Abtauchen aber nicht untergehn – mit “Tiefseeabenteuer” von Oink Games (Rezension)

Wir alle sind Abenteurer. Und wir tauchen in die Tiefen der Ozeane, um verborgene Schätze zu finden. Und wir sind nicht reich, noch nicht. Denn leider können wir uns nicht selbst ein U-Boot leisten und müssen eines gemeinsam mit unserer Konkurrenz teilen. Und auch den Sauerstofftank. Und so gehen wir zwar jeder für sich auf Tauchgang, um Schätze zu heben, aber verbrauchen gemeinsam den Sauerstoff. Und wer es nicht zum Boot zurück schafft, bevor der Sauerstoff verbraucht ist, der … nein, falsch gedacht, wir sind hier in einem auch für Familien angepassten Spiel … der verliert nur seine gesammelten Schätze und darf das nächste Mal wieder mitmachen.

Soweit zum „aufgepropften“ Thema. Aber diesmal ist das gar nicht so weit her geholt, denn im Spiel wird das Thema tatsächlich spielnah umgesetzt. Erfreulich, denn man kann tatsächlich mitfiebern mit seinem kleinen Taucher, der sich in die Tiefen wagt und dann um das Zurückkehren ins Schiff kämpft.

Unser Taucher startet wie alle anderen vom gemeinsamen U-Boot und bewegt sich entlang einer Reihe von Plättchen, die wir vor der Spielrunde ausgelegt haben. Diese entsteht aus vier Gruppen zu je acht Chips, jede Gruppe wird für sich gemischt und dann als Pfad ausgelegt. Auf der Rückseite haben die Chips unterschiedliche Punktwerte, die aber bis zur Rückkehr ins U-Boot für alle geheim bleiben. Die Chips, die weiter weg vom U-Boot sind, bringen deutlich mehr Punkte.

Bewegen kann sich mein Taucher nach einem Würfelwurf mit zwei Würfeln, die zweimal die Zahlen 1-3 haben. So bewegt sich der Taucher zwischen zwei und sechs Felder weit, und jedes bereits besetzte Feld wird übersprungen, ohne es mitzuzählen. So bewegt man sich immer tiefer in den Ozean, bis man beschließt, wieder umzukehren. Dann aber kann man nicht wieder umkehren, sondern muss ins U-Boot zurückkehren. Das geht aber nur, wenn man mindestens einen Schatz bei sich hat. Man darf nämlich das Plättchen, auf dem man steht, an sich nehmen (nicht anschauen) und legt stattdessen ein leeres Plättchen an den Ort. Man kann auch einen bereits aufgenommenen Schatz statt einem leeren Feld wieder ablegen.

Warum sollte man das tun? Weil sich mit jedem Schatz, den man bei sich hat, die Schrittweite um 1 reduziert. Hat man also zwei Schätze bei sich und würfelt eine 1 und ein 2, so ergibt sich daraus eine Schrittweite von (1+2 – 2) 1. Das ist langsam, um aus der Tiefe wieder rechtzeitig ins U-Boot zu kommen.

Warum rechtzeitig? Da ist noch die Geschichte mit dem gemeinsamen Tank. Jedesmal wenn ein Spieler an die Reihe kommt, prüft er, wieviele Schätze er aktuell bei sich trägt. Um diese Zahl wird der gemeinsame Sauerstofftank geleert. Zunächst hat man 25 Einheiten, die aber schnell weniger werden, je mehr Spieler bereits Schätze bei sich haben.

Jetzt heißt es, schnell zurück zum U-Boot, denn man muss es erreichen, bevor der Sauerstofftank leer ist. Wer es nicht schafft, verliert alle seine Schätze in dieser Runde. Die anderen decken ihre Schätze jetzt auf und diese bleiben einem bis zum Ende des Spiels. Nach drei Runden wird zusammengerechnet und der erfolgreichste Schätzeheber ist Sieger.

