Mit Piraten auf Schatzjagd, ein Gruppenspiel bis 9 Spielern: Tortuga 1667 (Rezension)

Wir befinden uns im Jahre 1667 und segeln als Pirat im karibischen Meer. Wie es Piraten nun mal so tun, sind wir natürlich immer auf der Suche nach fetter Beute. Nach langer Fahrt durch die Hohe See, entdecken wir sie endlich: Die spanische Galeone. Aufgeregt und volle Freude ob der vielen Schätze, die uns da erwarten werden, machen wir uns bereit, das Schiff zu attackieren. Plötzlich aber nähert sich noch ein anderes Piratenschiff. Und wir haben wirklich so gar keine Lust, unsere wertvollen Errungenschaften zu teilen. Und so beginnt nun der Kampf um die beliebten Schatzkisten. Nicht nur gegen die spanische Galeone, sondern auch gegen die fremden Piraten und leider auch eigene meuternde Crewmitglieder…

 

Das Spiel
Tortuga 1667 ist ein Spiel von Travis Hancock, das bei Facade Games erschienen ist und durch Kickstarter in den Handel kam. In Deutschland wird es von Board Game Circus vertrieben. Es ist ein Spiel für 2-9 Personen und ab 13 Jahren geeignet. Derzeit ist Tortuga 1667 nur auf Englisch erhältlich, allerdings können die deutschen Regeln im Internet runter geladen werden.

Zu Beginn des Spiels erhalten alle Spieler verdeckt eine Nationalitäten-Karte. Entweder gehören sie den französischen oder britischen (bei ungerader Anzahl den holländischen) Piraten an. Anfangs wissen die Spieler daher nicht, wer dem eigenen Team zugeteilt ist. Schließlich werden die jeweiligen Spielfiguren zufällig aus einem Säckchen gezogen und auf den beiden Piratenschiffen, der Flying Dutchman und der Jolly Roger auf der Spielplanmatte verteilt, um die Startpositionen zu bestimmen. Außerdem wird gleichmäßig auf den Schiffen, sowie der Insel Tortuga jeweils eine Schatzkiste auf jeder Flagge gestellt. Jedes Schiff, sowie die Insel haben also Bereich die den jeweiligen Piraten gehören. Zu Beginn besitzt daher jede Nationalität die gleiche Anzahl an Schatzkisten. Die restlichen vier Kisten liegen auf der spanischen Galeone. Nun erhält jeder Spieler noch drei Abstimmungskarten und am Spielplan werden 5 Ereigniskarten verdeckt angelegt, die restlichen Karten liegen als Stapel zum Nachziehen bereit.

Ziel des Spiels ist, dass das eigene Team die meisten Schatzkiste auf der Seite ihrer eigenen Nationalität stehen haben. Dabei zählen die Kisten auf den Schiffen und Tortuga zusammen. Damit dies gelingt, stehen den Spielern verschiedene Aktionen zur Verfügung, von der immer nur eine ausgeführt wird, wenn man am Zug ist.

Zum einen kann man sich immer zwei der Ereigniskarten ansehen und legt sie danach wieder an dieselben Plätze zurück. Eine Aktion ist es aber auch, auf eine Karte zu zeigen und einen Spieler zu bestimmen, der diese umdrehen und ausführen muss. Oder aber man zeigt auf zwei Karten und ein anderer Spieler muss eine der beiden wählen und aufdecken/ausführen. Ereigniskarten beeinflussen das Spiel entscheidend und können positiv, sowie negativ sein.

Zum anderen kann man von einem Schiff auf ein Ruderboot gehen, vom Ruderboot auf die Insel Tortuga oder wieder von Tortuga zurück aufs Ruderboot und dann wieder aufs Schiff. Jeder dieser Schritte gilt als eine Aktion.

