Stadt-Land-Fluss mal anders aber gut – „Haste Worte” in der Würfelversion (Rezension)

Manche Verlage benutzen ein Spiel gern dazu, es in verschiedenen Varianten auf den Markt zu bringen. Oft ist es nur ein bemühter Abklatsch. Im vorliegenden Fall ist die Würfel-Version von „Haste Worte“ eine gelungene Kopie des Originals und in meinen Augen spielbarer und flotter.

Zwei bis sechs Spieler können an diesem Spiel teilnehmen. Der Startspieler beginnt eine Runde und wirft alle sechs Würfel. Dann nimmt er sich einen davon. Anschließend kann sich jeder Mitspieler ebenfalls einen Würfel aussuchen und vor sich ablegen. Jetzt wird eine Karte vom Kartenstapel aufdeckt. Diese Karte zeigt einen Buchstaben. Gleichzeitig wird die Sanduhr umgedreht und los geht’s. In den 90 Sekunden Zeit muss jeder Spieler drei Begriffe mit dem gezogenen Anfangsbuchstaben aufschreiben, die mit dem Symbol auf dem von ihm gewählten Würfel zu tun haben. Ebenso aber kann jeder Spieler Begriffe aufschreiben, die mit dem Buchstaben beginnen, aber mit Symbolen der Mitspieler zusammenhängen. Aber nicht mehr als die Anzahl der Spieler am Tisch.

Nach Ablauf der Sanduhr beginnt der erste Spieler seine drei Begriffe zu seinem Würfel vorzulesen. Hat auch nur ein Mitspieler diesen Begriff ebenfalls aufgeschrieben, bringt es für den Spieler keinen Punkt. Hat aber keiner seinen Begriff notiert, erhält er einen Chip als Siegpunkt. Bei 15 Siegpunkten hat man das Spiel gewonnen. Nachdem jeder Spieler seine Begriffe vorgelesen hat und dafür Punkte erhalten hat – oder eben nicht – ist der nächste Spieler Startspieler und das Spiel beginnt von vorn.

„Stadt – Land – Fluss“ einmal etwas anders. Zum einen hat man nur ein Thema, zu dem man Begriffe suchen muss (abhängig vom Würfelwurf). Zum anderen kann man den Mitspieler schon mal ärgern. Als Themen stehen Speisen, Sportarten, Autoteile, Getränke, Spiele (!), Bücher und so weiter zur Verfügung, also genug Abwechslung für viele Runden.

Natürlich tun sich wortgewandte Spieler leichter, gerade wenn es darum geht, auch ausgefallenere Begriffe zu finden, die den Mitspielern nicht einfällt. Dafür kann es schon mal zu Diskussionen kommen, ob ein Begriff noch unter das Thema fällt bzw. ob des den Begriff überhaupt gibt. Da tauchen Städtenamen auf, die man vorher nicht gehört hat oder Buchtitel, die sich so wahrscheinlich nicht verkaufen würden. Da steht und fällt das Spiel mit der Spielgruppe. Wer es allzu ernst nimmt, kann schon mal das Spiel crashen. Also sollte man es locker angehen und schon mal ein Auge zudrücken.

Was häufig passiert ist, dass sich Spieler gegen den führenden verbünden. Hat einer zuviele Punkte gesammelt, schreibt plötzlich jeder Spieler nur noch Begriffe zu dessen Thema auf. Diese Gruppendynamik beginnt oft bereits vor dem Spiel, wenn man bereits im Vorfeld den möglichen Gewinner ausgemacht hat und sich mehr auf diesen Spieler konzentriert. Auch die Negativ-Spieler erlebt man am Tisch. Das sind die, die zu ihrem Begriff nur kurz nachdenken aber sich vor allem auf Begriffe für die Mitspieler konzentrieren. Das bringt zwar keine Punkte aber verhindert den Punktegewinn der anderen Spieler.

Das Spiel lädt direkt dazu ein, konfrontativ zu spielen. Was zwar durchaus in den Regeln vorgesehen ist, aber in der Wucht, wie es am Tisch manchmal auftritt, nicht wirklich so beabsichtigt sein konnte.

Wenn die Gruppe aber relaxt spielt, sich gegenseitig auch mal etwas gönnt und Augen zudrückt, vor allem auf sein Punktekonto schaut statt auf den Punktestand der Mitspieler, dann ist das Spiel ein ganz vergnügliches Ratespiel, bei dem man sein Wissen bzw. seine Schnelligkeit und seinen Wortschatz einbringen kann.

Wer es öfters spielt, bekommt natürlich einen speziellen Wortschatz genau für dieses Spiel, allerdings sammeln den ja auch die Mitspieler, die dann gebräuchliche Worte auf ihre Mitspieler-Liste aufnehmen. So muss man stets bemüht sein, neue Begriffe zu finden, um noch punkten zu können.

Wer solche Wortspiele mag, der hat hier eine wunderbare Abwechslung zu „Stadt – Land – Fluss“ mit dem interessanten Kniff, dem Gegner Punkte zu verhindern. Wer schon mit „Stadt – Land – Fluss“ nichts anfangen kann, für den ist dieses Spiel auch keine Alternative. Zu unterschiedlich sollte die Gruppe auch nicht sein, denn nur allzu schnell werden Unterschiede bei Wissen und Wortgewandtheit aufgezeigt.

Eine schöne Variante zu herkömmlichen solchen Spielen, die der richtigen homogen besetzten Gruppe Spaß macht, aber sicher nicht für jeden Spielertyp geeignet ist.

Das Material ist hochwertig, nur die Aufsteller, die den eigenen Block abdecken sollen, sind viel zu klein und zu unstabil geraten. Da muss man den Zettel eben mit der eigenen Hand abdecken.

 

FAZIT

„Haste Worte – das Würfelspiel“ von Hartwig Jakubik für 2 bis 6 Spieler ab 10 Jahren, erschienen bei Huch! 2018, ist eine interessante Variante des bekannten „Stadt-Land-Fluss“-Themas mit immer neuen Themen und mit der Möglichkeit, auch gegen andere Spieler zu spielen. Die richtige passende Gruppe wird daran Spaß haben, weil es eine frische neue Variante ist, alle anderen, besonders gemischte Gruppen, haben eher weniger Freude am Spiel.

Der Anspruch ist nicht groß, das Spiel kann quasi aus der Schachtel gespielt werden, die Erklärung erfolgt mit dem Verteilen des Materials. Für Einsteiger problemlos spielbar, für Familien eher weniger geeignet, da die Unterschiede im eigenen Wortschatz schnell deutlich werden.

Im Vergleich zum großen Bruder, dem Brettspiel „Haste Worte“, eine kompaktere Variante, die mit weit weniger Material auskommt aber den gleichen Spielspaß bietet.

 

BEWERTUNG

+ wenig Material für viel Spielwert
+ schnell erklärt
+ interessante Stadt-Land-Flluss-Variante
– Sichtschirme zu klein

 

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form verwendet wurde.

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”

 

  • ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altergruppe 13 - 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 bis 75 Jahre
4

Kurzfassung

Titel: Haste Worte – Das Würfelspiel
Autor: Hartwig Jakubik
Grafik: Kinetic
Verlag: Huch!

Spieleranzahl: 2-6 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 40 Minuten pro Partie

Generationentauglich: Wenig empfohlen für altersgemischte Gruppen. Altersunterschiede werden schnell deutlich.

Pädagogisch wertvoll: Absolut geeignet für den Einsatz in Schule und mehr, Sprache und KOmbinationsvermögen wird trainiert.

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