Spielerisch Geschichte erleben – “Catan – Der Aufstieg der Inka” führt den Erfolg fort (Rezension)

Versucht man Außenstehenden seine große Leidenschaft „Brettspiel“ zu erklären, hört man in der Regel „Ja, Siedler von Catan hab ich auch mal gespielt“. Und dann meist „Und das spielt du heute noch?“ Das Gute daran ist, das irgendwie jeder Catan (oder wie es im Volksmund immer noch heißt „Siedler“) kennt und – wenn derjenige Glück hatte – auch gespielt hat. Das weniger Gute daran ist, dass es immer noch Leute gibt, die Brettspiele auf Kinderspiele, Monopoly und „Siedler“ beschränken.

Man kann von Catan denken, was man will, das Spiel hat geschafft, dass es nahezu jeder kennt. Und auch Leute zuhause im Schrank stehen haben, die so gut wie nie ein Spiel spielen. Glückwunsch. Das muss man erst mal schaffen.

Es gibt auch nichts auszusetzen an dem Spiel. Es funktioniert heute noch so gut wie damals „in der guten alten Zeit“. Dass viele Spieler die Nase rümpfen, wenn es auf den Tisch kommen soll, liegt nicht am Spiel, sondern daran, dass man es durchgespielt hat, man sich abgespielt hat an dem Spiel. Für Neueinsteiger ist es aber immer noch eines der besten Spiele, die Welt der Brettspiele zu betreten.

Und dass nicht doch Langeweile aufkommt, versorgt uns der Autor und der Verlag jedes Jahr aufs Neue mit Varianten des Grundspiels. Dass damit schönes Geld verdient ist, ist klar, aber es ist auch das gute Recht, den erfolgreichen Namen „Catan“ immer wieder an neues Spielerpublikum zu bringen.

Und – ganz ehrlich – ich bin darüber froh. Denn damit erschließen sich neue Brettspieler, die nach ein paar Partien den nächsten Schritt machen und die Tür aufstoßen zu einer Paradies auf Erden, dem Brettspielparadies – das soviel mehr zu bieten hat als „Hast du ein Schaf für meinen Stein?“

Dieses Jahr sind es die Inkas, die vercatanisiert werden. Das Spielprinzip mit dem Erwürfeln von Erträgen, dem Handeln zwischen den Spielern und dem Ausbau seines Straßennetzes und seiner Dörfer zu Städten ist immer noch das Gleiche. Hinzugekommen sind zwei interessante Ergänzungen. Zum einen gibt es drei weitere Waren, die Handelsgüter, die man tauschen kann. Und eine zeitliche Abfolge im Spiel, das drei Zeitalter durchläuft und nach jedem Zeitalter werden die Straßen der Spieler zerstört und seine Dörfer und Städte überwuchert und man muss neu beginnen. Das ist erfrischend neu und für ein „normales“ Catan fast schon komplex. Denn nur zu leicht können einem die Mitspieler in der dritten Ära die eigenen Wege zubauen. Da muss man sehr sorgfältig überlegen, wo die Reise, sprich die Straßen hingehen.

Wer Catan kennt und mag, der darf gern zu dieser Variante greifen, sie bringt frischen Wind ins Spiel, wer endlich einmal Catan ausprobieren möchte, dem rate ich zum Original, aber nur, weil man das Original einfach gespielt haben muss. Auch weil es schön ist, sein Reich aufzubauen und zu sehen, wie es sich entwickelt. Hier in „Der Aufstieg der Inka“ wird mir zuviel wieder zerstört. Das gehört zum Spiel, aber eben darum finde ich das eigentliche Catan befriedigender. Da wird nichts zerstört und man sieht sein Straßennetz wachsen, Bei den Inkas wird immer alles vom Dschungel überwuchert. Das hab ich im Garten auch.

Was spricht für die Inkas? Die tolle Ausstattung, das interessante Thema. Man lernt etwas über die Kultur und die Geschichte, auch dank eines sehr informativen Almanachs, der dem Spiel beiliegt. Mir persönlich gefällt die Sache mit den Handelskarten, die einem noch etwas mehr Möglichkeiten an die Hand geben. Mir persönlich gefällt Holz immer besser als Plastik. Hier sind die einzelnen Teile (Dörfer, Städte und Wege, die hier als Brücken modeliert sind) aus relativ dünnem Plastik gefertigt, sind aber sehr schön und detailreich geformt.

