Nicht mehr als fast food – “Burger vs Pizza” schmeckt, aber nicht immer (Rezension)

Wenn es schnell gehen muss, geht man schon mal in einen Schnellimbiss. Allen Bedenken zum Trotz, lecker ist es meistens. Und da man diese Imbissbuden wie Sand am Meer findet, stellt sich die Frage, wohin heute? Asiate, Döner, Burger, Pizza?

Diesem Konflikt stellt man sich in diesem Spiel, aber auf der anderen Seite des Tresens. Wir sind in dem Spiel „Burger vs Pizza“ nämlich Gründer eines Imbiss-Imperiums. Der eine Spieler baut dabei eine Burger-Kette auf, der andere Spieler eine Pizza-Kette.

Soweit zum Thema. Der Rest des Spiels ist ziemlich Thema-unabhängig. Wir sammeln Sets bestimmter Farbwürfel und erweitern unsere Möglichkeiten, um an Ende als erster 12 Punkte zu haben. Hört sich wie jedes x-beliebige Spiel an, hat aber ein paar interessante Finessen auf Lager, die es wert sind, sich damit zu beschäftigen.

Jeder der beiden Spieler hat ein Brett vor sich, sein Imbiss-Imperium. Darauf sind vier Spalten: Werbung, Stehimbiss, Restaurant und Bistro. Hier kann der Spieler durch Abgabe von bestimmten farbigen Würfeln Werbung machen (bringt mehr Punkte, je mehr Werbung er macht), einen Stehimbiss bauen, einen Stehimbiss zu einem Restaurant oder ein Restaurant zu einem Bistro umbauen. Ein gebautes Restaurant bringt Vorteile, wie wir gleich sehen werden, ein Bistro erlaubt sogar direkte Manipulation der farbigen Würfel.

Wie kommt man an Würfel? Das ist nun das Besondere an diesem Spiel. In der Produktionsphase einer Runde ziehen beide Spieler so viele Würfel aus dem gemeinsamen Beutel, wie jeder von ihnen Restaurants und Bistros besitzt, maximal aber vier. Diese werden auf der Ablagetafel abgelegt. Dann kann jeder die Würfel einer Farbsorte auf seine Seite der Ablagetafel ziehen, von der er das entsprechende Restaurant besitzt. Besitzen beide Spieler Restaurants in dieser Farbe, bleiben die Würfel in der Mitte liegen.

Dann wählen die Spieler abwechseln aus der Ablage einen Würfel und legen ihn in ihr Lager. Dabei darf jeder Spieler den jeweils ersten Würfel aus der Mitte ziehen, aber auch aus dem nur für ihn reservierten Bereich. Nach dem ersten Zug werden alle reservierten Würfel auch in die Mitte geschoben und sind frei zugänglich für beide Spieler.

Man kann also, sollte man als einziger das entsprechende Restaurant gebaut haben, eine Farbe vorreservieren, die man dann auf alle Fälle nehmen kann, ohne dass der Mitspieler sie einem wegschnappen kann.

Die Spieler ziehen weiter Würfel um Würfel, soviele, wie sie zu Beginn aus dem Beutel ziehen durften. Dann spielt nur noch der aktive Spieler weiter, der andere Spieler sieht zu und wartet auf die nächste Runde.

Der aktive Spieler kann nun drei gleichfarbige in einen andersfarbigen Würfel tauschen oder eine der Sonderaktionen nutzen, die durch das Bauen seiner Bistros freigeschaltet wurden. Zum Beispiel kann er einen Würfel in den Beutel werfen und einen neuen ziehen, oder er zieht gezielt einen Würfel einer bestimmten Farbe. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die aber entsprechend teuer sind. Je mächtiger die Sonderaktion, desto weniger Punkte bringt das Bistro.

Und es gewinnt der Spieler, der als erstes 12 Punkte hat. Baut man ein sehr gutes Bistro, gehen einem gegenüber einem „wertlosen“ Bistro drei Punkte ab. Das ist viel.

So, der aktive Spieler sortiert nun alle seine Würfel in seinem Lager (er darf auch bis zu sieben Würfel aus der vorherigen Runde mitnehmen) und baut ein Gebäude oder gibt es für Werbung aus, indem er eine bestimmte Farbkombination an Würfeln abgeben muss. Er kann auch mehrmals bauen, solange er Würfel hat und diese nicht für die nächste Runde aufheben will.

