kein Geheimtipp mehr und für alle unbedingt empfehlenswert.

„Troika“ ist ein „einfaches“ Set-Sammelspiel. Auf dem Tisch liegen verdeckt 49 Plättchen, auf denen aufgedeckt die Zahlen 1 bis 15 stehen (je 3x, nur die 7 finden wir 7 mal). Wer am Zug ist, deckt zuerst ein Plättchen auf und kann dann entscheiden: (1) er nimmt ein aufgedecktes Plättchen und legt es vor sich in die Ablage, (2) er nimmt ein verdecktes Plättchen, sieht es sich an und behält es verdeckt in der Hand, aber nur drei Plättchen maximal, oder (3) er legt ein Plättchen von sich wieder zu der allgemeinen Auslage. „Troika“ rufen und passen geht auch, der erste erhält 5 Punkte dazu, aber muss zuerst ein paar Kriterien erfüllen.

Das geht solange, bis entweder nur noch ein Spieler nicht gepasst hat oder alle Plättchen in der Tischmitte aufgedeckt liegen. Dann wird gewertet.

Zunächst wird geprüft, ob jeder einen Treibstoff gesammelt hat. Das sind drei Plättchen mit der selben Zahl. Und das ist nicht so einfach, denn es gibt von jeder Zahl (Ausnahme ist die 7) nur genau drei im Spiel. Da kann einen der böse Mitspieler schon mal einen Strich durch die Sammlung machen. Wer also keinen Treibstoff hat, strandet auf dem Planeten, kommt nicht mehr zurück und macht keine Punkte … im Gegenteil, er bekommt sogar einen Minuspunkt.

Dann erhalten die Spieler Punkte für ihre weiteren Auslagen. Hier zählen jeweils drei Plättchen – genau, daher auch der Name des Spiels. Die müssen in aufsteigender Folge gesammelt worden sein, also z. B. 4, 5 und 6 oder 8, 9 und 10 oder 13, 14 und 15. Punkte erhält man für jedes Set entsprechend der letzten Ziffer auf dem jeweils höchsten Plättchen. In unseren Beispielen also entweder 6 Punkte, 0 Punkte (letzte Ziffer von 10) oder 5 Punkte (letzte Ziffer von 15).

Das ist tricky. 8, 9 und 10 bringen 0 Punkte, die großen Zahlen generell bringen nicht wirklich viele Punkte, eignen sich also besser für Treibstoffsammlungen. Vor allem die 10, aber die will dann jeder und so wird’s mit Treibstoff auch wieder nichts.

Es ist natürlich ein ziemliches Glücksspiel, welche Plättchen ich aufdecke, welche daliegen, welche ich vielleicht verdeckt ziehe, um nicht alle meine Pläne den Mitspielern zu zeigen. Aber es gibt auch eine sehr angenehme Taktiktiefe, die das Spiel einfach aber nicht simpel machen. Ein paar verzwickte Entscheidungen, welche Plättchen ich sammle, ein Auge auf die Mitspieler und vielleicht auch mal ein „gemeiner“ Zug gehören zu diesem Spiel, das Laune macht ohne zu stressen, das unterhaltsam ist, ohne mehr zu wollen, als nur kurzfristig zu unterhalten.

 

FAZIT

„Troika“ ist ein kleines, feines Set-Sammelspiel, bei dem der Glücksfaktor hoch aber nicht Spiellaune-verderbend ist. „Troika“ bietet alles, was man in eine winzige Schachtel, in 15 Minuten und in wenig und gutes Spielmaterial packen kann. Ein ideales Urlaubs-mitnehm-Spiel, das aber auch an einem normalen Spieleabend seine Tischberechtigung hat. Schnell, unterhaltsam, nicht stupide, bietet es Spielreiz für alle. Gelegenheitsspieler haben ihren Spaß, Vielspieler einen leichten Zwischendurchgang und Generationen freuen sich über ein Spielchen, dass für Jung bis Alt ein kurzweiliges Spielvergnügen auf den Tisch bringt. Zwar ist man stets gefordert, die gesammelten und die möglichen Steine auf dem Tisch zu Sets zu kombinieren, das ist aber nicht weiter schwierig. Gewohnt ist man, fertige Sets abzulegen, aber der Reiz besteht eben darin, bis zuletzt an den Möglichkeiten zu feilen.

Und die kniffligste Entscheidung ist stets nach dem Spiel: Nochmal oder wegräumen? Meist entscheidet man sich für „nochmal“ und schnell kann aus einem „Mal-schnell-zwischendurch-Spiel“ ein halber Spieleabend werden. Von mir eine unbedingte Empfehlung, es gehört zu den besseren Kleinformat-Spielen.

Etwas kompliziert wird das Spiel beim Wegräumen, denn die vielen Plättchen müssen alle in eine sehr kleine Schachtel. Aber dank der schrägen Trennwände in der Schachtel gelingt einem das relativ schnell. Zum Glück hält die sehr stabile Spielschachtel das Spiel gut zusammen, sodass der Transport auch im Strandkorb keine Probleme bereitet. Nur das Öffnen der Schachtel macht manchmal Probleme, hier wären kleine Grifflöcher gut gewesen.

Achja, das Spiel geht über drei Spielrunden, der Sieger erhält je Runde zwei Punkte, der zweite einen Punkt, wer strandet, einen Minuspunkt. Am Ende wird zusammengezählt und wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Am besten spielt es sich zu dritt oder viert. Zu zweit kommt man sich kaum ins Gehege, aber da man zu Spielbeginn beim 2er-Spiel 10 Plättchen ungesehen aus der Tischmitte nimmt, können die unbekannten fehlenden Plättchen einem das ganze Spiel gründlich kaputt machen. Zu fünft ist das Stranden auf dem Planeten vorgegeben, da man kaum die drei gleichen Plättchen zusammenbringt. Ich hatte Partien, bei denen alle Spieler gestrandet sind, in allen drei Runden.

 

BEWERTUNG

+ kleine Schachtel mit großen Spiel
+ schnell erklärt, schnell gespielt
+ perfekt für jede Spielrunde
+/- sehr stabile Schachtel (Probleme beim Öffnen)
+/-ideal für 3-4 Spieler, noch gut für 2 oder 5
– Glücksfaktor groß aber nicht störend

Das Spiel gehört zu den wirklich guten Kleine-Schachtel-Spielen, der Glücksfaktor verhindert die Top-Wertung – so bleibts bei sehr guten 4 Sternen.

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altergruppe 13 - 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 - 75 Jahre
  • ... Altergruppe über 75 Jahre
4

Kurzfassung

Titel: Troika
Autor: Jun Sasaki
Grafik: N/A
Verlag: Oink Games

Spieleranzahl: 2-5 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 9 Jahren
Eigene Einschätzung: Ab 8 Jahre
Spieldauer: 20 Minuten

generationen-tauglich: geeignet von 8 bis 80
jungundalt-tauglich: gut geeignet

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