Das Spiel kommt in einer winzig kleinen Schachtel daher (Handys sind nicht so dick aber größer), das Material ist sehr gut, wenn auch die Punktezahlen auf der Rückseite nicht besonders gut zu lesen sind, aber das ist schon das einzige und vernachlässigbare Manko am Spielmaterial. Die Schachtel ist sehr stabil, sie fällt nicht einfach auseinander, aber auch das Öffnen macht manchmal Probleme.

Das Spiel ist schnell ausgepackt, aufgebaut und schon geht’s los. Nach 30 Minuten ist es schon wieder aus. Natürlich ist es ein Glücksspiel, denn die Würfel bestimmen mehr als jede taktische Überlegung, was mit meinem Taucher passiert. Auch die zufällig ausgelegten Chips mit den unterschiedlichen Punktewerten steigern den Glücksfaktor.

Trotzdem ist es ein kurzweiliges Spielchen, das einem mitfiebern lässt, ob man richtig würfelt, ob der Mitspieler hoffentlich falsch würfelt, wer sein Glück überstrapaziert hat oder wer rechtzeitig umgekehrt ist und den anderen das Leben schwer macht, weil er kurz vor dem U-Boot noch schnell einige Schätze aufgehoben hat, damit der Sauerstoff schnell zu Ende geht.

Das ist lustig zu spielen, stellt keine großen Ansprüche und sollte auch nicht als taktisches oder strategisches Spielchen betrachtet werden. Letztlich ist es ein Würfelspiel mit zusätzlichem Glücksfaktor in Form der gemischten Plättchen. Dass es trotzdem einen gewissen Spielreiz hat, liegt nicht nur an der guten Aufmachung, dem spielförderndem Thema und der angenehmen Spielzeit. Es ist eines der kleinen Spiele, die man schnell mal auf den Tisch packt und dann meist für eine zweite oder dritte Partie liegen lässt. Und das ist ein entscheidendes Kriterium für ein gutes Spiel.

 

FAZIT

„Tiefseeabenteuer“ ist ein Würfelspiel mit einem besonderen Kniff. Jeder Spieler spielt für sich alleine, aber gemeinsam reduziert man die Anzahl an möglichen Zügen. Je mehr Schätze man trägt, desto schneller geht das Spiel zu Ende und man sollte vorher unbedingt das rettende U-Boot erreicht haben. Die mitgeschleppten Schätze machen es einem nicht einfacher, denn mit jedem Schatz reduziert sich die erwürfelte Zugweite um 1. Das Risiko abschätzen, aber auch viel Glück haben, führen zum Sieg. Fast zu viel Glück. Aber bei drei Runden gleicht es sich (hoffentlich) wieder aus.

Man hofft auf den richtigen Würfelwurf, nimmt zur rechten Zeit Schätze an sich und kehrt im richtigen Moment zum rettenden U-Boot um. Man fiebert mit und wird trotz des hohen Glücksfaktors kurzweilig unterhalten.

Das funktioniert für Gelegenheitsspieler und Familienspieler sehr gut und das Spielschachtel-Format passt ideal für den Strandkorb oder Urlaubskoffer. Bis zu sechs Taucher können in die Tiefen absteigen, auch wenn es ab fünf schon mal leicht chaotisch wird. Dem Spielgefühl macht das keinen Abbruch. Wer leichte Unterhaltung will, kein Problem mit dem Glücksfaktor hat und ein schnelles Spiel in kleiner Schachtel sucht, mit „Tiefseeabenteuer“ geht man nicht unter.

 

BEWERTUNG

+ Spiel für Gelegenheitsspieler
+ kleine Schachtel ideal fürs Mitnehmen
+ schnell erklärt, schnell gespielt
+ für bis zu 6 Mitspieler ohne langatmig zu werden
+ Würfelspiel mit interessantem Kniff (Spieldauer wird gemeinsam beeinflusst)
– sehr glückslastig

Dank der sehr kleinen und stabilen Schachtel, die man überall mit hinnehmen kann und des trotzdem sehr guten Materials gibts klare 4 Sterne.

 

(Eine Rezension von Gerhard Hany)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

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“Familienspiel”

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