 

FAZIT

“Catan – Der Aufstieg der Inka” von  Klaus und Benjamin Teuber aus dem KOSMOS-Verlag für 3 bis 4 Spieler ab 12 Jahren ist eine etwas komplexere Variante des bewährten, erfolgreichen und perfekten Einsteigerspiels “Catan”. Es bietet neben dem unveränderten Spielmechanismus noch Handelsgüter als weitere Waren, die erwürfelt werden können, außerdem wird die Geschichte in den Anden nacherzählt, wie die Inkas zum damals herrschenden Volk aufstiegen. So spielt man den Aufstieg und Fall von drei Völkern nach, deren Straßen verschwunden und deren Gebäude der Dschungel zurückgeholt hat. Wer zuletzt mit dem dritten Volk das vorgegebene Ziel erreicht, ist Sieger.

Catan ist ein ideales Einstiegsspiel für Neulinge, das ziemlich alles vereint, was man sich wünschen kann. Kommunikation (man handelt mit den Mitspielern), Glück (weil die Waren ausgewürfelt werden), Strategie (man muss sein Straßennetz planen), Taktik (wann setze ich meine Waren in welche Ausbauten um) und langweilig wird es auch nicht, da ich auch beim Zug meiner Mitspieler beschäftigt bin. Nahezu ideal. Mit kleinen Schwächen, die aber nicht dem Spiel geschuldet sind. So sollte man es vermeiden, mit Paaren zu spielen, die nur miteinander handeln und die mit klarer Rollenverteilung ins Spiel gehen: Einer soll gewinnen, der andere tut alles, dass der gewinnt, egal wie er selbst abschneidet). Dieses „Königsmacherproblem“ ist vorhanden, aber auch dafür sind Spiele da. Man lernt Menschen kennen, besser als in vielen Gesprächen.

Und wer absolut Pech an den Fingern hat und beim Würfeln grundsätzlich die falschen Zahlen würfelt – dem wünsch ich gute Nerven. Denn ich habe schon Spieler weinend den Spieltisch verlassen gesehen, weil sie nie, wirklich nie ihre Zahlen gewürfelt haben 😉

Wer ein Spiel für jedermann und jederfrau sucht, dass man problemlos auch mit Nichtspielern spielen kann, der findet in Catan ein großes aber tolles Einstiegsspiel. Etwas Zeit braucht man dafür schon, unter eineinhalb Stunden kommt nach nicht weg vom Tisch (wenn man nicht weinend davonläuft). Dafür bietet es unaufgeregte Unterhaltung, das auch den ein oder anderen Schwatz am Tisch erlaubt. Auch erfahrenere Spieler ohne viel Catan-Erfahrung haben hier ein schönes Spiel mit ein paar neuen frischen Ergänzungen. Spieler, die Catan-gesättigt sind, finden hier auch nichts, dass sie zum Spielen zurückbringen könnte, wer Catan liebt, hat hier eine der anspruchsvolleren Varianten vor sich.

Alles in allem eine frische neue Variante von Catan, aber auch nicht mehr als nur eine weitere Variante.

 

BEWERTUNG

+ sehr schöne Ausstattung
+ sehr kommunikativ
+ ideales Einstiegsspiel in die Brettspielwelt
+ sehr gut mit Neulingen und Nichtspielern spielbar
+ kaum Wartezeit zwischen den eigenen Zügen
+/- glückslastig, aber kein reines Glücksspiel
– gegenüber dem Original nur wenig Neues

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form verwendet wurde.

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel”

  • ... ... Altergruppe bis 12 Jahre
  • ... Altergruppe 13 - 49 Jahre
  • ... Altergruppe 50 - 75 Jahre
  • ... Altergruppe über 75 Jahre
3.9

Kurzfassung

Titel: Catan – Der Aufstieg der Inka
Autor: Klaus Teuber, Benjamin Teuber
Grafik: Martin Hoffmann, Michaela Kienle, Claus Stephan
Verlag: KOSMOS

Spieleranzahl: 3-4 Spieler
Altersempfehlung Verlag: Ab 12 Jahren
Eigene Altersempfehlung Verlag: Ab 10 Jahren
Spieldauer: 90 Minuten

Generationentauglich: Für alle Altersgruppen zwischen 10 und 80 spielbar, hohe Kommunikation fördert das gemeinsame Spielerlebnis, der Spielplan wird mit der Zeit unübersichtlich.

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