Ein Klassiker neu aufgelegt – “Modern Art” überzeugt immer noch (Rezension)

„Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten – Verkauft!“ Versteigerungen sind spannend. Nicht nur im echten Leben. Auch in Spielen findet man immer wieder neue interessante Versteigerungsvarianten. „Modern Art“ treibt es auf die Spitze. Dem Spiel reicht nicht eine Versteigerungsvariante, nicht zwei, nicht drei. Es müssen fünf sein! Fünf Varianten, wie man Dinge versteigern kann. Das hört sich aufwändig und komplex an, ist aber sehr flüssig spielbar und da jeder Spielzug eine Versteigerung ist, kommt damit auch keine Langeweile auf.

Jeder von uns hat Gemälde, moderne Kunst. Diese bietet er in seinem Zug zum Ersteigern an. Dabei bestimmt das Symbol auf der Karte, welche der Versteigerungsarten zum Einsatz kommt. Da gibt es die Klassische, wo jeder durcheinander ruft und irgendwann gibt es keinen mehr, der das Höchstgebot überschreiten will. Der zahlt dem Anbieter die Kosten. Ist es der Anbieter selbst, zahlt er an die Bank. Im besten Fall bietet niemand, dann behält sich der Anbieter das Gemälde für lau.

Andere Varianten lassen jeden Spieler geheim eine Summe bieten, oder jeder kann reihum ein Gebot machen. Oder der Spieler setzt einen Preis fest und reihum kann man sich entscheiden, will man kaufen oder passen.

Das gekaufte Gemälde kommt in die eigene Ablage. Am Rundenende, das eingeläutet wird, wenn von einem Künstler (nicht Spieler) das fünfte Gemälde ausgelegt wurde, werden die Künstler (nicht Spieler) gewertet. Der Künstler, von dem die meisten Gemälde in dieser Runde ausliegen, erhält 30 Punkte, der nächste 20, der dritte 10. Alle anderen Künstler haben diese Runde keinen Wert.

Jetzt müssen alle Spieler (nicht Künstler) ihre ausliegenden Gemälde verkaufen. Der Preis wird bestimmt durch die dem Künstler zugeteilten Punkte – über alle Runden hinweg. Da kann sich einiges ansammeln. Aber! Ein Künstler, der in dieser Runde keinen Wert hatte, verkauft sich für Null. Egal, ob er in den vorherigen Runden Punkte sammeln konnte oder nicht. Ärgerlich, wenn man genau von so einem Künstler gerade ein paar Gemälde vor sich hat.

Nach vier Runden endet das Spiel und der Spieler (nicht Künstler) gewinnt, der das meiste Geld verdient hat.

Die unterschiedlichen Versteigerungen machen Spaß, weil es nicht eintönig wird. Die interessante Abrechnung macht es tricky, denn Gemälde von Künstlern, die gerade nicht gehandelt werden, sind nichts wert. Dafür steigern alle auf die scheinbar lukrativsten.. Wenn sie denn am Rundenende tatsächlich noch lukrativ sind. Es empfiehlt sich, die Mitspieler zu beobachten. Und die Gemälde der Künstler zu zählen, damit einen das Rundenende nicht kalt erwischt.

Das ist ein richtig spannendes Spiel. Ist eine Auktion bereits nervenaufreibend, in diesem Spiel gibt es nur Auktionen und jede für sich verlangt knifflige Entscheidungen.

Was uns da Oink Games wieder vorsetzt, ist zwar ein „uralter Hauer vom guten Knizia“, aber keineswegs verstaubt. Und wieder bringt uns Oink Games in einer winzig kleinen Schachtel (diesmal aber doppelt so groß wie ihre übllichen Schachteln) ein großes Spiel für alle Spielertypen und -gruppen. Spannend, aufregend, mit viel Interaktion und Kommunikation – ein tolles Spiel.

Diesmal aber hat die kleine Schachtel den Nachteil, dass das Material dann doch zu klein geraten ist. Ziemlich fizzelig das Ganze. Da war das Original doch weit besser, aber wo bekommt man das noch?

 

FAZIT

Modern Art von Reiner Knizia für 3-5 Spieler ab 10 Jahren, neu erschienen bei Oink Games 2017, ist ein Auktionsspiel um Gemälde moderner Künstler. In vier Runden ersteigert man Gemälde. Am Rundenende erhält man für seine gesammelten Werke Geld. Die Höhe ist abhängig, wie gefragt derjenige Künstler in allen Runden zusammen bis jetzt war.

Mit viel Interaktion, flüssigem Spiel, kniffligen Entscheidungen und anhaltendem Spannungsboden kann das über 20 Jahre alte Spiel auch aktuell voll überzeugen und ist keineswegs verstaubt. Das Spielmaterial hätte etwas größer sein können, aber Oink Games liebt kleine Schachteln und wieder einmal ist es ihnen gelungen, ein wirklich großes Spiel in eine wirklich kleine Box zu zwängen.

Geeignet für Gelegenheitsspieler, die Auktionen sind schnell gelernt und machen Spaß und Spannung, für Vielspieler durchaus eine Herausforderung für Zwischendurch. Positiv ist, dass Spieler mit Erfahrung kaum Vorteile gegenüber Anfängern haben.

Endlich hat man wieder die Gelegenheit, diesen „Klassiker“ zu spielen, und den sollte man sich nicht entgehen lassen. „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten – gekauft!“

 

BEWERTUNG

+ viel Interaktion
+ spannend bis zum Schluss
+ flüssig und schnell ohne Wartezeit
+ gutes altes Spiel endlich wieder zu haben
– Spielmaterial zu klein geraten

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form verwendet wurde.

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”

 

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altergruppe 13 bis 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 - 75 Jahre
3.8

Modern Art

Autor: Reiner Knizia
Grafik: div.
Verlag: Oink Games

Spieleranzahl: 2-5 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 45 Minuten

Generationentauglich: Spielspaß für alle, auch gemischte Altersgruppen

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