Master Mind, Monster, Magie – „Rising 5“ verpackt altbewährtes Puzzle in spannendes Abenteuer (Rezension)

Asteros. Lange herrschte Frieden auf diesem Planeten. Denn die schrecklichen Monster wurden mit einem speziellen Code mit vier magischen Runen in ihr Gefängnis verbannt. Doch irgendein Vollpfosten hat das Tor geöffnet, den Code geändert und jetzt wird der Planet von der Ausgeburt der Hölle überrannt. Das ist die Zeit für Helden. Und schon erscheinen sie, die „Rising 5“, eine bunte Mischung an mutigen Personen, die den Code für das Runentor entschlüsseln und die Monster in ihre Schranken verweisen werden.

Und dann sind da noch die Spieler, ein bis fünf an der Zahl, die zwar nicht Helden sind, aber diese Helden steuern. Dabei kann jeder Spieler jeden Helden bewegen und zu Aktionen veranlassen. Dazu muss er nur Karten aus der Hand ablegen, die diesen Helden zeigen und schon kann er mit dem Held dessen Heldentat ausführen und anschließend, je nach Anzahl der gespielten Karten, den Held bewegen, eine Begegnung abhandeln oder das Runentor zu öffnen versuchen. Und schon ist der nächste Spieler dran, der, je nach Karten die er spielt, den gleichen Helden weiterführt oder einen anderen Helden zieht.

Jedesmal, wenn ein Spieler am Zug ist, spielt er also ein oder mehrere Karten aus, die denselben Helden zeigen und kann dann entsprechend agieren. Dabei bewegt sich der Held zwischen sechs verschiedenen Gebieten hin und her und kann dort entweder gegen Monster antreten (auch gemeinsam mit anderen Helden) oder sich Bonuskarten sichern, die im weiteren Verlauf des Spiels der Heldengruppe gute Dienste erweisen werden.

Die Hauptaufgabe der Heldentruppe – und damit der Spieler, die hier gemeinsam gegen das Spiel spielen – ist es, die geheime neue Kombination der magischen Runen zu erraten. Dafür haben sie sieben verschiedene Runen und vier Plätze. Jedesmal, wenn ein Held versucht, das Runentor zu öffnen (dazu müssen aber erst vier Energiesteine gesammelt werden), erhalten die Helden Informationen über den von Ihnen vorgeschlagenen Runencode.

Aber nicht direkt, denn die Information ist wiederum verschlüsselt. So bezieht sich die Info nicht auf die Rune, sondern auf das ihr zugewiesene Sternzeichen. Und auch das ist geheim und in jedem Spiel verschieden. Die Rückmeldung besagt, ob eine Rune am richtigen Platz liegt, oder eine Rune zwar im Code vorkommt, aber nicht am richtigen Platz liegt, oder ob eine Rune gar nicht vorkommt. Man erinnert sich an das Spiel „Master Mind“? Zurecht, es ist dasselbes Prinzip.

Aufgabe der Spieler ist es nun, herauszufinden, welche Rune mit welchem Sternzeichen zusammenhängt und schließlich, welche Runen im Code vorkommen und an welcher Stelle sie liegen. Klingt erstmal schwierig, aber je mehr Informationen man erhält, desto klarer werden die Zusammenhänge.

Man hat aber nicht ewig Zeit. Denn – wir erinnern uns – da waren ja noch die Monster. Und die werden immer mehr und der Marker auf der Sonnenleiste wandert immer tiefer zur Nachtseite und ist es erstmal soweit, ist alles zu spät. Also hurtig. Energiesteine sammeln, den gelegten Code so verändern, dass er einem möglichst viele neue Informationen liefert, das Tor zu öffnen versuchen und mit der neuen Information weiterarbeiten.

Dabei sind die Spieler beschäftigt, innerhalb der verbliebenen Zeit die fünf Helden von „Rising 5“ geschickt einzusetzen, deren Spezialfähigkeit einzusetzen und richtig zu tüfteln, um den Code zu erraten. Da muss man sich absprechen, wer mit welchem Held was machen kann. Da muss man gemeinsam tüfteln, welches Sternzeichen zu welcher Rune gehört und welche Rune an welchem Platz ist. Das ist spannend und beschäftigt die Spieler wie die Helden.

Aber wer sorgt nun für die entsprechenden Antworten? Das kann ein Mitspieler sein, der als Spielleiter fungiert, aber eben nicht mehr wirklich mitspielen kann. Aber das kann auch eine App für das Smartphone sein. Und die ist richtig gut gemacht. Ohne viel Schnickschnack steuert sie das Spiel. Sehr zu empfehlen. Denn dann können wirklich alle Spieler in das Spiel eintauchen und sich ihre Gehirne verknoten.

 

FAZIT

„Rising 5“ von Portal Games für 1-5 Spieler ab 10 ist ein kooperatives Deduktionsspiel (auch spielbar mit der Hilfe einer App). Die Spieler steuern per Karten die fünf Helden (jeder Spieler kann jeden Helden steuern), um mit ihnen mit ein bisschen Würfelglück Monster zu beseitigen, hilfreiche Boni zu finden, Energiesteine aufzusammeln und den Code für vier Runen zu erraten. Dabei erhalten sie jedesmal Rückmeldung, ob eine Rune am richtigen Platz liegt, ob sie zwar verwendet aber am falschen Platz ist oder ob die Rune gar nicht verwendet wird. Nach dem Prinzip von „Master Mind“ versuchen die Spieler, die verschiedenen Informationen so zu kombinieren, dass sie den richtigen Code erraten, bevor der Sonnenzeiger auf die Nachtseite gewandert ist.

