Wenn ein Spiel aus der Rolle fällt – “Shabono” von kiehly braucht flinke Hände und wachsame Augen (Rezension)

Da purzeln sie aus der Rolle, jede Menge Chips mit Tierbildern darauf, und jetzt wird schnell gesammelt. Jeder Spieler muss (in der ersten Runde) die Chips einer bestimmten Tierart sammeln und sie in seinen Sammelring legen. Und zwar so schnell es geht. Und das auch nur mit einer Hand. Da geht schon so einiges drunter und drüber, dass es eine wahre Freude ist.

Dabei gibt einer der Spieler das Tempo vor. Denn reihum wird jeder Spieler einmal zum Schamanen, und dessen Aufgabe ist es, von 20 verdeckt vor ihm liegenden Blumenchips vier einer bestimmten Blume aufzudecken, die anderen müssen wieder verdeckt werden. Sobald er alle vier aufgedeckt hat, endet die Sammelphase der anderen Spieler und es wird gewertet, wer wieviele Chips gesammelt hat.

In der zweiten Runde geht’s schon nochmal chaotischer zu, denn dann muss jeder Spieler zwei verschiedene Tierchips sammeln, und da kann schon sein, dass zwei Spieler dasselbe Tier sammeln.

Das ist ein Spaß für alle kleinen und größeren Sammler und es wird schon mal hektisch am Tisch.

Wem das Sammeln dann zu einfach wird, der mischt ein paar besondere Tierchips in die Rolle.

Rolle? Ja das ist eine geniale Idee. Das Spiel kommt nicht in einer Schachtel (obwohl die besser im Regal aufgehoben wäre), sondern in einer Rolle. Und die braucht man auch zur Spielvorbereitung. Denn alle Chips werden in die Rolle geworfen, während sie in der Tischmitte steht. Dann wird die Rolle hochgehoben und die Chips purzeln bunt gemischt heraus.

Mit ein paar gesammelten Spezialchips kommt mehr Spannung ins Spiel. Da kann man dem Mitspieler schon mal ein paar Chips klauen, man kann extra Punkte machen oder den Schamanen seine Aufgabe schwerer machen, so dass alle Sammler mehr Zeit haben.

Das alles ist gut gemacht und unterhält jüngere Spieler ausgezeichnet. Als älterer Spieler muss man schon eine gewisse Robustheit mitbringen, um auch an den Tisch zu kommen und seine Chips sammeln zu können.

Es kommt auf Schnelligkeit an, aber auch auf ein gutes Auge, denn ich muss die Chips erst finden und vielleicht ein bisschen wühlen, bis mein Tier auftaucht. Als Schamane helfen schonmal etwas längere Fingernägel, um die Chips schnell umdrehen zu können, aber auch Memory-Qualität muss man mitbringen, denn sollte durch einen der Spezialchips plötzlich nötig sein, eine andere Blumensorte aufzudecken, ist es gut, wenn man weiß, wo diese Chips lagen.

„Shabono“ ist ein hektisches Sammelspiel, das vor allem die Kids unterhält. Das Punkteberechnen ist manchmal etwas mühsam, denn es gibt dabei schon einiges zu beachten. Ist das Tier auf Vorder- und Rückseite abgebildet? Habe ich genug von den Spezialchips gesammelt, dass sie gültig sind?

Kleine Designfehler sind einfach gelöst, wie zum Beispiel, dass man seinen Sammelring als Schamane um den Hals hängen soll. Dabei ist die Schnur aber so knapp, dass das nicht immer gelingt. Dann legt man ihn eben einfach vor sich ab, dem Spiel tut das keinen Abbruch.

Das Regelheft ist ausführlich aber nicht vollständig. Darf ich als Schamane meine Chips sortieren oder muss ich sie an Ort und Stelle liegen lassen? Darf ich den Berg an Chips durchwühlen und was wenn dabei in der Hektik Chips umgedreht werden? Darf ich fremde Chips nehmen und sie woanders hinlegen? Was ist, wenn ich aus Versehen die Chips total durcheinander mische, weil ich mit meinem Arm auf die andere Seite des Tisches greife?

Nichts, was man nicht vor dem Spiel klären kann. Klar gibt es da immer etwas Ärger, weil „der meinen Chip einfach weggeschoben hat“. Naja, Chaos eben und irgendwie gehört das zu einem lebhaften Spiel dazu. Deswegen für ältere Generationen eher die Warnung: Hier herrscht Anarchie.

 

FAZIT

„Shabono“ von Stefan Kiehl aus dem kiehly-Verlag ist 2016 erschienen und für 3-5 SpielerInnen ab 7 Jahren geeignet. Es ist ein Sammelspiel für Kids und Familien, das auf Schnelligkeit und einem guten Auge beruht. Hektik kommt auf, gerade in der zweiten Runde, wenn zwei Spieler die selbe Tierart sammeln müssen. Das Material ist gut und spielbar, die Chips hätte ich mir etwas stabiler gewünscht. Durch viel und hektisches Umdrehen leiden sie mit der Zeit. Die Spielschachtel – äh – die Spielrolle ist gut für die Spielvorbereitung, wo die Chips aus dem Rohr fallen, zum Aufheben aber sehr ungeeignet.

Das Punktezählen ist manchmal etwas verwirrend, mit den bis zu vier Sonderchips kommt manchmal etwas Ratosigkeit auf, welches Tier jetzt was bewirkt. Durch die Vogelspinne kommt aber viel Interaktion dazu, da man dem führenden Spieler ein paar Chips klauen kann.

Schön gemacht, schnell erklärt und hektisch gespielt kann man Shabono schon mal auf den Tisch bringen, vielleicht sollte man die Kids dabei aber unter sich lassen.

 

BEWERTUNG

+ schnell erklärt und gespielt
+ witzig gemacht mit der Verpackungsrolle als “Misch”-Rohr
+ hektisches Chaosspiel, das vor allem Kids richtig Spaß macht
– Punktezählen etwas kompliziert
– Material könnte stabiler sein

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

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“Kinderspiel, Familienspiel”

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