Einfaches Teilchenlegespiel trifft auf Kampf und Zerstörung – Neuroshima Hex von Portal Games (Rezension)

Noch nie war ein Teilchenlegespiel so heftig und brutal wie dieses. „Neuroshima Hex“ ist ein sehr feines, strategisch-abstraktes Konfrontationsspiel. Man legt Sechseck-Teile und hin und wieder wird ein Kampf ausgelöst. Klingt simpel, oder?

Die Regeln sind einfach. Man zieht aus seinem Vorrat drei Teile, ein Teilchen wird aus dem Spiel genommen, die anderen beiden kann man auf das Spielfeld setzen. Das machen die Spieler abwechselnd, bis einer der beiden ein Kampf-Teilchen spielt.

Und dann zeigt sich, wer seine Teilchen (eigentlich Armee-Einheiten) am besten platziert hat. In Initiativ-Reihenfolge schlagen die Einheiten aufeinander ein, metzeln sich teilweise gegenseitig dahin oder verpassen dem gegnerischen Hauptquartier entsprechenden Schaden. Nach dem Kampf geht es weiter, bis alle Plättchen (Armee-Einheiten) gespielt sind und der letzte Kampf ausgetragen ist. Wer am Ende den meisten Schaden an seinem Hauptquartier einstecken musste, verliert.

Strategische Feinkost, vor allem durch die unterschiedlichen Armeen, von denen vier im Grundspiel enthalten sind. Alle vier sind sehr unterschiedlich zu spielen, haben unterschiedliche Einheiten und fordern jeweils andere Strategien. Dabei sind alle vier Armeen sehr gut ausbalanciert. Wer seine Armee richtig spielt, kann nur schwer besiegt werden.

Entscheidend kann der Glücksfaktor sein, denn man zieht zufällig drei Einheiten. Pech, wenn man drei sehr starke Einheiten zieht, denn eine verschwindet ungespielt aus dem Spiel. Oder man zieht drei extrem schwache Einheiten und der Gegner nutzt dies, indem er mit einem Kampf-Teilchen meine Einheiten wegschießt.

Ein Spiel dauert keine 30 Minuten (wenn man seine Armeeeinheiten kennt), so dass sofort eine schnelle Revanche erfolgen kann, bei dem das Glück dann hoffentlich auf der richtigen Seite ist.

Wäre dieser Glücksfaktor nicht so hoch, wäre es ein geniales Duellspiel für 2 Spieler (oder 4 Spieler in zwei Teams), so bleibt es ein hervorragendes Spiel, bei dem der Ärgerfaktor über das mangelnde Glück beim Ziehen oft größer ist als der Ärgerfaktor über die perfekte Strategie des Gegners.

Wollen wir noch jammern auf hohen Niveau? Gern. Die Abwicklung des Kampfes ist fuzzelig. Zum einen muss man die Reihenfolge bestimmen, denn jede Einheit auf dem Platz darf seine Aktion machen. Dann muss das Ergebnis dieser Aktion festgehalten werden (kleine Plättchen auf Plättchen). Und schließlich werden zerstörte Einheiten vom Spielfeld entfernt, möglichst ohne alle anderen komplett zu verschieben. Da ist Chaos angesagt und man sehnt sich zurück zu seinem Smartphone oder Tablet, denn hier macht alles Fuzzelige  der Computer (Die App zu diesem Spiel ist absolut empfehlenswert, wer mal ins Spiel reinschnuppern will oder keinen Gegner hat, findet hier ein wirklich hervorragend umgesetztes Brettspiel).

FAZIT

Sehr tolles Kampfspiel für 2 (oder 4 in zwei Teams) mit einfachen Regeln und hohem Wiederspielwert. Nichts für friedliche Naturen, aber für Duellanten ein strategischer Knaller. Trotz der vielen Armeeeinheiten hat man nach wenigen Spielen den Überblick und kann entsprechend der gewählten Armee die Einheiten richtig platzieren.

Nichts für Kids (nicht nur wegen dem Thema), regeltechnisch aber sicher ab 10 spielbar. Gelegenheitsspieler kommen schnell rein, wegen der Vielzahl an Armeeeinheiten empfiehlt sich Spielerfahrung, um das Spiel nicht in „Regelbuch-Nachschlagen“ ausarten zu lassen. Expertenspieler, die Konfrontationsspiele mögen, werden das Spiel lieben (wenn man über den Glücksfaktor hinwegsehen kann), Expertenspieler, die Aufbauspiele lieben, finden hier trotz des Kampfthemas und der ständigen Zerstörung der Auslage ein sehr spannendes Zwischendurchspiel.

Dieses Spiel gehört in die Spielesammlung von 2-Spieler-Haushalten und hin und wieder ist ein Teamspiel sehr unterhaltsam, zu dritt wird’s zu chaotisch.

Übrigens: Sehr interessanter Solo-Modus. 60 Aufgabenkarten zeigen bestimmte Stellungen und man muss herausfinden, wie man bestimmte Armee-Einheiten platziert um zu gewinnen. Toll, wäre die Grafik auf den Karten nicht extrem fuzzelig. Für den Solomodus trotzdem ein Extralob.

+ 4 ausgewogene Armeen

+ gutes Material

+ einfache Regeln

+ schnell gespielt

+ Solo-Modus

– Kampfauswertung sehr chaotisch

– man verliert schonmal den Überblick über den Spielplan

– zu dritt oder mehr ein ziemliches Chaos und nur noch taktisch zu spielen

(eine Rezension von Gerhard Hany)

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Expertenspiel”

 

  • ... Altergruppe 13-49 Jahre
  • ... Altergruppe 50-75 Jahren
4.5

Neuroshima Hex (2016)

(mittlerweile in überarbeiteter 3. Auflage)
Autor: Michal Oracz
Grafik: Mielski, Cieslinski Foksowicz, Jablonski und weiteren
Verlag: Portal Games

Spieleranzahl: 1-4 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 13 Jahren
Spieldauer: 30 Minuten

Punkte: nicht seniorentauglich, Grafiken teils schwer erkennbar und man verliert leicht den Überblick über das Spielbrett, eingeschränkt generationentauglich, für Familien mit älteren Kids, wo auch mal 2er-Spiele auf den Tisch kommen

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