Außerdem gibt es weitere Aktionen, die von der Position auf dem Schiff und der Insel abhängen. Steht die Spielfigur auf der ersten Position eines Schiffes, ist man Kapitän und dürfte als Aktion zu einer Attacke ausrufen (die spanische Galeone angreifen und bei Erfolg einen Schatz aufs Schiff stellen) oder ein Crewmitglied vom Schiff auf die Insel verbannen.
Auf zweiter Position ist man erster Mat und kann als Aktion zur Meuterei ausrufen und somit bei Erfolg den Kapitän auf die Insel verbannen. Wer auf letzter Position steht (und das kann auch der Mat oder der Kapitän sein, wenn kein weiterer Spieler auf dem Schiff steht), stellt den Schiffsjungen dar. Dieser darf als Aktion eine Schatzkiste von einer Seite des Schiffes auf die andere stellen und somit die Zugehörigkeit zur Nationalität ändern. Wer an erster Stelle auf Tortuga steht, ist Gouverneur und darf als Aktion einen Kampf ausrufen bei Erfolg beide Schatzkisten auf eine Seite seiner Wahl stellen.
Sobald Figuren das Schiff oder die Insel verlassen, rutschen nach vorne auf.

Die Aktionen Angriff, Meuterei und Kampf werden über Abstimmungs-Karten entschieden. Nur wenn die Mehrheit des geforderten Symbols erhalten wird, ist die Aktion erfolgreich.

Sobald die Aktionskarte Spanish Armada aufgedeckt wird, endet das Spiel. Das Spiel, welches dann die meisten Schatzkisten auf seinen Flaggen stehen hat, gewinnt.


Fazit

Tortuga 1667 ist ein richtig tolles Spiel. Aber gleich vorweg: Je mehr Spieler teilnehmen, desto mehr Spaß macht es. Mit 2 Spielern war es nur „ok“, mit drei Spielern wurde es besser. So richtig Spaß kam dann erst ab dem 4. Spieler auf. Tortuga kann mit bis zu 9 Spielern gespielt werden und ist unserer Meinung genau das: Ein Gruppenspiel. Je mehr Mitspieler desto lustiger wird es. Gerade anfangs ist die Spannung größer, da man nicht weiß, wer dem eigenen Team angehört. Da wird dann mal schnell der Falsche verdächtigt. Aber auch das heimliche Überlaufen zum anderen Team ist durch Ereigniskarten möglich und so tappt man schnell wieder im Dunkeln, obwohl man vorher sicher war, wer welche Nationalität besitzt.

Das Spiel lebt unserer Meinung nach von den Ereigniskarten. Zwar kann man auch ohne diese Kisten erhalten oder hin und her schieben, aber das Spiel lässt sich so nicht beenden. Dies muss von Anfang an klar sein, da sich das Spiel sonst unnötig in die Länge zieht. Die Ereigniskarten bringen dabei natürlich einen hohen Glücksfaktor ins Spiel, aber dieser ist für Tortuga gewollt und passend. Nur so lässt sich die Spannung bis zum Schluss hoch halten und das Team, das sich als Gewinner wähnt, kann mit der letzten Karte dann doch noch verlieren.

Gelobt werden sollte übrigens auch das Material. Die Verpackung von Tortuga stellt ein Buch da, ist sehr stabil und eine absolute Augenweide. Aber auch die mitgelieferte Spielmatte, das Säckchen und die Schatzkistchen sind wirklich toll. Die Grafik von Karten und Spielmatte sind spieleinladend und passen ideal zum Thema. Man hat richtig Lust, das Spiel zu erleben.

Leider ist Tortuga 1667 noch nicht auf Deutsch erschienen. Allerdings kann man sich bereits die deutschen Regeln runterladen und mit diesen kann das Spiel auch mit wenigen Englischkenntnissen gespielt werden. Übrigens gibt es noch weitere Spiele in dieser Reihe: Salem 1692 und ganz neu Deadwood 1876 (Derzeit als Preorder erhältlich, Auslieferung ca. Anfang November KLICK ZUR PREORDER).

Tortuga 1667 ist ein tolles und spannendes Gruppenspiel, das vor allem mit mehreren Spielern gut funktioniert und mit hochwertigem und ansprechendem Spielematerial punktet. Wir können es daher gut empfehlen.

 

(Eine Rezension von Petra Fuchs)

Hinweis zur Gender-Formulierung: Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen 
bezogen sind, meint die gewählte Formulierung beide Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nur die weibliche oder männliche Form 
verwendet wurde.

 

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“Familienspiele und Gruppenspiele”

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