Die Spieler müssen sich untereinander beraten, zum einen, welcher Code wohl richtig ist, welche Kombinationen die besten Informationen bringt und wie sie auf dem Spielpan die fünf Helden bewegen, dass sie genügend Zeit für das Raten haben.

Das ist spannend, kommunikativ und erfordert Zusammenarbeit und Absprache. Mit der Hilfe eines Smartphones und der gelungenen App zu dem Spiel ist jeder Spieler in das Spiel integriert, sonst muss ein Spieler den Spielleiter machen, um die Informationen über die Rateversuche zu geben.

Das Spiel bietet verschiedene Schwierigkeitsgrade, so dass man leicht beginnen kann, aber mit der Zeit den wirklich fordernden schweren Grad angehen will. Das Spiel lässt sich auch ab 8 spielen, wenn man beim Raten mithilft. Das Abenteuerspiel „drumrum“ ist auch für jüngere Spieler geeignet.

Wer das Ratespiel „Master Mind“ mag, der findet hier das selbe Prinzip nur in eine schöne spannende Abenteuergeschichte verpackt. Wer wenig Freude an Deduktion hat, sollte die Finger davon lassen. Problem im Spiel ist, dass nicht alle Spieler gleich am Rätsellösen beteiligt sind und sich hier immer ein oder zwei Spieler hervor tun und die anderen Spieler nur „Mit“-Spieler sind. Noch ein Problem ist, dass die Informationen die man für seine Rästelversuche bekommt, nirgends vermerkt werden. Man kann auf dem Spielfeld seine gewonnenen Informationen ablegen, das hilft in den meisten Fällen. Zum Nachschlagen, welche Kombinationen man bereits probiert hat, dafür braucht man entweder Stift und Papier oder eben die App. Mit einem Spielleiter und ohne App empfiehlt sich, diese Kombis aufschreiben. Denn manchmal ist es mehr das Merken der bereits verwendeteten Versuche und deren Ergebnisse als geschicktes Kombinieren. Das hätte man anders lösen können. Ich empfehle auf alle Fälle mit der App zu spielen.

Zwar bietet die App oder der Spielleiter in jedem Spiel andere Codes an, trotzdem ist das Spiel selbst eigentlich immer gleich. Es unterscheidet sich nur durch die Karten, die die Spieler auf die Hand bekommen, aber das Prinzip ist jedesmal das Gleiche. Wenig Abwechslung, nicht im Spiel integrierte Merkhilfen für die Versuche und das Problem mit Alphaspielern (die das Spielgeschehen an sich ziehen) geben dem Spiel einen eher faden Beigeschmack.

Man kann es auch Solo gegen die App spielen, und das ist tatsächlich eine schöne Beschäftigung. Als Gruppenspiel bietet es für ein paar Mal eine nette Unterhaltung, aber mehr nicht. Rätselfans können hier sicher mehr herausholen, aber vielleicht macht denen das abgespeckte reine „Master Mind“ mehr Spaß.

Material und besonders die Grafiken sind sehr schön und stimmig, die Anleitung gut (ein und zwei Sätze oder Beispiele mehr wären manchmal noch besser gewesen), das Spiel ist schnell gelernt und eine Partie dauert etwa 20 Minuten. Da kann man schnell sein Können noch einmal in einer weiteren Partie zeigen. Auch wenn der Reiz zum Wiederspielen nur für Rätselfreunde hoch ist. „Rising 5“ ist kein Spiel, dass man haben muss, aber das schon mal zu ein paar Partien einlädt. Will man seine Kids zu mehr Hirnarbeit anregen, dann sollte man sie nach Asteros schicken, um gemeinsam mit der Heldengruppe „Rising 5“ die Monster wieder in ihre Käfige zu verbannen.

 

BEWERTUNG

+ tolle Grafik, schönes Material
+ spannende Geschichte rund um das Rätselspiel
+ kooperativ, fordert Zusammenarbeit und Absprache
+ sehr gute App ersetzt den nicht mitspielenden Spielleiter
– Spiel ist auf Dauer eintönig
– Benutzte Kombinationen sind nur in der App nochmal abzurufen
– einzelne Spieler werden zu Alphaspielern, alle anderen spielen nur mit

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

 

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiele”

 

 

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altergruppe 13-49 Jahre
  • ... Altergruppe 50-75 Jahre
3.3

Kurzfassung

Titel: Rising 5
Autor: Gary Kim und Evan Song
Grafik: Vincent Dutrait
Verlag: Portal

Spieleranzahl: 1-5 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Eigene Altersempfehlung: Ab 7 Jahren mit Hilfe beim Rätseln
Spieldauer: 25 Minuten

Generationentauglich: Das Abenteuerspiel ist für jung, das Rätseln für älter geeignet, so kann sich eine gute gemischte Spielgruppe ergeben.

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