Schließlich überprüft er, wieviele Punkte er jetzt hat und markiert diese auf seiner Leiste. Hat er 12 Punkte, gewinnt er.

Das Spiel hat zwei Besonderheiten. Zum einem das mögliche Vorreservieren einer bestimmten Farbe. Das kann sehr stark sein, solange der Mitspieler nicht auch dieses Restaurant baut, dann ist die Reservierung wieder weg. Beim Bau eines Bistros muss man zu den farbigen Würfeln ein Restaurant abgeben und verliert die damit verbundene Reservierung. Tricky, hier genau zu planen.

Und der Bau der Bistros verlangt etwas Planung. Baue ich den wenig Punkte bringenden Bistro, der mir aber eine sehr gute Sonderaktion bietet, oder baue ich den Bistro, der mir einfach nur viele Punkte bringt.

Das ist knifflig und belebt das ansonsten einfache Set-Sammel-Spiel deutlich. Sein Imperium auszubauen, mit kleinen Nadelstichen (Reservierungen) den Mitspieler ein wenig zu ärgern, bei der Würfelauswahl nicht nur auf sich, sondern auch auf den Mitspieler zu achten, um den wichtigen Würfel vor der Nase wegzuschnappen, das alles macht aus „Burger vs Pizza“ ein kleines feines Duellspiel.

Klar spielt das Glück eine relativ große Rolle, gerade zu Beginn, wo jeder Spieler nur zwei Würfel ziehen darf. Welche Farben ziehen wir aus dem Beutel, kann ich sie brauchen oder sind es Farben nur für den Mitspieler. Schnell kann es passieren, dass mein Mitspieler durch glückliches Ziehen einen Vorsprung in den ersten paar Runden erhält, dem man dann nur nachhecheln kann. Hat er schnell ein weiteres Restaurant oder zwei, darf er einen oder zwei Würfel mehr verwendet, und das ist ein deutlicher Vorteil. Passiert nicht oft, aber schafft es der Gegner schnell, entscheidende Farben zu reservieren und schnappt sich immer, obwohl er sie nicht braucht, meine Farben weg, dann steh ich da und kann nur zusehen, wie sein Imperium wächst und wächst und …

 

FAZIT

„Burger vs Pizza“ ist ein Set-Sammelspiel für zwei Spieler. Der Anspruch des Spiels ist moderat, es ist ideal für Familien und Gelegenheitsspieler. Das „Würfel-aus-dem-Beutel-ziehen“ und dann das Auswählen ist tricky, man kann dem anderen schon mal ganz schön in die Quere kommen. Die Wahl, welches Gebäude man baut, ist spannend und jedesmal wieder knifflig. Man wird in den etwa 20 Minuten spannend unterhalten und möchte sofort eine Revanche, denn natürlich hat man „nur wegen dem Zieh-Pech“ verloren. Vielspieler werden nichts Besonderes an dem Spiel entdecken und kennen die Mechaniken aus anderen, besseren Spielen. Und werden auch lieber zu diesen greifen.

Das Material ist sehr gut, die Beschriftung der Tafeln klar und eindeutig und man kommt schnell in das Spiel. Die Anleitung lässt keine Fragen offen.

Wen das relativ hohe Glückselement nicht stört, findet hier ein nettes kleines 2er-Spiel, das schnell gespielt ist und Laune macht. Viel darf man sich nicht erwarten, aber das will dieses kleine Spielchen auch nicht. Es ist wie das Thema schon sagt, ein „Schnellimbiss“, keine große Kochschule, kein Spiel für jeden Tag aber zwischendurch auch mal ganz lecker.

 

BEWERTUNG

+ sehr gutes Material
+ schnell gelernte Spielregeln
+ viel direkte Konfrontation bei der Würfelauswahl
– hoher Glücksfaktor, besonders zu Beginn des Spiels

Der hohe Glücksfaktor, vor allem beim Spielstart verhindert eine bessere Bewertung.

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

Die folgende Bewertung erfolgt innerhalb der Kategorie:
“Familienspiel, 2-Personen-Spiel”

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